Den Notruf wählen und schnell Erste Hilfe leisten – das kann im Ernstfall Leben retten. Eine ADAC Umfrage zeigt, dass viele Menschen dazu bereit wären, aber Wissenslücken haben. Die Ergebnisse im Detail. Erste-Hilfe-Kurs liegt bei der Hälfte der Befragten zehn Jahre oder länger zurück Die Testfragen beantworteten im Schnitt nur 55 Prozent der Befragten richtig Auffrischung der Kenntnisse ist wichtig Im Notfall gilt ausnahmslos: Hauptsache, etwas tun und nicht tatenlos daneben stehen. Denn es besteht eine gesetzliche Verpflichtung zur Leistung von Erster Hilfe. Die Umfrage des ADAC im Frühjahr 2021 ergab, dass eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung zwar tatsächlich dazu bereit wäre, diese Hilfe zu leisten. Es zeigte sich aber auch, dass viele Menschen Wissenslücken haben, wenn es darum geht, was sie im Ernstfall genau tun müssen. Dabei sind die meisten Befragten sehr an besseren Kenntnissen interessiert. Die Mehrheit findet eine informierende Erste-Hilfe-App interessant und würde sogar verpflichtende Auffrischungskurse befürworten. Die Inhalte der ADAC Umfrage mit mehr als 3600 befragten Personen in Deutschland wurden in Kooperation mit ADAC gelbhilft (Unternehmen für Aus- und Weiterbildung im Bereich Erste Hilfe) sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe (BAGEH) erarbeitet. In der BAGEH sind die wichtigsten Hilfsorganisationen Deutschlands vertreten. 52 Prozent trauen sich Erste Hilfe zu In zehn Punkten wurde bei den Befragten der Wissensstand zur Ersten Hilfe geprüft. Vorab gab die Hälfte der Teilnehmer (52 Prozent) an, dass sie sich zutrauen, Erste Hilfe leisten zu können. Allerdings: Ein Viertel war sich da nicht sicher, und ein weiteres Viertel glaubte, zu Erster Hilfe nicht in der Lage zu sein. Fast alle Befragten (86 Prozent) würden im Notfall die 112 oder 110 wählen, um Hilfe zu holen. Die richtige und europaweit einheitliche Notrufnummer 112 kennen 66 Prozent. Kurse liegen oft lange zurück Jeder Führerschein-Neuling in Deutschland muss einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Oft bleibt es jedoch bei diesem einzigen Lehrgang. Die Hälfte der Befragten gab an, dass ihr letzter Kurs zehn oder mehr Jahre zurück liegt. Im Schnitt beantworteten dann auch nur 55 Prozent der Teilnehmer die Testfragen in der ADAC Umfrage richtig. Seitenlage: Wann soll man sie anwenden? Die Umfrage förderte etliche Wissenslücken zutage. So glaubt etwa ein Fünftel der Befragten, dass Ersthelfer den Unfallort und die Situation der verletzten Person mit ihrem Handy dokumentieren müssen. Auch bei der Seitenlage zeigten sich Unsicherheiten. Zwar trauten sich fast alle Befragten zu, die Seitenlage anzuwenden. Nur etwa jeder Zehnte wusste allerdings, dass ausschließlich Unfallopfer, die nicht bei Bewusstsein sind, aber normal atmen, auf diese Weise gelagert werden sollten. Wissenslücken bei Wiederbelebung Was zu tun ist, wenn eine bewusstlose Person nicht normal oder gar nicht mehr atmet, konnte nur knapp die Hälfte der Befragten auf Anhieb beantworten: Das Unfallopfer nicht mit erhöhtem Oberkörper lagern, sondern auf den Rücken legen und Wiederbelebungsmaßnahmen starten. Schwer fielen den meisten dabei die Fragen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung. Fast ein Drittel hatte vergessen, dass man die bewusstlose Person auf einem harten Untergrund lagert. Das genaue Verhältnis von Herzdruckmassage (30-mal) und Atemspende (zweimal) kannten nur etwa zehn Prozent. Sieben von zehn Befragten wussten aber zumindest, dass eine Herzdruckmassage auch ohne Atemspende möglich ist – beispielsweise auf Grund erhöhter Infektionsgefahr oder bei fehlender Übung. Auffrischung: App und Kurse erwünscht Die Befragten wollen im Ernstfall gern selbst in der Lage sein, Erste Hilfe zu leisten. So verwundert es auch nicht, dass rund zwei Drittel (68 Prozent) eine Pflicht für Auffrischungskurse in Erster Hilfe grundsätzlich befürworten würden. Ähnlich viele (65 Prozent) würden eine Erste-Hilfe-App auf dem Smartphone interessant finden, um ihre Kenntnisse auf den aktuellen Stand zu bringen. Das unterstützt auch der ADAC, der freiwillige Auffrischungskurse in Erster Hilfe für alle Bevölkerungsteile befürwortet – und sich unter anderem dafür einsetzt, schon in der Schule ein Bewusstsein für dieses wichtige Thema zu schaffen. Es gibt eine gesetzliche Verpflichtung zur Leistung von Erster Hilfe. Doch Ersthelfer brauchen nicht zu befürchten, dass sie im Ernstfall für Fehler haften müssen. Generell gilt: Lediglich nicht zu helfen, ist die falsche Entscheidung. So wurde gefragt Für die ADAC Umfrage Erste Hilfe wurden zwischen 9. Februar und 3. März 2021 3631 Personen in Deutschland ab 18 Jahren online befragt – verteilt auf alle Bundesländer. Mit der Befragung beauftragt war die Skopos GmbH mit Sitz in Hürth und Aachen, ein Institut für Markt- und Kommunikationsforschung.