Gebrauchte Elektroautos: Was ist beim Kauf zu beachten?
Von ADAC Redaktion Hessen-Thüringen

Der Markt für Elektroautos entwickelt sich stetig weiter – vor allem auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind immer mehr E-Autos zu finden. Das größere Angebot und sinkende Preise machen gebrauchte Elektroautos zur echten Alternative für Verbrennerfahrzeuge. Unsicherheiten in Bezug auf Alterung der Technologie oder Lebensdauer des Akkus stellen jedoch häufig eine Hürde beim Gebrauchtwagenkauf dar. Worauf Sie beim Kauf achten müssen, lesen Sie hier.
Warum gebrauchte Elektroautos immer interessanter werden
Rein elektrisch betriebene Autos (BEV – Battery Electric Vehicle) machen derzeit rund vier Prozent des Fahrzeugbestands in Deutschland aus. Eine immer breiter werdende Modellpalette sowie verbesserte Technik haben den Markt für Elektroautos in Schwung gebracht. Nicht jeder, der an einem Elektroauto interessiert ist, kann oder will sich jedoch die aktuellen Neuwagenpreise leisten. Je nach Modell und Akkugröße liegt der Kaufpreis einiger Elektroautos im Vergleich zu manchen Verbrenner-Modellen noch deutlich höher.

Anders sieht das auf dem Gebrauchtwagenmarkt aus: Seit ein paar Jahren ist die Anzahl der inserierten E-Autos auf den gängigen Plattformen stark angestiegen. Selbst Elektroautos mit guten Reichweiten und brauchbaren Ladezeiten für die Langstrecke werden inzwischen angeboten. Oftmals handelt es sich um „junge Gebrauchte“ als Leasing-Rückläufer in einem Alter von zwei bis vier Jahren, mit überschaubarer Laufleistung und gutem Pflegezustand.
Preisentwicklung auf dem Gebrauchtwagenmarkt
Neu zugelassene Elektroautos haben nach Daten des Marktbeobachters DAT in den ersten drei Jahren einen Wertverlust von über 50 Prozent. Damit sind diese „jungen Gebrauchten“ deutlich weniger wertstabil als Verbrenner-Pkw. Aktuell sinkende Neuwagenpreise für E-Autos erhöhen den Druck auf die Preise gebrauchter elektrischer Pkw zusätzlich. Bei steigendem Fahrzeugalter nähern sich die Preise von E-Autos allerdings an die von Verbrenner-Modellen an.
Kaufinteressenten eines elektrischen Gebrauchtwagens profitieren von der Marktsituation, weil sie viele Modelle vergleichsweise günstig kaufen können. So werden gebrauchte E-Autos zur echten Alternative für Benziner oder Diesel. Hinzukommt, dass die Gesamtkosten von E-Autos in den meisten Fällen günstiger sind als für Verbrenner-Modelle. Werden Wertverlust, Reparatur- und Wartungskosten, Versicherung und Steuer sowie die Strom- bzw. Treibstoffkosten berücksichtigt, können Autofahrer je nach Fahrprofil deutlich sparen.
Das passende Fahrprofil

Entscheidend für den Kauf eines Elektroautos ist vor allem das eigene Fahrprofil: Benötigte Reichweite, Lademöglichkeiten und Wohnort sind wichtige Punkte bei der Entscheidung für Modell und Akkugröße. Je nach Fahrzeugmodell können heute schon Reichweiten von 600 Kilometern erreicht werden. Doch nicht jeder Autofahrer benötigt solche Entfernungen. Wer ein Elektroauto als Zweitwagen oder Pendler-Fahrzeug in Stadtnähe sucht, kann auch auf eine kleinere Batterie setzen. Klein- bis Mittelklassefahrzeuge schaffen bei guter Fahrweise ebenfalls Reichweiten von 200 bis 400 Kilometern.
Wichtig: Die tatsächliche Reichweite von E-Autos liegt meist niedriger als von den Herstellern angegeben. Sie ergibt sich aus der nutzbaren Batteriegröße (kWh) und dem Stromverbrauch. Dieser hängt maßgeblich vom Fahrverhalten, der Außentemperatur und den genutzten Verbrauchern, wie Heizung oder Klimaanalage, ab. Im ADAC Autokatalog können sich Verbraucher mit dem Reichweitenrechner bei den elektrischen Modellen über realistische Werte informieren. Testergebnisse des ADAC zeigen praxisnahe Verbrauchswerte (inklusive Ladeverluste).
Kosten für Ladestrom
Ein weiterer Kostenfaktor ist die individuelle Lademöglichkeit – wer häufig zu Hause lädt und nicht auf öffentliche Ladeinfrastruktur, die meist teurer ist, setzen muss, hat einen deutlichen Kostenvorteil. Bei einer hohen Kilometerleistung und einer günstigen Lademöglichkeit gibt es im Vergleich zu Verbrennern die größten Ersparnisse. Am Beispiel eines drei Jahre alten Mittelklasse-Pkw und einer jährlichen Laufleistung von 15.000 km rechnet der ADAC mit einer jährlichen Einsparung von 430-750 € gegenüber einem Benziner, je nach Kosten für den Ladestrom.
Öffentliches Laden – Praxistauglichkeit

Für Autofahrerinnen und Autofahrer ohne eigenen Ladepunkt ist neben den Kosten vor allem entscheidend, wie gut sich das öffentliche Laden in den Alltag integrieren lässt. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich daher frühzeitig über verfügbare Ladeangebote in der Nähe ihrer regelmäßigen Aufenthaltsorte informieren, etwa am Wohn- und Arbeitsort, beim Einkaufen oder bei Freizeitaktivitäten. Die Ladeinfrastruktur hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert: In vielen Regionen steht heute eine ausreichende Zahl öffentlicher Ladepunkte zur Verfügung, sodass das Laden auch ohne private Wallbox praktikabel ist.
Akku-Check vor dem Kauf
Unsicherheiten bestehen bei vielen Verbrauchern häufig mit Blick auf den Zustand der Batterie. Wie bei anderen technischen Geräten altert auch der Akku eines E-Autos über die Zeit und mit der Nutzung. Je mehr Ladezyklen, desto stärker die Alterung. Um sicher zu gehen, dass das gewünschte Modell noch ausreichend Akkukapazität hat, sollten Käufer von Elektroautos auf die Vorlage eines aktuellen Batteriezertifikats achten. Dieses gibt den Gesundheitszustand des Akkus - oder „State of Health“ (SoH) an. Dabei wird unterschieden zwischen einem Dauertest und einem Schnelltest mittels eines Diagnosegeräts. Dieses wird über die Diagnoseschnittstelle (OBD) an das Fahrzeug angeschlossen.
Um zu testen, wie schnell der Akku tatsächlich abbaut, führt der ADAC seit Mai 2021 einen Langzeittest mit einem VW ID.3 durch. Das Ergebnis: nach 100.000 Kilometern wies der Akku noch eine Restkapazität von 93 Prozent auf, bei über 160.000 Kilometern (in vier Jahren) betrug der Wert noch 91 Prozent. Der Akku ist damit selbst bei höchster Belastung noch weit entfernt von der 70 Prozent Marke und somit noch problemlos für Langstreckenfahrten geeignet.
Im Schnelltest wird innerhalb von 15 Minuten eine Analyse des Batterie-Managementsystems durchgeführt, nach der ein aussagekräftiger Wert zum Zustand der einzelnen Zellen und dem Gesamtzustand der Batterie ausgegeben wird.
Der noch genauere Dauertest checkt die Batterie im Rahmen von Alltagsfahrten. Der Test kann beginnen, wenn das Elektroauto vollgeladen ist. Danach hat der Nutzer sieben Tage Zeit, den Akku bis unter zehn Prozent leerzufahren, ohne dabei zwischenzuladen. Sobald der Batterieladestand unter zehn Prozent fällt, wird der Test automatisch beendet. Der ausgegebene Wert gibt die exakt gemessene Restkapazität des Akkus an.
Basierend auf den Auswertungen und Erfahrungswerten sollte der SoH-Wert nach Einschätzung der ADAC Experten folgende Werte aufweisen:
bei 50.000 km: mindestens 92 %
bei 100.000 km: mindestens 88 %
bei 150.000 km: mindestens 84 %
bei 200.000 km: mindestens 80 % der ursprünglichen Akkukapazität
In Kooperation mit dem Partner Aviloo bietet der ADAC einen herstellerunabhängigen und neutralen Batteriecheck für reine Elektrofahrzeuge, aber auch für Plug-in-Hybride an.
Garantiefall Batterie

Ist eine Batterie nicht mehr leistungsfähig genug, muss – technisch gesehen – nicht zwangsläufig die gesamte Batterie getauscht werden. Oftmals reicht der Austausch einzelner Batteriemodule. Ob der Hersteller in diesem Fall für die Reparatur einspringt, richtet sich nach den gültigen Garantieregeln. Die meisten Hersteller geben eine Garantie von 160.000 Kilometern oder acht Jahren. Fällt die Restkapazität des Akkus in dieser Zeit, z. B. durch einen Defekt, unter den Bereich von 70 Prozent, greift der Garantiefall.
Um die Batterieleistung bestmöglich zu erhalten, sollten Besitzer von E-Autos auf folgende Dinge achten:
Häufiges und starkes Entladen vermeiden (Akkuladung unter 10 Prozent)
Akku nur auf 80-90 Prozent vollladen
Extreme Temperatureinflüsse vermeiden
Bei längeren Standzeiten (z.B. Urlaub) Akku ausreichend, aber nicht voll laden
Weitere Tipps zum Gebrauchtwagenkauf
Grundsätzlich sollten Käufer von gebrauchten E-Autos die gleichen Tipps beachten wie beim Gebrauchtwagenkauf von Verbrenner-Fahrzeugen, also zum Beispiel Probefahren und Überprüfung auf Rost und Unfallschäden. Der Verkäufer sollte möglichst genau Auskunft zur Historie des Fahrzeugs, dessen Reichweite und Batteriezustand geben können. Die Informationen sollten im ADAC Musterkaufvertrag für Elektroautos schriftlich festgehalten werden.
Eine sorgfältige Prüfung des Serviceheftes ist beim Elektroauto nicht weniger wichtig als sonst, denn regelmäßige Wartungen belegen ein einwandfreies "Vorleben" des Fahrzeugs. Ohne eine genaue Dokumentation fällt es schwer, Garantieansprüche durchzusetzen, insbesondere bei den langjährigen Garantieversprechen auf die Batterie oder andere elektrische Komponenten.
Für eine individuelle Beratung stehen die Technikexperten des ADAC unter technik@hth.adac.de zur Verfügung.