ADAC Umfrage zeigt (Un-)Zufriedenheit von Verkehrsteilnehmern in Karlsruhe und Mannheim

ein Fahrrad steht an einem Baum im Hintergrund sind verschwommen weitere Fahrräder zu erkennen
Der ADAC Monitor Mobil in der Stadt hat die Zufriedenheit von Bewohnern, Pendlern und Besuchern mit dem Mobilitätsangebot in 29 deutschen Städten untersucht. ∙ © Pixabay/KRiemer

Karlsruhe/Mannheim. Wie zufrieden waren Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs von August bis Oktober 2020 mit dem Mobilitätsangebot in ihrer Stadt? Das haben Bewohner, Pendler und Besucher von 29 Städten in Deutschland dem ADAC in rund 12.000 Interviews verraten. Die Ergebnisse des „ADAC Monitor Mobil in der Stadt“ geben das Stimmungsbild von jeweils rund 400 befragten Verkehrsteilnehmern einer Stadt anhand eines Zufriedenheitsindex wieder. 

  • Umfrage in 29 mittelgroßen Städten in Deutschland

  • Karlsruhe im Umfragebereich Fahrrad auf dem zweiten Platz

  • Autofahrer in der Fächerstadt eher unzufrieden

  • Mannheim in allen Bereichen im Mittelfeld

Deutliche Unterschiede in Karlsruhe - Mannheim im Mittelfeld

Auch im Gebiet des ADAC Nordbaden sind mit Karlsruhe und Mannheim zwei Städte mit dabei – die Resultate zeigen sehr unterschiedliche Stimmungsbilder. Zwar liegt Karlsruhe im Gesamtranking über alle vier Fortbewegungsarten auf dem zwölften Platz und Mannheim auf Platz 14, jedoch zeigt das Abschneiden der beiden Städte in den Teilbereichen ein differenziertes Bild. In Karlsruhe können zwischen den einzelnen Umfragebereichen große Unterschiede bei der Zufriedenheit festgestellt werden, Mannheim belegt bei den meisten Aspekten das Mittelfeld.

Hohe Zufriedenheit bei Fahrradfahrern in Karlsruhe

Karlsruhe kann sich im Umfragebereich Fahrrad den zweiten Platz hinter der Fahrradstadt Münster sichern. Bei den Autofahrern liegt die Fächerstadt hingegen auf dem vorletzten Platz. Diese Werte liegen nur in Karlsruhe so weit auseinander, bei allen anderen Städten sind die Teilindices eher nah beieinander. Bei den Bereichen ÖPNV und Fußverkehr belegt Karlsruhe
einen Platz im Mittelfeld, hier äußerten die Befragten kaum Kritik. Als Kompliment für die Bemühungen der Stadt für ihre Radler kann die hohe Zufriedenheit in diesem Teilbereich gewertet werden. Besonders positiv werden das Radwegenetz, der Zustand und die Breite der Radwege von den Befragten bewertet. Auch mit dem Sicherheitsgefühl sind Radfahrer in Karlsruhe sehr zufrieden.

Baustellenmanagement als großer Faktor

Ganz anders sieht es allerdings bei den Autofahrern aus – sie bewerten ihre Mobilitätssituation so schlecht, dass Karlsruhe gemeinsam mit Lübeck auf dem zweitletzten Platz vor Potsdam liegt. Während das Baustellenmanagement im Durchschnitt aller Städte für 37 Prozent Unzufriedenheit sorgt, sind es in Karlsruhe 53 Prozent der Befragten, die für diesen Punkt die Schulnoten fünf und sechs vergeben. Besser als der Gesamtdurchschnitt wurde in Karlsruhe nur das Carsharing-Angebot bewertet. Die Stadt verfügt deutschlandweit über die höchste Dichte an Carsharing-Fahrzeugen gemessen an der Einwohnerzahl.

Autofahrer mit Mobilität eher unzufrieden

Im Hinblick auf die Großbaustellen für die U-Bahn und die Untertunnelung der wichtigsten innerstädtischen Achse, der Kriegsstraße, ist dieses Ergebnis nicht verwunderlich. Dazu kamen im Sommer einige notwendige Bauprojekte an Gleisen und Haltestellen des ÖPNV.

Alles in allem eine sehr schlechte Situation für Autofahrer, die sich voraussichtlich auch 2021 nicht bessern wird. Die Mitglieder erkundigen sich häufig, wie sie denn heute in Karlsruhe von A nach B kommen sollen. Solche Routenanfragen zeigen, wie schwierig die Verkehrslage in der Stadt derzeit ist.

Thomas Hätty, Leiter Verkehr und Technik im ADAC Nordbaden

Auch das Parkraumangebot und die Höhe der Parkgebühren sorgen in Karlsruhe für Unzufriedenheit. Der Indexwert liegt in Karlsruhe bei minus 23, im Schnitt sind es minus 13 Indexpunkte. Dies passt zu den Rückmeldungen, die der ADAC Nordbaden von seinen Mitgliedern zum Parken kennt. Sinnvoll aus Sicht des ADAC wären innenstadtnahe Park-und-Ride-Plätze, die einen schnellen Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr ermöglichen, sowie mehr Parkflächen für Anwohner.

Miteinander der Verkehrsteilnehmer wird schlecht bewertet

„Nicht regelkonformes Verhalten der Radfahrer“ ist ein Punkt, der in Karlsruhe nicht nur aus der Sicht der Autofahrer, sondern auch aus der Sicht der Fußgänger bei vielen Befragten für Unzufriedenheit sorgt – und zwar häufiger als in anderen Städten. Unter den Fußgängern in Karlsruhe war die Unzufriedenheit mit den Radfahrern mehr als doppelt so hoch wie mit den Autofahrern. Sogar die Radfahrer selbst gaben an, mit dem Verhalten anderer Radfahrer unzufriedener zu sein als mit dem der Autofahrer. Aber: Der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen ist laut einer Verkehrsbefragung der Stadt Karlsruhe in Karlsruhe im Vergleich zu vielen anderen Städten überdurchschnittlich hoch. Wo viel geradelt wird, fallen Verstöße auch schneller auf. Kampagnen für ein faires Miteinander, an denen sich auch der ADAC Nordbaden beteiligt, werden in Karlsruhe bereits umgesetzt.

Insgesamt sehen wir in den Ergebnissen unserer Befragung eine Momentaufnahme, die sich mit den Rückmeldungen unserer Mitglieder über die letzten Jahre weitgehend deckt: Karlsruhe kann auf seine Entwicklung im Bereich Fahrrad stolz sein. Für Autofahrer wird es auch weiterhin schwer bleiben, denn die Verkehrsentwicklung der Stadt zielt auf weniger motorisierten Individualverkehr ab.

Thomas Hätty, Leiter Verkehr und Technik im ADAC Nordbaden

Leihräder-Verfügbarkeit in Mannheim überdurchschnittlich gut

In Mannheim zeigt der „ADAC Monitor Mobil in der Stadt“ vor allem Verbesserungspotential beim Miteinander der Verkehrsteilnehmer. Wenn es um die Einhaltung von Regeln geht, ärgern sich Fußgänger, Autofahrer und Radfahrer über die jeweils anderen Verkehrsteilnehmer. Im Teilbereich Pkw liegt Mannheim auf Rang 12. Die Zufriedenheit überwiegt vor allem bei den Aspekten Wegweisung und Beschilderung von Parkmöglichkeiten.

Hier ist jeder Einzelne gefragt, mit mehr Respekt aber auch Gelassenheit im Straßenverkehr unterwegs zu sein.

Thomas Hätty, Leiter Verkehr und Technik im ADAC Nordbaden

Autofahrer in Mannheim bemängeln Parkgebühren und Parkraumangebot

Unzufriedenheit äußerten die Autofahrer über die Höhe der Parkgebühren, das Parkraumangebot und das für das Baustellenmanagement. Im Teilindex Fahrrad schneidet Mannheim mit dem 13., bei den Fußgängern mit dem 18. Platz ab. Fahrradfahrer gaben gute Noten für die Zuverlässigkeit, ihr Ziel in der geplanten Zeit zu erreichen und die Wartezeit an Ampeln. Besser als im Durchschnitt wird in Mannheim die Verfügbarkeit von Leihrädern bewertet. Wenig Zufriedenheit erzeugt in Mannheim das Radwegenetz.

Fußgänger zeigen sich zufrieden

Fußgänger wünschen sich mehr Sitzgelegenheiten entlang der Gehwege, gaben aber viele Zufriedenheitspunkte für gesicherte Überquerungsmöglichkeiten und die Beleuchtung von Wegen und Überquerungen. ÖPNV-Nutzer sind mit den kurzen Wegen beim Umsteigen sowie der Dichte der Haltestellen und der Häufigkeit der Verbindungen zufrieden. Das Angebot von Parkplätzen an Stationen und Bahnhöfen stört jeden 5. Nutzer. Im Zufriedenheits-Index liegt Mannheim mit seinem öffentlichen Nahverkehr auf Rang 15.

Alle Ergebnisse des ADAC Monitors Mobil in der Stadt gibt es hier.

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