Erste Testfahrt Rolls-Royce Cullinan: Kronjuwel unter den SUVs

18.10.2018

Mit dem Cullinan bringt Rolls-Royce Ende des Jahres erstmals ein Allrad-Fahrzeug auf den Markt. Wie fährt sich ein SUV für Preise ab 315.00 Euro in Matsch und Modder? Erste Eindrücke unserer Testredaktion und alle technischen Daten

  • Erster Geländewagen von Rolls-Royce
  • Luxus pur: Kühlfach für Champagner, Trennscheibe, elektrisch ausfahrende Picknick-Sessel
  • Motor: 6,75 Liter großer V12, mit imposanten 571 PS und 15 Litern Verbrauch

 

Normalerweise sieht man sie vor Palästen und Prunkschlössern, vor den teuersten Hotels, neben Luxusyachten oder Privatfliegern. Doch bald kann man der berühmtesten Kühlerfigur der Welt auch in der Wildnis begegnen, vor der Skihütte, im Jagdrevier oder an den Fischgründen.

Lady Emily steigt herab vom Olymp des Automobilbaus und klettert erstmals auf den Bug eines Geländewagens: Nachdem Luxus-SUVs wie Range Rover und Bentley Bentayga den Weg bereitet haben, baut jetzt auch Rolls-Royce einen Geländewagen. Zum Jahresende geht für unbescheidene 315.000 Euro aufwärts der Cullinan an den Start. Freiheit und Abenteuer statt Glanz und Gloria.

 

Der erste Rolls mit Heckklappe - und Stufenheck

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Rolly Royce Cullinan Heckansicht
Geschmacksache: Einen Rolls Royce mit Hecklappe gab es noch nie

Aber Rolls-Royce wäre nicht Rolls-Royce, wenn der nach dem größten jemals gefunden Diamanten benannte Cullinan ein gewöhnlicher Geländewagen wäre: Während Bentley für den Bentayga den Audi Q7 einfach neu einkleidete, hat die BMW-Tochter nicht den X7 in einen Smoking gesteckt, sondern das Auto mit der typischen britischen Verschrobenheit auf der Aluminium-Plattform des Phantom neu entwickelt.

Der stolze 5,34 Meter lange Cullinan trägt daher den charakteristischen Kühlergrill und die vier Türen sind wie bei Phantom & Co. gegenläufig angeschlagen. Und um sich vollends von der Konkurrenz abzusetzen, haben die Briten der Heckklappe des dicken Brockens noch ein kleines optisches Stufenheck geschneidert.

Übrigens: Dieser Rolls-Royce traut sich tatsächlich in den Dreck und ist sich für Matsch und Modder nicht zu schade – schließlich hat er einen Allradantrieb und obendrein eine Luftfederung, mit der er sich je Programmierung der sechs Offroad-Profile um vier Zentimeter anhebt. Und weshalb sonst sollten sie in Goodwood eine Bergabfahrhilfe eingebaut haben?

Doch selbst wenn Rolls-Royce gerne an die Wüstenfahrten eines Lawrence von Arabien erinnert und dem Cullinan die Attribute "Effortless" und "Everywhere", sinngemäß also "mühelos" und "überall" anheftet, geht es den Briten weniger ums Abenteuer als um den Alltag. Und dort ist der Cullinan tatsächlich der erste Rolls-Royce, den man immer und überall nutzen kann.

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Variable Rückbank, Anhängerkupplung und Picknick-Sitze

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Rolly Royce Cullinan Picknick Sitze
Abgehoben: Picknick auf der Ladefläche statt im Grünen

Dafür haben sich die Entwickler einiger Themen angenommen, die ihnen bislang ziemlich fremd waren. So wurde eine zweigeteilte Heckklappe entwickelt und eine Rückbank, die man wie bei einem noblen Kombi elektrisch umklappen kann. Damit wächst das Kofferraumvolumen in mehreren Schritten von 560 auf bis zu 1930 Liter und macht den Cullinan zum praktischsten Rolls-Royce aller Zeiten. Und auf Wunsch gibt es sogar noch eine Anhänger-Kupplung.

Bei allem Sinn fürs Praktische gerät aber die gewohnte Prunksucht nicht ins Hintertreffen: Statt der Dreiersitzbank kann man für den Fond auch zwei Executive Sessel ordern. Die kosten zwar mehr als ein Kleinwagen, haben aber auch eine Massagefunktion. Zwischen den Sitzen gibt es ein Kühlfach für den Champagner und dahinter sperrt eine Trennscheibe Lärm und Luft aus, wenn der Chauffeur mal zu lange den Kofferraum öffnet. Noch exklusiver sitzt man nur auf den beiden elektrisch ausfahrenden Picknick-Sesseln, die auf Knopfdruck aus der offenen Heckklappe surren.

Edles Holz trifft auf digitale Instrumente

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Cockpit des Rolly Royce Cullinan
Mit diesem Lenkrad bewegt der Chauffeur drei Tonnen Leergewicht

Am vertrautesten präsentiert sich der Cullinan dem Fahrer. Der schaut in ein vergleichsweise bekanntes Cockpit, in dem sich Handwerkskunst wie fein verarbeitete Hölzer oder die Orgelzüge der Lüfterdüsen und Hightech wie die digitalen Instrumente oder der Touchscreen begegnen. Das wirkt allerdings in so einem neuartigen Rolls-Royce ein bisschen verstaubt.

Unter der Haube steckt wie beim Phantom der 6,75 Liter große V12, der hier imposante 571 PS und noch wichtiger 850 Nm leistet. Da fallen selbst die knapp drei Tonnen des Cullinan nicht mehr ins Gewicht, der Koloss bewegt sich nahezu mühelos.

Von 0 auf 100 in 5,2 Sekunden und 250 km/h Spitze – das sind Werte, die schon viele kleinere SUVs zu Sportlern adeln. Der V12 erledigt diesen Kraftakt fast unbemerkt – zwei Zentnern Schallschutz und dem dicksten Akustik-Glas aller Serienmodelle sei Dank herrscht an Bord selbst bei Vollgas himmlische Ruhe.

Trotzdem hat der Cullinan bisweilen mit seinem Gewicht zu kämpfen. In Kurven und beim Bremsen treibt die Fliehkraft ihr böses Spiel, und man fragt sich, ob bei diesem Budget nicht ein besserer Wankausgleich oder ein 48-Volt-Fahrwerk wie beim Bentayga drin gewesen wäre.

Ganz abwegig ist ein Luxus SUV nicht, auch Maybach überlegt einen zu bauen.

Und selbst wenn der Rolls-Royce-Kunde nicht so sehr aufs Geld schauen muss, sind ein Normverbrauch von 15 und ein Alltagswert nicht unter 20 Litern einfach zu viel. Trotzdem denken die Briten nicht über einen Motor mit weniger Zylindern oder ein Plug-In-Paket nach. Pressesprecher Richard Carter kündigt stattdessen für die Mitte der nächsten Dekade den ersten rein elektrischen Rolls-Royce an – lässt aber die Baureihe noch offen.

Technische Daten (Herstellerangaben) Rolls-Royce Cullinan
Motor V12-Zylinder-Turbobenziner, 6749 cm3, 420 kW/571 PS, 850 Nm bei 1600 U/min
Fahrleistungen 5,2 s auf 100 km/h, Spitze 250 km/h
Verbrauch 15,0 l Super/100 km, 341 g CO2/km
Maße L 5,34 / B 2,00 / H 1,83 m
Kofferraum 560-1930 l 
Preis ab 315.000 € 

Text: Thomas Geiger, Fotos: PR.

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