Bienennest oder Wespennest? Den Unterschied sicher bestimmen

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Von ADAC SE Kommunikation

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Wespennest am Rahmen einer Terrassenfensters und Wespe im Anflug auf das Nest.
Wespennest direkt am Fensterrahmen – hier ist fachkundige Hilfe gefragt.© ADAC SE / Oliver Doll

Wer vor einem Insektennest steht, sollte zuerst genau hinschauen. Bienennest, Wespennest oder Hornissennest? Die Art entscheidet darüber, wie gefährlich die Situation wirklich ist, was Sie rechtlich tun dürfen und wer die Entfernung übernehmen sollte.

  • Optik, Nest und Verhalten unterscheiden sich bei Bienen, Wespen und Hornissen.

  • Wer eigenmächtig entfernt, riskiert Bußgelder von bis zu 65.000 Euro.

  • Der ADAC organisiert die fachgerechte Entfernung durch zertifizierte Experten.

Ein Insektennest am Haus oder im Garten verunsichert viele: Bienen, Wespen oder Hornissen – wer hat sich bei Ihnen einquartiert? Bevor Sie handeln, sollten Sie wissen, mit welcher Art Sie es zu tun haben, denn jede erfordert einen anderen Umgang. Unser Leitfaden zeigt Ihnen die wichtigsten Merkmale im Überblick.

Bienennest, Wespennest oder Hornissennest

Der erste Blick gilt dem Nest selbst: Material, Form und Standort verraten fast immer, welches Insekt eingezogen ist.

Bienennest vs. Wespennest: Nestmaterial & Aussehen

Bienennester bestehen aus Bienenwachs, das die Tiere selbst produzieren. Charakteristisch sind die sechseckigen Waben von goldgelber bis dunkelbrauner Farbe. Honigbienen nutzen geschützte Hohlräume wie Baumhöhlen, Schornsteine, Hohlwände oder Dachsparren. Ein wilder Bienenschwarm, der gerade einen neuen Standort sitzt oft als dichte „Traube“ an Ästen oder Mauern. Das ist kein fertiges Nest, sondern eine Zwischenstation.

Wespennester bestehen aus einer papierartigen Masse. Für den Bau zerkauen Wespen Holzfasern und vermischen diese mit Speichel. Das Ergebnis ist ein grau-bräunliches, oft kugeliges oder eiförmiges Gebilde mit erkennbaren Schichten und einem Flugloch. Je nach Art hängt das Nest unter Dachvorsprüngen, in Rollladenkästen oder Dachstühlen (Luftnester) oder liegt in verlassenen Mäusegängen (Erdnester).

Hornissennest vs. Wespennest

Wichtig: Hornissennester ähneln Wespennestern, sind aber deutlich größer und hellbraun gefärbt. Hornissen nisten bevorzugt in hohlen Bäumen, auf Dachböden oder in Gartenhäuschen.

Bienennest, Wespennest, Hornissennest – die Unterschiede

BienennestWespennestHornissennest

Material

Bienenwachs (gelb/braun)

Papiermasse (grau/braun)

Papiermasse (hellbraun)

Form

Offene Waben, kein Außenmantel

Kugelförmig, mit Hülle & Flugloch

Groß, oval, mit Hülle

Typischer Standort

Hohlräume, Schornstein

Dachstuhl, Rollladenkasten, Erdloch

Hohle Bäume, Dachboden

Koloniegröße

ca. 10.000–40.000 Tiere

2.000–10.000 Tiere

200–1.000 Tiere

Quelle: ADAC SE, basierend auf Angaben von Naturschutzbehörden und Fachliteratur zu Bienen‑, Wespen‑ und Hornissennestern

Diese Arten bauen keine klassischen Nester

Übrigens: Nicht alle Bienen- und Wespenarten bauen klassische Nester. Viele der rund 600 heimischen Wildbienenarten (darunter Mauerbienen oder Sandbienen) sind sogenannte Solitär- oder Einzelgänger-Bienen. Sie legen ihre Brutzellen in Erdspalten, Totholz oder Mauerfugen an. Auch manche Wespenarten, beispielsweise die Töpferwespe, bauen winzige Einzelnester aus Lehm. Da diese Arten keine Vorräte und keine Brut in einem großen Nest verteidigen müssen, sind sie in der Regel sehr friedlich.

Schritt-für-Schritt: Insektennest identifizieren

  1. Halten Sie Abstand (mind. 3–5 Meter). Nähern Sie sich dem Nest nie direkt. Inspizieren Sie es aus der Entfernung, idealerweise mit einem Fernglas.

  2. Insekten beobachten: Sehen Sie gelb-schwarz gestreifte, schlanke Insekten? Dann handelt es sich um Wespen. Sind es eher rundlichere, behaarte, braun-gelbe, die Pollen an den Beinen tragen? Hier haben Sie es mit Bienen zu tun. Das Insekt ist deutlich größer als eine Wespe und braun-orange gefärbt? Dann ist es meist eine Hornisse.

  3. Nestmaterial prüfen: Ein Bienennest erkennen Sie an den charakteristischen gelblich-goldenen Waben. Grau-bräunliche, papierartige Schichten deuten auf ein Wespen- oder Hornissennest hin.

  4. Standort notieren: Hängt das Nest frei (Dachstuhl, Baum) oder ist es in einem Hohlraum verborgen? Befindet es sich unter der Erde? Dieser Hinweis hilft, die jeweilige Bienen- oder Wespenart zu identifizieren.

  5. Größe einschätzen: Ein kleines Nest (etwa tennisballgroß) bedeutet, dass es sich um ein junges Volk mit wenigen Tieren handelt. Hat das Nest ungefähr Fußballgröße, haben Sie es mit einer etablierten Kolonie zu tun.

Handlungsempfehlung je nach Ergebnis

  • Bienennest: Lokalen Imker kontaktieren (häufig kostenlos).

  • Wespennest: Experten hinzuziehen, besonders wenn das Nest in Wohnungs- und Hausnähe ist.

  • Hornissennest: Unbedingt Fachleute beauftragen. Hornissen stehen unter besonderem Schutz.

  • Solitäre Bienen/Wespen: In Ruhe lassen, kein Handlungsbedarf.

Wespennest entdeckt? Was jetzt wichtig ist im Video

Sind Bienen- und Wespennester gefährlich?

Bienen sind grundsätzlich friedlich und stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Gefährlich sind ihre Stiche vor allem für Allergiker: Ein einziger Stich kann einen anaphylaktischen Schock auslösen. Wer auf Insektengift allergisch reagiert, sollte bei jedem Nest in Wohnungsnähe umgehend handeln.

Wespen können aggressiver reagieren, besonders wenn sie sich in der Nähe ihres Nestes gestört fühlen oder nach der Larvenaufzucht im Spätsommer auf der Suche nach zuckerhaltiger Nahrung sind. Anders als Bienen können Wespen zudem mehrfach stechen. Bei großen Nestern (mehrere tausend Tiere) in direkter Haustür- oder Fensternähe ist eine Expertenbewertung sinnvoll.

Hornissen wirken durch ihre Größe und das laute Fluggeräusch bedrohlich, verhalten sich aber meist sehr ruhig. Das Gift einer Hornisse ist vergleichbar mit dem von Bienen und Wespen. Der Mythos, dass bereits drei Hornissenstiche einen erwachsenen Menschen töten können, stimmt nicht. Dennoch: Da Hornissen auf Lichtreize reagieren, sollten Sie ihre Nester weder anleuchten noch erschüttern.

Wann Bienen-, Wespen- oder Hornissennester kritisch werden

Ein Nest ist besonders kritisch, wenn es direkt an stark frequentierten Bereichen liegt (Haustür, Kinderspielplatz, Terrasse), wenn Familienmitglieder eine bekannte Insektengiftallergie haben oder wenn das Nest sehr groß ist. In allen anderen Fällen empfiehlt sich Ruhe und Abstand.

Wespennest oder Bienennest: Was ist erlaubt, was verboten?

Das eigenmächtige Entfernen eines Wespen- oder Bienennestes ohne Fachberatung ist in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt – auch nicht auf dem eigenen Grundstück - und nur in eng definierten Ausnahmefällen zulässig.

Wild lebende Wespen, Bienen und Hornissen unterliegen dem Artenschutz (§39 BNatSchG). Es ist verboten, diese Tiere mutwillig zu beunruhigen, zu töten oder ihre Nester zu zerstören. Hornissen sind darüber hinaus als besonders geschützte Art (§44 BNatSchG) eingestuft und genießen den höchsten Schutzstatus.

Was droht bei Verstößen?

Verstöße gegen die Artenschutzauflagen können je nach Bundesland und Art des Insekts mit erheblichen Bußgeldern geahndet werden.

Bußgelder für das Fangen, Verletzen oder Töten sowie für die Beschädigung oder Zerstörung der Nester von …

  • Wildbienen: bis zu 65.000 Euro.

  • gewöhnlichen Wespen: bis zu 50.000 Euro.

  • besonders geschützten Wespenarten (zum Beispiel Kreisel- oder Knopfhornwespen): bis zu 65.000 Euro.

  • Hornissen: bis zu 65.000 Euro.

Wann darf ich ein Bienen- oder Wespennest entfernen?

Nur mit triftigem Grund dürfen Sie ein Bienen-, Wespen- oder Hornissennest entfernen – und selbst dann ist eine Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde bzw. das Hinzuziehen eines zertifizierten Fachmanns notwendig.

Als Ausnahmesituation gelten …

  • nachgewiesene Insektengiftallergie.

  • nachweisliche Sicherheitsgefährdung durch Nestbau im Eingangsbereich oder am Kinderzimmerfenster.

  • Beschädigung der Bausubstanz durch Nestbau im Dachstuhl.

Imker oder Kammerjäger: Wer hilft?

Wenn Sie ein Bienennest am Haus oder im Garten identifiziert haben, kontaktieren Sie einen lokalen Imker: Er fängt den Bienenschwarm ein und siedelt die Tiere artgerecht um. Imker holen Bienenvölker häufig kostenlos ab, da sie sich oft über ein neues Volk für ihre Imkerei freuen. Einen Imker in der Umgebung finden Sie beispielsweise über den Deutschen Imkerbund.

Für die Entfernung eines Wespen- oder Hornissennests wenden Sie sich am besten an einen zertifizierten Kammerjäger beziehungsweise spezialisierten Fachbetrieb zur Wespennest-Entfernung: Er kennt die rechtlichen Auflagen, kann das Nest fachgerecht behandeln und die Tiere gegebenenfalls umsiedeln.

Kurz erklärt: Wer ist zuständig?
  • Imker siedeln Bienenschwärme oder -nester meist kostenlos um.

  • Zertifizierte Kammerjäger und Fachbetriebe entfernen Wespen- oder Hornissennestern an Haus, Balkon und Dach.

  • Bei geschützten Arten oder in Zweifelsfällen bezüglich der Zulässigkeit einer Entfernung müssen Sie zusätzlich die Naturschutzbehörde hinzuziehen.

  • Der ADAC organisiert für Inhaber des Zuhause-Schutzbriefs die legale und fachgerechte Entfernung oder Umsiedlung von Wespen- und Hornissennestern. Er übernimmt die Kosten bis zur vereinbarten Leistungsgrenze gemäß Vertragsbestimmungen.

Fazit

Ein Insektennest am Haus erfordert Besonnenheit. Durch genaues Beobachten von Material und Standort lassen sich Bienen, Wespen und Hornissen meist schnell unterscheiden. Da alle Arten unter Naturschutz stehen und eigenmächtige Entfernungen hohe Bußgelder nach sich ziehen können, sollten Sie Nester grundsätzlich unberührt lassen und bei einem Problemfall Fachleute hinzuziehen, sollten Sie Nester grundsätzlich unberührt lassen und bei einem Problemfall Fachleute hinzuziehen.

Bienennest vs. Wespennest – häufige Fragen

Das sicherste Erkennungsmerkmal ist das Nestmaterial: Bienennester bestehen aus goldgelben Wachswaben, Wespennester aus einer grau-bräunlichen, papierartigen Masse.

Nein – nicht ohne triftigen Grund und ohne Fachmann. Beide Nestarten stehen unter Naturschutz. Eigenmächtiges Entfernen kann mit Bußgeldern von bis zu 65.000 Euro bestraft werden.

Bei Bienen ist der Imker die erste Wahl, er nimmt das Volk häufig kostenlos mit. Bei Wespen- und Hornissennestern ist ein zertifizierter Kammerjäger gefragt.

Nicht unbedingt. Hornissen gelten trotz ihrer Größe als friedliche Insekten, die nur bei direkter Störung ihres Nests reagieren. Ihr Gift ähnelt in der Wirkung dem von Wespen.

Abstand halten, Nest beobachten (nicht anfassen, nicht ansprühen), Art bestimmen und anschließend den richtigen Experten finden und kontaktieren.

Eine klassische Hausratversicherung deckt die Kosten für die Entfernung eines Bienen- oder Wespennests in der Regel nicht ab. Zusätzliche Absicherung bietet ein Haus- und Wohnungs-Schutzbrief: Im Rahmen des ADAC Zuhause-Schutzbriefs übernimmt der ADAC bis zu 500 Euro pro Versicherungsfall, wenn eine reale Gefahr besteht und die Entfernung rechtlich erlaubt ist.