Jährliche HU: EU scheitert mit TÜV-Plänen für ältere Autos

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Von Katja Fastrich

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Ein älteres Auto wird beim TÜV auf Mängel geprüft
Müssen ältere Autos schon bald jedes Jahr zum TÜV? Das wollte zumindest die EU-Kommission© dpa/Julian Stratenschulte

Die EU-Kommission wollte für ältere Autos eine jährliche Hauptuntersuchung (HU) einführen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Nun sind diese Pläne vom Tisch.

  • Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments stimmt gegen jährliche HU

  • Betroffen wären alle mehr als 10 Jahre alten Autos gewesen

  • ADAC: Verkürzung der HU-Intervalle nicht notwendig

Die EU-Kommission hatte neue Regeln für die Verkehrssicherheit geplant, um Unfälle zu verhindern und die Zahl der Unfallopfer zu senken. Der Vorschlag hätte Besitzerinnen und Besitzer älterer Autos, deren Erstzulassung mehr als zehn Jahre zurückliegt, betroffen.

Nach den Plänen der Kommission hätten diese Fahrzeuge jedes Jahr eine Hauptuntersuchung (HU) bestehen müssen. In Deutschland sind dies mehr als 23,4 Millionen Pkw, der Anteil am Gesamtbestand liegt bei 47,1 Prozent.

Ältere Autos jährlich zum TÜV: Pläne vom Tisch

Nachdem sich bereits Ende 2025 der Rat der EU gegen diese Neuerung ausgesprochen, hat am 5. Mai 2026 der Verkehrsausschuss (TRAN) des Europäischen Parlaments u.a. zur Hauptuntersuchung
(HU) abgestimmt. Dabei wurde der Vorschlag der Kommission abgelehnt, die Prüfintervalle für
Pkw und leichte Nutzfahrzeuge älter als zehn Jahre von zwei Jahren auf ein Jahr zu verkürzen.

Der ADAC begrüßt dieses Ergebnis ausdrücklich und hatte im Vorfeld eine jährliche HU als unverhältnismäßig kritisiert.

Das waren die Argumente der EU-Kommission

Laut EU-Kommission verfolgt der Vorschlag das Ziel, die Zahl der Verkehrsunfälle und der Unfallopfer zu senken. Die Behörde rechnet damit, dass die Einführung jährlicher Prüfungen von Pkw und Kleintransportern zu einem Prozent weniger Verkehrstoten und Verletzten führen könnte.

Ältere Fahrzeuge seien pannenanfälliger, zudem hätten Studien gezeigt, dass sie häufiger in Unfälle verwickelt sind. Da Autos für den weitaus größten Teil der Todesfälle verantwortlich seien und selbst wenn technische Defekte nur einen relativ geringen Anteil an den Unfallursachen ausmachten, könne die jährliche Inspektion älterer Autos einen erheblichen Unterschied machen. Dies gelte insbesondere für die Sicherheit.

Häufigere HU wirkt sich nicht auf Verkehrssicherheit aus

Die Verkehrsunfallforschung der TU Dresden hatte bereits in einer früheren Studie im Auftrag des ADAC nachgewiesen, dass eine Verkürzung der HU-Fristen auf ein Jahr keinen messbaren Einfluss auf die Verkehrssicherheit hat. Dank regelmäßiger, sachverständiger und umfassender technischer Inspektionen zeichnet sich die deutsche Fahrzeugflotte durch eine geringe Quote technischer Mängel aus. Zudem sind nur wenige der festgestellten Mängel unfall- bzw. sicherheitsrelevant.

Des Weiteren wurde der Umfang der Hauptuntersuchung bereits in den letzten Jahren aufgrund der komplexeren Fahrzeuge deutlich erweitert. Insbesondere wurde der Fokus dabei auf Assistenzsysteme, E-Mobilität und das Auslesen von Fehlercodes gerichtet. Aber auch die Überwachung der Emissionen wurde mit der Wiedereinführung der Endrohrmessung in Deutschland im Jahr 2018 sowie der Einführung der neuen Partikelzahlmessung für Euro-6-Diesel ab 1. Juli 2023 deutlich verstärkt.

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ADAC Stellungnahme Roadworthiness-Paket-HU-Unterwegskontrollen
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ADAC Position zur geplanten Revision der EU-Richtlinie zur regelmäßigen technischen Überwachung von Kraftfahrzeugen
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Deutschland: Auto muss alle zwei Jahre zum TÜV

In Deutschland müssen Fahrzeuge in der Regel alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung, unabhängig davon, wie alt ein Fahrzeug ist. Für Neuwagen steht die erste Inspektion nach 36 Monaten an. Wer die Frist für den Termin verpasst und sich nicht rechtzeitig eine neue TÜV-Plakette abholt, muss im Fall einer Fahrzeugkontrolle mit einem Bußgeld rechnen. In vielen EU-Staaten müssen ältere Autos bereits jährlich zur Inspektion.

HU und AU: Alles Wissenswerte zum TÜV

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Mit Material von dpa.