„Wir brauchen Mobilitätsalternativen statt Fahrverbote“

ADAC Württemberg bezieht Stellung zu den geplanten erweiterten Fahrverboten in Stuttgart.

erweitertes Fahrverbot

Der ADAC Württemberg fordert im Vorfeld der am 30. Januar stattfindenden Anhörung der Bezirksbeiräte zum erweiterten Fahrverbot zukunftsfähige Mobilitätsalternativen für Stuttgart. „Ein zonales Fahrverbot kann aus unserer Sicht nur eine vorübergehende und vor allem kurzfristige Maßnahme sein, um geltendes Recht einzuhalten“, erklärt Dieter Roßkopf, Vorstandsvorsitzender des württembergischen Regionalclubs. 

Laut ADAC Württemberg ist mit dem Einsatz neuester Technologien in der Fahrzeugflotte eine permanente Verbesserung der Schadstoffwerte zu erwarten. So müsse die Notwendigkeit eines Fahrverbots fortlaufend kontrolliert und bei Einhaltung der EU-Grenzwerte auch gelockert oder gar wieder aufgehoben werden. Die Wirtschaftsregion Stuttgart ist auf eine funktionierende Mobilität angewiesen und die bestehe in einer Vernetzung sämtlicher Verkehrsträger: „Wir brauchen dringend zukunftsfähige Alternativen. Es ist beschämend zu sehen, dass es diese Alternativen immer noch nicht gibt, obwohl bereits erste streckenbezogene Fahrverbote für Euro-5-Dieselfahrzeuge umgesetzt wurden“. Seit Jahren fordere der Club neue integrierte Mobilitätskonzepte, die von leistungsfähigen öffentlichen Verkehrsmitteln über Sharing-Angebote bis hin zu stadttauglichen umweltfreundlichen Fahrzeugen reichen. 

Um Fahrverbote in Stuttgart zu verhindern setzte sich der ADAC Württemberg darüber hinaus in einem vom baden-württembergischen Verkehrsministerium geförderten Projekt für die Hardware-Nachrüstung ein und wies bereits Anfang 2018 deren Wirksamkeit nach. „Seither mahlen die Mühlen in Politik und Industrie viel zu langsam“, urteilt Vorstandsvorsitzender Dieter Roßkopf. Erst im Sommer 2019 wurden Nachrüstsätze für Mercedes, BMW, VW und Volvo durch das Kraftfahrtbundesamt zugelassen. „Zu spät, wenn man bedenkt, dass wir seit Jahren über Fahrverbote in Ballungszentren diskutieren und wissen, dass ein Großteil der Fahrzeuge mit einer Hardware-Nachrüstung einem Fahrverbot entgehen würde.“

Für wen sich die Hardware-Nachrüstung lohnt

Übersicht der vom Kraftfahrt-Bundesamt genehmigten Nachrüstsätze

 

Hintergrund zum Dieselfahrverbot in Stuttgart

Seit dem 1. Januar 2019 (seit 1. April 2019 für Stuttgarter Einwohner) gilt in der Umweltzone Stuttgart ein flächendeckendes Fahrverbot für alle Dieselfahrzeuge der Emissionsklasse Euro 4/IV und schlechter. Zusätzlich gilt auf vier Strecken im Stuttgarter Stadtgebiet seit dem 1. Januar 2020 ein Fahrverbot für alle Diesel-PKW der Emissionsklasse Euro 5. Fahrzeuge mit einer vom Kraftfahrt-Bundesamt zugelassenen Hardware-Nachrüstung oder einem Software-Update (für eine Übergangszeit von zwei Jahren) sind davon ausgenommen.

Die einzelnen Strecken sind:

  • B14 (Am Neckartor) von der "ADAC Kreuzung" bis zur Kreuzung Cannstatter Straße / Heilmannstraße
  • B14 (Hauptstätter Straße) vom Österreichischen Platz bis zum Marienplatz
  • B27 (Charlottenstraße, Hohenheimer Straße, Neue Weinsteige) von der Kreuzung Obere Weinsteige / Jahnstraße bis zum Charlottenplatz
  • B27 (Heilbronner Straße) von der Kreuzung Kriegsbergstraße bis zur Kreuzung Wolframstraße

In der fünften Fortschreibung des Luftreinhalteplans ist als optionale Maßnahme ein zonales Fahrverbot für die Diesel der Emissionsklasse Euro 5 ab 1. Juli 2020 in einer verkleinerten Umweltzone (Stuttgarter Talkessel sowie die Stadtgebiete Feuerbach, Zuffenhausen und Bad Cannstatt) vorgesehen. Im April 2020 will das Regierungspräsidium abhängig von der Entwicklung der Stickstoffdioxid-Messwerte eine Entscheidung dazu fällen.

Übersicht des aktuellen Einzelstreckenverkehrsverbots

Stellungnahme des ADAC Württemberg zum Luftreinhalteplan für den Regierungsbezirk Stuttgart, 540,58 KB