Bewusster fahren, sicherer starten: Warum Motorradfahren für viele Frauen später beginnt

Von Redaktion Südbayern

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Tanja Langer sitzt in voller Montur auf ihrem Motorrad. Im Hintergrund Wiesen und Berge.
Tanja Langer hat sich während eines Fahrsicherheitstrainings dazu entschlossen, sich wieder ein Motorrad zuzulegen.© Tanja Langer

Die Motorradszene befindet sich im Wandel: Zwar sind Frauen auf dem Motorrad weiterhin deutlich in der Unterzahl, doch die Szene ist in den vergangenen Jahren spürbar vielfältiger geworden. Neue Motorradmodelle, spezielle Ausrüstung, Fahrsicherheitstrainings und Communities machen den Einstieg heute einfacher denn je.

Gleichzeitig zeigen Zulassungszahlen und Beobachtungen aus der Branche: Viele Frauen entdecken das Motorradfahren erst später im Leben – oder kehren nach einer längeren Pause wieder aufs Bike zurück. Wir haben mit Tanja Langer, Stauberaterin beim ADAC Südbayern, über ihre persönlichen Erfahrungen, den Wandel der Motorradszene und die Bedeutung von Fahrsicherheitstrainings gesprochen.

Interview mit ADAC Stauberaterin Tanja Langer

Tanja, du bist Stauberaterin beim ADAC Südbayern, und fährst privat schon sehr lange Motorrad. Wie sah denn hier deine persönliche Reise aus?

Ich habe mit 15 ganz klassisch mit dem Mofa angefangen, später kam das Leichtkraftrad und mit 18 dann mein erstes eigenes Motorrad – eine Kawasaki. Aber irgendwann kamen mein Mann, drei Kinder und Alltag dazu und das Motorradfahren ist automatisch weniger geworden. Mein damaliger Partner ist selbst nicht gefahren und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das in dieser Lebensphase einfach nicht mehr richtig reinpasst. Die Zeit war knapp und so wichtig war es mir damals ehrlich gesagt auch nicht mehr.

Heute ist das anders. Die Kinder sind groß, ich habe wieder mehr Zeit für mich – und vor allem auch wieder richtig Lust aufs Fahren.

Gab es einen bestimmten Moment, an dem du gemerkt hast: Jetzt will ich wieder selbst Motorrad fahren?

Ja, tatsächlich bei einem ADAC Fahrsicherheitstraining. Ich saß dort auf einer BMW und plötzlich war dieses Gefühl wieder da: „Ich will unbedingt wieder ein eigenes Motorrad.“ Das war fast wie ein Blitzmoment. Kurz danach habe ich mir dann tatsächlich wieder ein Motorrad gekauft.

Und ich glaube schon, dass viele Frauen das Motorradfahren später nochmal neu für sich entdecken. Wenn die Kinder größer sind, man beruflich gefestigter ist und wieder mehr Raum für eigene Hobbys entsteht. Außerdem fahre ich heute auch anders als mit Anfang 20. Bewusster, überlegter und mit mehr Erfahrung. Das kann ich auch bei meinen Freundinnen und weiblichen Bekannten beobachten, die ebenfalls Motorrad fahren.

Eine Motorradfahrerin auf ihrem ADAC Stauberater Motorrad auf einer Übungsstrecke
ADAC Stauberaterin Tanja Langer beim Motorrad-Fahrsichersicherheitstraining.© ADAC Südbayern

Hat sich aus deiner Sicht auch die Motorradszene verändert?

Total. Früher war es oft so: Die Männer sind gefahren und die Frauen saßen hinten drauf. Wenn du als Frau selbst Motorrad gefahren bist, warst du eher die Ausnahme. Heute gibt es unglaublich viele Gruppen, Communities und Angebote speziell für Motorradfahrerinnen.

Ich habe selbst erst in den letzten Jahren gemerkt, wie viele Frauen sich vernetzen, gemeinsam Touren fahren oder sich über Motorräder austauschen. Auch bei Ausrüstung, Motorrädern oder Trainings hat sich wahnsinnig viel getan. Früher hatten wir in der Clique vor allem diese typischen „Reiskocher“ – Kawasaki, Honda, Yamaha. Heute ist das Angebot viel breiter und viele Motorräder sind deutlich zugänglicher geworden.

Dazu kommt: Viele Frauen können sich das Hobby heute auch eher leisten als früher. Motorradfahren ist ja nicht gerade günstig.

Du hast gerade die Communities angesprochen. Spielt dieser soziale Aspekt in deinen Augen für viele Frauen eine besondere Rolle?

Ja, schon. Ich bin inzwischen selbst in mehreren WhatsApp-Gruppen und wir fahren regelmäßig gemeinsam Touren. Das sind oft ganz entspannte Ausfahrten – ohne Leistungsdruck. Wir fahren zusammen zum Kaffeetrinken, genießen die Strecke und haben einfach eine gute Zeit.

Wobei ich aufpassen würde, da nicht zu sehr in Klischees zu denken. Es gibt mittlerweile auch viele junge Motorradfahrerinnen, die sportlich unterwegs sind und richtig ambitioniert fahren. Diese neue Generation drängt gerade stark in die Szene.

Aber natürlich beobachte ich manchmal schon Unterschiede. Wenn wir am Kesselberg unterwegs sind und die „Knieschleifer“ durch die Kurven fliegen sehen, denke ich mir schon: Respekt! So würde ich auch gerne fahren können, aber mir persönlich ist ein sicheres Fahrgefühl wichtiger. Viele Frauen können beim Fahren ihren Kopf weniger gut „ausschalten“ und überlegen eher, was passieren könnte.

Du hast vorhin ein Fahrsicherheitstraining angesprochen. Warum glaubst du, hat genau das bei deinem Wiedereinstieg eine so große Rolle gespielt?

Gerade für Einsteigerinnen oder Wiedereinsteigerinnen geben solche Trainings enorm viel Sicherheit. Motorradfahren kann eine mentale Herausforderung sein – vor allem, wenn man aus der Übung ist. Ich könnte mir vorstellen, dass es da vielen Frauen geht wie mir: Wir wollen uns auf dem Motorrad wirklich wohlfühlen und Vertrauen in die Maschine bekommen. Genau dafür sind die Trainings ideal.

Man lernt dort nicht nur Bremsen oder Kurventechnik, sondern bekommt einfach insgesamt mehr Sicherheit und Routine.

Mehr Sicherheit und Fahrspaß auf zwei Rädern

Die Motorrad-Trainings der ADAC Fahrsicherheitszentren Südbayern richten sich an Einsteigerinnen, Wiedereinsteiger und alle, die sich auf dem Motorrad sicherer fühlen möchten. Trainiert werden unter anderem Blickführung, Kurventechnik, Brems- und Ausweichmanöver sowie der sichere Umgang mit dem eigenen Motorrad in unterschiedlichen Fahrsituationen. Ziel ist es, mehr Kontrolle, Routine und Vertrauen auf zwei Rädern zu gewinnen – und damit auch mehr Fahrspaß. Die Trainings eignen sich gleichermaßen für Frauen und Männer und erfreuen sich großer Nachfrage. Sie finden regelmäßig an insgesamt sechs Standorten in Südbayern statt: Augsburg, Kempten, Regensburg, Ingolstadt, Landshut und Burgkirchen/Simbach (A).

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