ADAC Symposium: So kann Mobilität zum Erfolgsfaktor für den Tourismus werden

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Podiumsdiskussion im Rahmen des ADAC Symposium 2026 an der Messe Freiburg: Acht Personen stehen und sitzen an Stehtischen auf der Bühne, davor das Publikum.
Das diesjährige ADAC Symposium hat am 1. Oktober 2026 an der Messe Freiburg stattgefunden. Moderiert wurde die Veranstaltung von Tobias Klöpf, Moderator für Kongresse und Events. © ADAC Südbaden / Kai Wudtke

Wie kommen Menschen künftig zuverlässig und möglichst nachhaltig an ihr Urlaubsziel – und wie bleiben Baden-Württemberg und seine Tourismusregionen weiterhin attraktiv? Zu diesen und weiteren Fragen tauschten sich Expertinnen und Experten aus Tourismus, Mobilität, Wissenschaft und Wirtschaft beim ADAC Symposium am 1. Oktober 2026 an der Messe Freiburg aus.

Im Mittelpunkt stand ein Spannungsfeld, das immer wichtiger wird: steigende Mobilitäts- und Reisebedürfnisse mit Klimaschutz, leistungsfähiger Infrastruktur, Digitalisierung und den Erwartungen der Reisenden zusammenzubringen.

Den Tourismus bei der Gestaltung von Mobilität mitdenken

Julian Semet, Vorstandsmitglied für Tourismus des ADAC Südbaden, begrüßte die Teilnehmenden und betonte in seiner Rede, dass das eigene Land für viele deutsche Urlauber hoch im Kurs stehe. Veränderte Mobilitätsgewohnheiten und Bedürfnisse der Reisenden stellen Tourismusanbieter in vielen Bereichen jedoch vor Herausforderungen. Damit die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Destinationen erhalten bleibt, kommt es unter anderem auf eine leistungsfähige Infrastruktur für alle Verkehrsträger an, die das Reisen komfortabler und verbraucherfreundlicher gestalten, ohne die Mobilität der Menschen einzuschränken.

Porträtaufnahme von Julian Semet, Vorstandsmitglied für Tourismus beim ADAC Südbaden.

„Mobilität gehört für Gäste ganz selbstverständlich zum Urlaubserlebnis. Deshalb ist es wichtig, touristische Angebote und Mobilität von Anfang an gemeinsam zu entwickeln. Entscheidend ist nicht, den Menschen zu erklären, wie sie reisen sollen, sondern Angebote zu schaffen, die einfach, attraktiv und barrierefrei sind und deshalb gerne genutzt werden. Gut umgesetzte Mobilitätsangebote sind für mich vor allem eines: ein wichtiger Teil touristischer Produktqualität.“

Julian Semet, Vorstandsmitglied für Tourismus des ADAC Südbaden e.V. ©ADAC Südbaden / Kai Wudtke

Auf die Bedeutung des Tourismus für das Land Baden-Württemberg ging Staatssekretär Thomas Dörflinger vom Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus ein:

Porträtaufnahme Staatssekretär Thomas Dörflinger, Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg.

„Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Baden-Württemberg. Er erzielt jährlich fast 26 Milliarden Euro Bruttoumsatz. Davon profitieren nicht nur Hotels und Gastronomie, sondern auch Handel, Handwerk, Kultur, Freizeiteinrichtungen und unsere regionalen Erzeuger. Rund 374.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt am Tourismus – Arbeitsplätze, die im Land entstehen und nicht ins Ausland verlagert werden können.“

Thomas Dörflinger, Staatssekretär Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg ©ADAC Südbaden / Kai Wudtke

Weitere Denkanstöße gab es von Keynote-Speaker Stefan Gössling, Professor für nachhaltigen Tourismus und nachhaltige Mobilität an der School of Business and Economics der Linnaeus University in Kalmar, Schweden:

Porträt Prof. Stefan Gössling, School of Business and Economics, Linnaeus University, Kalmar, Schweden

„Die Dichte des Verkehrs in Deutschland wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen – durch mehr innerdeutsche Fahrten ebenso wie durch den wachsenden Transitverkehr aus dem Ausland. Gleichzeitig verteuert sich die Autonutzung zunehmend, etwa durch steigende Parkgebühren. Das Auto wird unbequemer und teurer, aber Bus und Bahn bieten keine zuverlässige Alternative. Die Autoaffinität bleibt bestehen, die Zufriedenheit mit der Anreise wird jedoch sinken. Umso wichtiger sind Destinationen, die Mobilität ganzheitlich denken und attraktive Alternativen schaffen.“

Prof. Stefan Gössling, School of Business and Economics, Linnaeus University, Kalmar, Schweden ©ADAC Südbaden / Kai Wudtke

Auch die ADAC Tourismusstudie zeigt: Das Bedürfnis zu reisen ist weiterhin hoch. 58 Prozent der Deutschen unternehmen Urlaubsreisen von mindestens fünf Tagen Länge, zugleich musste ein Viertel mit einem geringeren Urlaubsbudget auskommen als im Vorjahr. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie stellte Carsten Cossmann, Ressortleiter Tourismus des ADAC e.V. vor:

Porträt Carsten Cossmann, Leiter Touristik ADAC e.V.

„Reisen bleibt für die Deutschen ein Grundbedürfnis, das Budget wird enger, der Anspruch nicht. Das Auto ist weiterhin das wichtigste Verkehrsmittel, entscheidend ist die Sicherheit einer unkomplizierten und planbaren An- und Abreise. Nachhaltigkeit wiederum bleibt bei der Reiseplanung nachgeordnet, obwohl eine intakte Natur am Urlaubsort hohe Relevanz hat.“

Carsten Cossmann, Ressortleiter Tourismus ADAC e.V. ©ADAC Südbaden / Kai Wudtke

An der anschließenden Podiumsdiskussion erörterten die Gäste mögliche Konzepte für einen zukunftsfähigen, digitalen und verbraucherfreundlichen Tourismus- und Freizeitverkehr in Baden-Württemberg.

Reinhold Malassa, Vorstandsmitglied für Verkehr, Technik und Umwelt des ADAC Südbaden e.V., hält eine Rede am ADAC Symposium 2026.
© ADAC Südbaden / Kai Wudtke

Reinhold Malassa, Vorsitzender des ADAC Südbaden bedankte sich in seinem Schlusswort bei den Teilnehmenden für den wertvollen fachlichen Austausch. Er bekräftigte das Engagement des Mobilitätsclubs für die Verkehrssicherheit und hob die Bedeutung einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur für das automatisierte und vernetzte Fahren hervor: „Tourismus geht nicht ohne Mobilität. Bei der Gestaltung der Mobilität von morgen und der Dekarbonisierung des Verkehrs müssen aus Sicht des ADAC auch die Anforderungen des Tourismus berücksichtigt werden.“

Eine bessere digitale Vernetzung und Pünktlichkeit von ÖPNV mit Bus, Bahn, Taxi und neuen Mobilitätsdiensten können die Mobilität an touristischen Zielen verbessern. „Nach Überzeugung des ADAC ist es wichtig, Freizeitmobilität bezahlbar zu halten und damit dem Anstieg der Urlaubskosten entgegenzuwirken, damit möglichst alle Menschen ihr Reisebedürfnis erfüllen können“, führte Reinhold Malassa weiter aus. Dafür muss die Politik unter anderem über eine Kompensation des perspektivisch steigenden CO2-Preises entscheiden.

Eindrücke des Symposiums

Zum ADAC Symposium

Das ADAC Symposium ist die Veranstaltungsreihe des ADAC Südbaden zum Zukunftsthema Mobilität. Das Symposium richtet sich an Fachleute des Verkehrs und der Mobilität aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft und will dazu beitragen, Verkehr und Mobilität branchenübergreifend und interdisziplinär aus technologischer, infrastruktureller und sozialer Perspektive neu zu denken und zu behandeln.