Blutspenden sind lebenswichtig – doch der Bedarf wird oft unterschätzt. Im Gespräch mit dem ADAC erklärt Stephan David Küpper, Leiter Kommunikation beim DRK-Blutspendedienst West, wie angespannt die Versorgungslage wirklich ist. ADAC Redaktion: Blutspender leisten einen wesentlichen Beitrag, um Kranken zu helfen. Wem genau kommt das Blut eigentlich zugute? Stephan David Küpper: Eine nachvollziehbare Frage, denn die Spende an sich ist ja eine ziemlich abstrakte Situation. Man nimmt sich extra Zeit, lässt sich mit einer Nadel stechen und einen halben Liter Blut abzapfen. Das ist Aufwand, kostet vielleicht Überwindung. Und im Einzelfall erfährt man nicht, wem man konkret damit hilft. Also ob die Blutspende einem Kind gegeben wird, einem Erwachsenen, einem Krebserkrankten oder einem Unfallopfer. Fakt ist: Ihre Blutspende kann nicht nur ein Leben retten, sondern bis zu drei. Aus einer Blutspende verarbeiten wir verschiedenste Blutbestandteile. Haupteinsatzgebiet ist die Krebstherapie. Für die Weiterverarbeitung muss die Blutkonserve relativ frisch sein, richtig? Genau, vor allem Thrombozyten (Blutplättchen), die in der Krebstherapie zum Einsatz kommen, können nur zeitnah verwertet werden. Spätestens nach vier Tagen müssen sie beim Patienten sein. Das ist auch ein Grund, warum wir an Feiertagen und zu Ferienzeiten zusätzliche Blutspendetermine einrichten, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Und trotzdem spenden trotz hoher Bereitschaft zu wenige Menschen Blut. Wo sehen Sie die größten Hürden? Erst mal stehen viele Menschen dem Blutspenden aufgeschlossen gegenüber. Oft sind es praktische Hürden wie Zeitmangel und volle Terminkalender. Und am Ende denken sicher viele auch: Das werden schon andere machen. Es kommt aber auf jede einzelne Spende an. Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass es die anderen tun. Gibt es denn konkrete Ereignisse, die zu mehr Spenden führen? Wie ist das im Krisenfall? Bei großen Unglücken kommen vermehrt Menschen zum Blutspenden. Bei unmittelbaren Krisen sind die Menschen da, wie zum Beispiel damals beim Zugunglück in Eschede oder auch nach Amokfahrten. Das Problem ist aber: Das Blut muss im Notfall direkt verfügbar sein. Dafür muss es getestet und aufbereitet werden. Das funktioniert nicht so schnell. Gibt es für Spenderinnen und Spender auch gesundheitliche Vorteile? Oder sind das eher Mythen? Der eigentliche Zweck der Blutspende besteht im Beitrag zur Versorgung von Erkrankten. Aber Menschen, die häufiger zum Blutspenden gehen, bekommen natürlich ganz nebenbei einen regelmäßigen Check ihrer Vitalwerte. Und auch der Blutwerte, wie zum Beispiel des Hb-Werts. Blutspenden ersetzt aber keinesfalls den Besuch beim Arzt. Welche Gründe schließen eine Spende eigentlich aus? Nach einer Fernreise in ein Malariagebiet darf man zum Beispiel sechs Monate lang kein Blut spenden. Nach Tätowierungen und Piercings gibt es ebenfalls eine Wartefrist. Sogar eine Zahnreinigung führt zu einer kurzen Sperrung. Wer sich unsicher ist, zum Beispiel nach endoskopischen Eingriffen wie einer Magen- oder Darmspiegelung, kann bei unserer Hotline anrufen oder sich online informieren. Bis zu welchem Alter kann man spenden? Da gibt es tatsächlich kein Limit mehr. Ein 78-Jähriger wird genauso behandelt wie ein 18-Jähriger. Zu uns kommen regelmäßig Menschen Ende siebzig. Ihr Blut ist keinen Deut schlechter als das der Jüngeren. Welche Herausforderungen sehen Sie für die Blutversorgung in den kommenden Jahren? Wir hoffen, dass die Engpässe nicht noch größer werden. Aber man kann schon sagen, je mobiler die Menschen, desto schwieriger wird es für die Blutversorgung. Das zeigt sich insbesondere auch in Ferienzeiten. Bei den Jüngeren benötigen wir mehr Kontinuität. Vor allem in der Altersgruppe bis 35 Jahre. Wer in diesem Alter einsteigt, kann über Jahrzehnte spenden. Das ist für uns eine ganz wichtige Zielgruppe. Was würden Sie jemandem sagen, der bislang unsicher ist, ob er oder sie Blut spenden sollte? Die Frage darf sich gar nicht erst stellen, denn wir brauchen Blut. In unserem modernen Gesundheitssystem können wir immer mehr Krankheiten behandeln und heilen. Blut ist aber immer noch der Grundstoff des Lebens, da kommen wir nicht drum herum. Vielmehr sollte man sich fragen: Kann ich spenden? Bin ich innerlich bereit dazu? Vielleicht schließen Sie sich ja mit einer Freundin oder einem Freund zusammen. Die meisten stellen am Ende fest: So schlimm war es gar nicht.