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Wenn nichts mehr geht

Stau auf der Autobahn – der Horror jedes Autofahrers. Acht Tipps, wie Sie sich bei Stillstand richtig verhalten

Fünfeinhalb Jahre im Stau: So lange steckten alle deutschen Urlauber zusammengerechnet im Sommer 2016 auf deutschen Autobahnen fest. Anders ausgedrückt: 70 164 Mal Stillstand. Gerade bei hochsommerlichen Temperaturen ist die Situation im Auto dann zum Verzweifeln. Trotzdem hilft hier nur eins – ruhig bleiben! Wir erklären Ihnen, was im Stau erlaubt ist und was nicht.

Aussteigen verboten

Auch wenn Sie es bei sengender Hitze im Wagen kaum aushalten: Laut Straßen-verkehrsordnung (§ 18 Abs. 9 Satz 1) ist Aussteigen auf der Autobahn nicht gestattet – außer zur Sicherung einer Unfallstelle. Meist ist die Polizei bei längeren Störungen wie zum Beispiel einer Vollsperrung nachsichtig, wenn es jemandem zu heiß oder gar übel wird. Allerdings: bitte keine ausgiebigen Spaziergänge auf der Autobahn unternehmen, sondern immer in der Nähe des Fahrzeugs bleiben! Und bei einem Unfall auf keinen Fall die Rettungskräfte behindern.

Standstreifen freihalten

Der Standstreifen ist für Pannenfahrzeuge reserviert. Wer hier bei Stau fährt, um den nächsten Rastplatz oder die nächste Ausfahrt schneller zu erreichen, riskiert 75 € und einen Punkt in Flensburg. Einzige Ausnahme: Auf manchen Autobahnen geben Schilder und grüne Pfeile den Standstreifen zum Befahren frei.

Keine freie Fahrt für Motorräder

Biker dürfen sich nicht zwischen den Fahrzeugen nach vorn schlängeln. Hier werden 100 € Geldbuße und ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei fällig. Links überholen ist erlaubt, wenn genügend Seitenabstand vorhanden ist.

Telefonieren: Nur wenn der Motor ausgeschaltet ist

Auch im Stau gilt: Telefonieren im Auto ohne Freisprechanlage ist verboten. Außer, Sie haben den Motor abgeschaltet. Dann darf das Gerät in die Hand genommen werden. Ein Verstoß gegen das Handyverbot kostet 60 € Bußgeld und bringt einen Punkt in Flensburg.

An Engstellen Einfädeln lassen 

Ist ein Fahrstreifen wegen eines Unfalls oder einer Baustelle blockiert, müssen sich die Fahrer unmittelbar vor der Engstelle im Reißverschlussverfahren einordnen. Wer hier absichtlich die Lücken schließt und das verhindert, muss mit 20 € Verwarnungsgeld rechnen.

Rechts überholen manchmal erlaubt

Nur wenn der Verkehr auf dem linken Fahrstreifen steht oder mit maximal 60 km/h unterwegs ist, darf rechts vorbeigefahren werden – bei stehenden Autos mit 20 km/h, bei rollender Schlange mit 20 km/h Differenzgeschwindigkeit. Heißt: höchstens mit Tempo 80 überholen! Wer sich nicht dran hält, riskiert 100 € Bußgeld und einen Punkt.

Niemals wenden oder rückwärts fahren

Auf der Autobahn rückwärts zu fahren oder zu wenden ist immer verboten. Bis auf eine spezielle Situation: Die Polizei fordert die Autofahrer bei länger andauernden Vollsperrungen dazu auf, um den Verkehr von der Autobahn abzuleiten.

Bei eigenständigen Aktionen drohen dem Sünder eine Geldbuße bis zu 200 €, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

Immer gleich eine Rettungsgasse bilden

Was viele nicht wissen: Die Rettungsgasse muss bereits gebildet werden, sobald ein Stau entsteht, nicht erst, wenn die Rettungskräfte von hinten kommen. Die Regel ist einfach: auf zwei- und mehrspurigen Autobahnen immer zwischen dem linken Fahrstreifen und dem unmittelbar rechts daneben. Der Standstreifen soll dabei möglichst frei bleiben. Wer sich nicht an die Vorschrift hält, dem droht ein Verwarnungsgeld von 20 €.

Vier Fragen an Bernd Emmrich, ADAC Stauberater.

Der ADAC „Autobahn-Engel“ Bernd Emmrich findet, dass viele Autofahrer einfach schlecht vorbereitet sind und Autofahrer besser planen sollten.

ADAC Motorwelt: Was macht ein Stauberater?
Benrd Emmrich: Wir betreuen Autofahrer in Ferienzeiten, haben Getränke, Spielsachen und Malbücher für Kinder sowie Landkarten dabei. Wir informieren zur Verkehrslage, geben Tipps zu alternativen Routen und Einkehrmöglichkeiten. 

Stress im Stau: Welches sind die Hauptprobleme der Autofahrer?
Oft sind Reisende einfach schlecht vorbereitet: Ein auf Kante genähter Zeitplan erzeugt bei Stau oder Panne unweigerlich Stress im Auto. Bei Hitze kommen auch die Fahrzeuge an ihre Grenzen. Hier könnte eine fachmännische Prüfung im Vorfeld, u. a. Kühlwasser, viele Probleme vermeiden.

Was raten Sie Autofahrern?
Nehmen Sie sich reichlich Zeit für die Fahrt in den Urlaub. Dann beginnen die Ferien im besten Fall schon während der Fahrt. Ganz wichtig: auch im Stau ruhig bleiben. Streit im Auto bringt keinem etwas. Und für den Notfall sollte genug zum Trinken griffbereit sein, genauso wie Warnwesten und -dreieck.  

Wann und auf welchen Strecken sind Sie und Ihre Kollegen im Einsatz?
Zu den Hauptferienzeiten der einzelnen Bundesländer von Ostern bzw.Pfingsten bis Herbst sind wir an allen Stauschwerpunkten unterwegs, also auf den wichtigsten Autobahnen von Nord nach Süd. In Südbayern kommt noch ein Pkw als mobiles Staustudio zum Einsatz, um Meldungen schnell an Radiostationen weiterzugeben.

Text und Interview: Petra Zollner, Foto: ADAC/Markus Hofmann, Illustrationen: ADAC Motorwelt