Carsharing in Deutschland – die Städte mit dem größten Angebot

Carsharing wird von Jahr zu Jahr beliebter
Carsharing wird von Jahr zu Jahr beliebter© Miles

Sich mit anderen ein Auto zu teilen – diese Möglichkeit gab es 2022 in 935 deutschen Städten und Gemeinden. Doch Carsharing ist nicht gleichmäßig verbreitet.

  • Zum Carsharing gibt es 3,4 Millionen Anmeldungen

  • Bundesweit sind 30.200 Fahrzeuge verfügbar

  • Karlsruhe ist die Hauptstadt des Autoteilens

2022 verzeichneten die deutschen Carsharing-Anbieter rund 3,4 Millionen Anmeldungen – manche Nutzerinnen und Nutzer sind bei mehreren Anbietern registriert. Im Vergleich zu 2021 gab es hier ein Plus von 18 Prozent.

Die Zahl der Carsharing-Fahrzeuge in deutschen Städten und Gemeinden ermittelt alle zwei Jahre der Bundesverband CarSharing e.V. Daraus wird errechnet, wie viele Fahrzeuge für jeweils 1000 Einwohner zur Verfügung stehen. Wegen der Pandemie wurde die turnusgemäß in ungeraden Jahren stattfindende Erhebung von 2021 auf 2022 verschoben. Berücksichtigt werden alle Sharing-Orte mit mindestens 50.000 Einwohnern.

Auf der Angebotsseite gab es 2022 rund 30.200 Fahrzeuge, ein Flotten-Zuwachs von 15,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr bzw. von 49,5 Prozent gegenüber 2019.

Städte mit dem größten Carsharing-Angebot

Nirgendwo in Deutschland gibt es mehr Carsharing-Autos pro Kopf als in Karlsruhe © Stadtmobil/Daniel Foltin

Deutschlands Hauptstadt des Autoteilens ist, wie schon 2019, Karlsruhe. Hier leben gut 300.000 Menschen, und pro 1000 von ihnen gibt es 4,3 Carsharing-Fahrzeuge. Auf den Plätzen 2 bis 4 folgen die Millionenstädte München und Berlin mit jeweils rund zwei und Hamburg mit etwa 1,9 Sharing-Autos pro 1000 Personen.

Dass nicht nur Metropolen eine dichte Carsharing-Versorgung aufweisen, zeigt auch Freiburg mit seinen rund 230.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Pro 1000 von ihnen gibt es hier rund 1,8 Sharing-Autos, das bedeutet Platz 5. Insgesamt sind unter den 20 Städten mit der größten Carsharing-Dichte acht Orte mit weniger als 250.000 Einwohnern.

Autoteilen ist aber nicht auf Großstädte beschränkt: In knapp der Hälfte aller Orte mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.000 und 50.000 gibt es ebenfalls Carsharing-Angebote. Und sogar in 522 Orten mit weniger als 20.000 Einwohnern stehen mittlerweile Fahrzeuge zum Teilen. Insgesamt standen am 1. Januar 2022 Carsharing-Fahrzeuge an 935 Orten zur Verfügung, das sind 80 bzw. 9,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die relativ hohe Zahl an Orten mit Carsharing-Fahrzeugen kommt in den meisten Städten vor allem durch stationsgebundene Systeme zustande. In den Millionenstädten München, Berlin, Hamburg und Köln sowie in Düsseldorf sind allerdings mehr Free-Floating- als stationsgebundene Autos zu finden. Zugenommen hat auch die Zahl der Städte mit kombinierten Angeboten. Das gibt es außer in Karlsruhe auch in Heidelberg, Darmstadt, Frankfurt am Main und Leipzig.

Varianten von Carsharing

  • Beim stationsbasierten Carsharing müssen die Autos an festen Stationen abgeholt und dorthin zurückgebracht werden.

  • Free-Floating bedeutet, dass das Fahrzeug mithilfe einer Smartphone-App dort abgeholt wird, wo der letzte Kunde es abgestellt hat. Abgestellt wird es an einem beliebigen Ort innerhalb des Geschäftsgebiets, oft beschränkt auf die Innenstadt.

  • Kombinierte Systeme bieten sowohl stationsbasierte als auch Free-Floating-Autos aus einer Hand an. Hier entsprechen die Nutzungsmuster tendenziell denen im stationsbasierten Modell, weswegen die kombinierten Systeme diesem Marktsegment zugeordnet werden.

Der Markt für Carsharing in Zahlen

Miles ist einer der großen Player auf dem Carsharing-Markt © Miles

Insgesamt verzeichneten die deutschen Carsharing-Anbieter 2022 rund 3,4 Millionen Anmeldungen. Gut 2,6 Millionen Fahrberechtigte sind bei (mindestens) einem Free-Floating-Anbieter angemeldet – rund 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Sie finden ein Angebot von 15.900 Autos vor, also zwölf Prozent mehr als 2021.

789.000 Fahrberechtigte (neun Prozent mehr als im Vorjahr) nutzen beim Autoteilen stationsbasierte oder kombinierte Systeme. Dabei stehen 14.300 Fahrzeuge – 19 Prozent mehr als 2021 – zur Verfügung, und 1200 davon sind Free-Floating-Autos in kombinierten Systemen. Während sich beim stationsbasierten Carsharing 55 Fahrtberechtigte ein Auto teilen, sind es beim Free-Floating 164 Personen.

243 Anbieter teilen sich diesen Markt auf. Die fünf wichtigsten nach ihrer Flottengröße waren zum Jahresanfang 2022 ShareNow, Miles, stadtmobil, Sixt share und WeShare. Am 1. November 2022 gab Miles die Übernahme des Konkurrenten WeShare bekannt.

Flächenmäßig am stärksten verbreitet ist das stationsbasierte Sharing, das in praktisch allen Carsharing-Orten verfügbar ist. Das Angebot reicht von großen gewerblichen Anbietern bis hin zu Vereinen, die das Teilen im ländlichen Raum ehrenamtlich organisieren. Das Free-Floating-Sharing ist in 34 Städten möglich, wobei die Metropolen München, Berlin und Hamburg die mit Abstand höchsten Dichten aufweisen. Kombinierte Carsharing-Angebote gibt es in 23 deutschen Kommunen, das sind drei mehr als im Vorjahr.

Insgesamt ist die Entwicklung des Carsharing-Angebots in den letzten Jahren als sehr dynamisch zu bewerten. So stieg die Fahrzeugzahl zwischen 2019 und 2022 um die Hälfte an.

Starke Zunahme – niedriges Ausgangsniveau

Mit der richtigen App auf dem Smartphone ist Carsharing ganz einfach © Miles

Im ADAC Mobilitätsindex, der aufzeigt, ob der Verkehr in Deutschland nachhaltiger wird, ist Carsharing ein Indikator für die Verfügbarkeit von Pkw. Zwar wird das Autoteilen dabei nur mit fünf Prozent gewichtet. Doch sein Indexwert 156 sagt aus, dass sich zwischen 2015 (Ausgangsindex 100) und 2019 das Angebot erheblich verbessert hat. Damit ist Carsharing unter allen Indikatoren für Verfügbarkeit der bei Weitem dynamischste.

Standpunkt des ADAC

Der ADAC betrachtet das stationsbasierte Autoteilen als sinnvollen Baustein eines nachhaltigen Stadtverkehrs. In Kombination mit einem leistungsfähigen ÖPNV und einer guten Radinfrastruktur schafft es die Voraussetzung, auf das eigene Auto verzichten zu können und damit den öffentlichen Parkraum zu entlasten. Hier der vollständige Standpunkt des ADAC:

Carsharing (ADAC Standpunkt)
PDF, 71,8 KB
PDF ansehen

Privates Carsharing kann eine kostengünstige Mobilitätsoption bieten, wenn die offenen rechtlichen und versicherungstechnischen Aspekte geklärt sind. Auch dazu der vollständige Standpunkt des ADAC zum Nachlesen:

Privates Carsharing (ADAC Standpukt)
PDF, 70,6 KB
PDF ansehen