Premiumkraftstoffe: Was können V-Power, Ultimate und Co.?

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Von Thomas Kroher

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Auto wird mit Tankstutzenbetankt
Premiumsprit ist teuer – aber auch besser?© iStock.com/BraunS

Laut den Mineralölkonzernen bieten Premiumkraftstoffe mehr Leistung, weniger Verbrauch und leisere Motoren. Doch was ist drin in Shell V-Power, Aral Ultimate und Co.? Und können sie halten, was Werbung und Marketing versprechen? 

  • Premiumkraftstoff: Bis zu 20 Cent teurer

  • An der Zapfsäule: Fantasienamen verwirren

  • Motoren sind für Standardsprit ausgelegt

Premiumkraftstoffe: Deutlich teurer

Preisanzeigetafel an einer Tankstelle
Nicht ungewöhnlich: Bis zu 20 Cent Preisunterschied© imago images/mix1

An vielen Tankstellen das gleiche Bild: Man kann nicht mehr nur zwischen Benzin und Diesel (je nach Motor) wählen, denn die Mineralölkonzerne bieten heute eine Vielzahl an Kraftstoffen an. Deren Oktanzahlen sind unterschiedlich, die Namen ebenfalls, vor allem aber die Preise. Doch welcher Sprit ist für wen geeignet, und was ist drin in den teuren Premiumkraftstoffen mit vielversprechend klingenden Namen wie Excellium, Maxx Motion, Synergy Supreme+, Ultimate oder V-Power?

Dazu gibt es aufgehübschte Zapfsäulen und Zapfpistolen, flotte Werbung in den Medien und extra Rabattpunkte beim Kauf. Auch bei den werblichen Versprechen zu ihren Premiumprodukten sind die Marketingstrategen der Mineralölgesellschaften offensiv: Oft wird mit mehr Leistung, mehr Drehmoment, weniger Verbrauch, weniger Schadstoffen, leiserem Motorlauf, weniger Korrosion und saubereren Ventilen und Einspritzdüsen des Motors geworben. Ziemlich bedeckt halten sich die Mineralölgesellschaften aber hinsichtlich der tatsächlichen Unterschiede gegenüber der Standardware.

Problematisch ist die Unübersichtlichkeit an den Tankstellen. Wegen immer mehr Zapfhähnen mit immer neuen Bezeichnungen müssen Autofahrer vor dem Tanken erst mal genau prüfen, welcher Sprit tatsächlich ins Auto muss. So kann Maxx Motion oder V-Power beispielsweise Benzin oder Diesel sein. 

Benzin: Höhere Oktanzahlen unnötig

Das Versprechen: Die höheren Oktanzahlen von 100 in den Premiumkraftstoffen (einfaches Super-Plus-Benzin hat 98 Oktan) bieten eine höhere Klopffestigkeit. Dadurch kommt es zu weniger Selbstzündungen des Kraftstoffs – und das soll sich positiv auf Leistung und Verbrauch auswirken. Doch in der Realität sind die Motoren unserer Autos höchstens auf 98 Oktan ausgelegt. Das Potenzial von 100-Oktan-Sprit können die meisten also gar nicht ausnutzen.

Den teuren Sorten sind oft auch Reinigungs- und andere Additive zugesetzt. Doch ob diese sich tatsächlich positiv auswirken, ist extrem schwer nachzuprüfen – die Wirkung fällt in der Realität wohl eher gering aus. 

Premiumdiesel: Bessere Zündwilligkeit

Viele Anbieter werben mit einer besseren Cetan-Zahl ihres Premium-Dieselkraftstoffes. Diese Zahl beschreibt die Zündwilligkeit. Eine höhere Cetan-Zahl bedingt tatsächlich oft ein besseres Startverhalten und einen ruhigeren Motorlauf. Doch nur sehr sensible Autofahrer können einen Unterschied, wenn überhaupt, wahrnehmen. Auch eine bessere Wintertauglichkeit wird oft versprochen.

Bei den Reinigungs- und anderen Additiven sieht es wie beim Premiumbenzin aus: Ob sie sich tatsächlich positiv auswirken, ist extrem schwer nachzuprüfen, und die Wirkung fällt in der Realität wohl eher gering aus. Einige Anbieter mischen ihrem Premiumdiesel keinen Biodiesel (FAME) zu, was eine bessere Langzeitlagerungsstabilität bewirken kann. Davon können höchstens Oldtimer- und Bootsbesitzer profitieren, wenn sie ihre Fahrzeuge über viele Monate einmotten.

Fazit: Standardkraftstoff genügt immer

In Deutschland sind die Mindestanforderungen an die Kraftstoffqualität gesetzlich geregelt. Demnach dürfen nur Kraftstoffe angeboten werden, wenn sie den relevanten Normen entsprechen, etwa DIN EN 228 für Ottokraftstoffe und DIN EN 590 für Dieselkraftstoffe. Diese Kraftstoffe taugen für die übliche Verwendung. Besserer Sprit wird von den Fahrzeugherstellern grundsätzlich auch nicht erwartet oder vorgeschrieben.

Die Premiumkraftstoffe schaden den Motoren nicht, aber die ausgelobte positive Wirkung ist einerseits schwer nachzuprüfen, andererseits ist sie bei Alltagsautos auch eher unwahrscheinlich, da Golf, Corsa oder Mini für den täglichen Weg zur Arbeit ausgelegt sind und nicht für die schnellste Runde am Hockenheimring. Falsch machen kann man mit dem Premium-Kraftstoff nichts, höchstens zu viel bezahlen.

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