Rallye-Ikone Isolde Holderied: „Man muss dem Sport etwas zurückgeben“

Von Redaktion Südbayern

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Isolde Holderied in einer blauen DMSB Jacke mit Unterlagen in der Hand
Isolde Holderied setzt sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Nachwuchsarbeit im Rennsport ein, unter anderem als stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats der ADAC Stiftung Sport.© Gruppe C GmbH

Mehrfache Rallye-Weltmeisterin, Europameisterin, Motorsportbotschafterin und seit Jahrzehnten eng mit dem ADAC Südbayern verbunden: Isolde Holderied spricht über ihre Leidenschaft für den Rallyesport, ihren Weg in eine männerdominierte Branche, die Förderung des Nachwuchses und die Zukunft der Ortsclubs.

Eine Frau, die Motorsportgeschichte geschrieben hat

Wenn es um Rallyesport in Deutschland geht, führt kein Weg an Isolde Holderied vorbei. Die Oberbayerin zählt zu den erfolgreichsten Motorsportlerinnen unserer Zeit und hat sich in einer Zeit an die Spitze des internationalen Rallyesports gefahren, als Frauen im Cockpit noch die absolute Ausnahme waren. Heute engagiert sie sich unter anderem als stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats der ADAC Stiftung Sport, im Vorstandsrat des ADAC Südbayern, sowie als Ortsclubsbeauftragte Süd. Im Interview spricht sie über ihren Weg in den Motorsport, die Rolle von Frauen im Rennsport und darüber, warum Vereinsarbeit auch in Zukunft unverzichtbar bleiben wird.

Isolde, wie bist du damals zum Rallyesport gekommen?

Tatsächlich eher zufällig. Ich war schon immer ehrgeizig und wollte in irgendeinem Sport etwas erreichen und habe mich erst im Skisport versucht, aber schnell gemerkt, dass mir da das Talent fehlt. Mit 18 Jahren stand für mich deshalb erst einmal der Führerschein im Mittelpunkt. Ab diesem Zeitpunkt bin ich praktisch nur noch Auto gefahren. Ich war ständig unterwegs, auf Bergpässen in Österreich oder in Italien.

Ein Bekannter bemerkte meine Begeisterung fürs Autofahren und nahm mich eines Tages in einem Rallyeauto mit. Nach dieser Fahrt war für mich klar: Das möchte ich selbst machen. Kurz darauf kaufte ich mein erstes Auto, fuhr Automobilslalom und später kleinere Rallyes. Der entscheidende Schritt war dann eine Nachwuchssichtung, die ich gegen rund 1000 Bewerberinnen gewann. Damit öffnete sich für mich die Tür in den professionellen Motorsport.

Nahaufnahme von einer lächelnden Isolde Holdried

„Ohne Nachwuchsförderung wäre meine Karriere nicht möglich gewesen.“

Isolde Holderied, Stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats der ADAC Stiftung Sport, Mitglied im Vorstandsausschuss Ortsclubs des ADAC Südbayern, sowie als Ortsclubsbeauftragte Süd.©Isolde Holderied

Welche Rolle hat diese Förderung für deinen weiteren Weg gespielt?

Sie war enorm wichtig. Ohne diese Chance wäre vermutlich nie etwas aus meiner Karriere geworden. Meine Eltern standen dem Motorsport sehr kritisch gegenüber. Durch die Nachwuchssichtung kam ich aber in ein Fördersystem, wurde begleitet und unterstützt.

Gleichzeitig absolvierte ich eine Ausbildung zur Fahrsicherheitsinstruktorin beim ADAC. So konnte ich Geld verdienen und hatte Zeit für den Rallyesport. Rückblickend war diese Kombination aus Förderung, harter Arbeit und den richtigen Menschen zur richtigen Zeit entscheidend.

Mal abgesehen von deinen ganzen Titeln - worauf bist du heute besonders stolz?

Dass ich es geschafft habe. Im Spitzensport muss man bereit sein, alles zu investieren. Ich war bis zu 220 Tage im Jahr für den Motorsport unterwegs und musste oft an meine persönlichen Grenzen gehen.

Ganz besonders war für mich außerdem Vertrauen, das mir Toyota entgegengebracht hat. Dass ein großer internationaler Hersteller mir als Frau einen Platz in der Königsklasse des Rallyesports gegeben hat, war damals alles andere als selbstverständlich.

Hättest du rückblickend etwas anders gemacht?

Nein, eigentlich nicht. Ich hatte die Möglichkeit, mich Schritt für Schritt zu entwickeln: von seriennahen Fahrzeugen über nationale Meisterschaften bis hin zur Europa- und Weltmeisterschaft. Dieser Weg war wichtig, weil ich mit jeder Stufe dazugelernt habe.

Natürlich gab es schwierige Entscheidungen. Als Toyota den Rallyesport verließ und in die Formel 1 wechselte, musste ich mich entscheiden, ob ich zu einem anderen Hersteller gehe oder bei Toyota bleibe. Ich habe mich für Toyota entschieden und mich auf die Nachwuchsarbeit konzentriert. Damals war das schwer, rückblickend aber für mich persönlich die richtige Entscheidung, weil dadurch Raum für meine Familie entstanden ist.

Frauen im Motorsport: Mehr Chancen, aber noch kein Durchbruch

Du hast dich vor 25 Jahren aus dem aktiven Motorsport zurückgezogen. Was hat sich seitdem für Frauen verändert?

Es wird heute deutlich mehr für Frauen getan als zu meiner aktiven Zeit. Es gibt Förderprogramme, Sichtungen und spezielle Nachwuchsinitiativen. Trotzdem schaffen es bisher leider nur wenige Frauen bis ganz nach oben.

Das überrascht mich schon ein wenig. Ich bin überzeugt, dass Frauen auf höchstem Niveau erfolgreich sein können. Dafür braucht es allerdings eine Menge Ehrgeiz, Disziplin und die Bereitschaft, an die eigenen Grenzen zu gehen. Talent allein reicht nicht aus.

Welchen Rat gibst du jungen Frauen, die vom Motorsport träumen?

Man sollte die vorhandenen Förderangebote aktiv nutzen. Im Rallyesport gibt es beispielsweise immer mal wieder spezielle Nachwuchsprogramme, die den Einstieg erleichtern, oder auch über Cups in anderen Motosportdisziplinen.

Wichtig ist außerdem, sich nicht allein durchkämpfen zu wollen. Wer die richtigen Verbände, Vereine und Förderer an seiner Seite hat, besitzt deutlich bessere Chancen. Der ADAC Südbayern und die ADAC Stiftung Sport leisten hier wertvolle Arbeit. Der Weg nach oben beginnt meist in kleinen Klassen, aber genau dort entstehen die Grundlagen für den weiteren Werdegang.

Nahaufnahme von einer lächelnden Isolde Holdried

„Man muss dem Sport etwas zurückgeben.“

Isolde Holderied, Stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats der ADAC Stiftung Sport, Mitglied im Vorstandsausschuss Ortsclubs des ADAC Südbayern, sowie als Ortsclubsbeauftragte Süd.©Isolde Holderied

Heute engagierst du dich intensiv ehrenamtlich. Was motiviert dich dazu?

Ich hatte in meiner Karriere viele Menschen, die mich unterstützt und begleitet haben. Deshalb finde ich, dass man dem Sport etwas zurückgeben sollte.

In der Nachwuchsarbeit kann ich meine Erfahrungen weitergeben und junge Talente auf ihrem Weg begleiten. Das macht mir große Freude. Viele Nachwuchssportler holen sich Rat oder fragen nach meiner Einschätzung. Ich helfen ihnen gerne dabei, Fehler zu vermeiden oder schneller voranzukommen.

Vereinsarbeit der Zukunft

Wie sieht für dich die ideale Zukunft der ADAC Ortsclubs aus?

Die wichtigste Aufgabe wird sein, junge Menschen zu begeistern. Viele glauben, Motorsport sei grundsätzlich teuer. Das stimmt so nicht. Über Angebote wie den Kartslalom kann man vergleichsweise kostengünstig einsteigen. In vielen Ortsclubs stehen sogar Vereinskarts zur Verfügung.

Außerdem bieten Ortsclubs weit mehr als nur Motorsport. Sie schaffen Gemeinschaft, organisieren Veranstaltungen und bieten jungen Menschen die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und sich weiterzuentwickeln. Genau diese Werte müssen wir stärker sichtbar machen.

Was können Vereine konkret tun, um mehr Nachwuchs zu gewinnen?

Sie sollten stärker zeigen, was sie leisten. Viele Ortsclubs machen großartige Arbeit, aber oft weiß außerhalb des Vereins kaum jemand davon. Mehr Präsenz in lokalen Medien, Informationsveranstaltungen und eine aktive Öffentlichkeitsarbeit können helfen.

Wir sollten uns als Motorsportler nicht verstecken. Motorsport bedeutet Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein, Disziplin und Gemeinschaft. Wenn wir diese positiven Seiten besser vermitteln, können wir auch mehr junge Menschen für unsere Vereine begeistern.

Zum Abschluss: Was möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?

Wenn man etwas wirklich erreichen möchte, braucht es Leidenschaft, Einsatz und Ausdauer. Chancen kommen nicht von allein, aber man muss bereit sein, sie zu nutzen. Genau so habe ich es gemacht. Und ich bin überzeugt: Wer bereit ist, alles für sein Ziel zu geben, kann sehr viel erreichen.

Isolde Holderied bei der ADAC 3 Städte Rallye

Als Bindeglied zwischen Teilnehmern und der Rallyeleitung können Zuschauer Isolde Holderied bei der ADAC 3 Städte Rallye 2026 live erleben.