Mazda Skyactiv X: Der Diesel-Benziner kommt 2019

10.12.2018

Ein sauberer Benzinmotor mit dem Verbrauch eines Diesels – Mazda scheint die technische Revolution gelungen zu sein: Der „Diesotto“ kommt 2019 im neuen Mazda3 auf den Markt. Erster Fahrbericht von einem Prototyp mit Skyactiv-X-Technik

Der aktuelle Mazda3 dient als Versuchsträger für den Skyactiv-X-Motor, der 2019 auf den Markt kommt

Die Revolution kommt recht unscheinbar daher. Dem mattgrau lackierten Mazda3 sieht man nicht an, welch technischer Aufwand unter seinem konventionellen Blechkeid steckt. Auch den soften Schriftzug "Skyactiv-X" an der Flanke nimmt kaum jemand wahr. Doch wer die Fachbezeichnungen von Mazda kennt, weiß zumindest, dass Skyactiv-G für die Benzinmotoren steht und Skyactiv-D für die Diesel. Ein "X" kam bislang nicht vor, verheißt aber genau jene Mixtur aus Diesel und Benziner, an dem sich vor vielen Jahren schon Mercedes und VW die Zähne ausgebissen haben.

Der Diesel-Benziner soll 20 % weniger verbrauchen

Was den neuen 2,0-Liter-Vierzylinder von Mazda so besonders macht, ist das Verbrennungsprinzip, das die Kompressionszündung eines Dieselmotors ohne Zündkerze ("Selbstzünder") mit der Entflammung des Benzingemischs durch eine Zündkerze beim Benziner kombiniert. Beides in einem Motor gab es bisher nicht.

Vorteil laut Mazda: Rund 20 Prozent weniger Verbrauch und damit 20 Prozent weniger CO2-Ausstoß als mit einem "normalen" Benziner. Wie dieser tankt der Skyaktiv-X aber normales Benzin mit 95 Oktan – Befürchtungen, künftig Benzin und Diesel zusammenmischen zu müssen, sind also grundlos.

Und wie arbeitet der Wundermotor? Damit er wie ein Diesel mit Kraftstoff knausert, muss er sehr "mager" betrieben werden. Das heißt: Im Zylinder herrscht anders als bei einem konventionellen Benziner ein Luftüberschuss. Dieses Gemisch mit weniger Kraftstoff als Luft ist mit einer Zündkerze jedoch nur schwer zu entzünden – die Flamme würde verhungern.

Jetzt greift das Dieselprinzip mit seiner hohen Verdichtung. Weil das Benzin-Luft-Gemisch ungewöhnlich stark verdichtet wird (16:1), wird es heiß und entzündet sich selbst. Nur so kann ein extrem mageres Gemisch vollständig und effizient verbrannt werden.

Der Skyactiv-X läuft zu 80 Prozent im Sparmodus

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Blick ins Innere des Motors, der Fremd- und Kompressionszündung vereint

Das Problem: Die Selbstzündung ist schwer zu bändigen, es kann zu einer unkontrollierten Verbrennung kommen. Aber auch das hat Mazda gelöst. Der Trick: Ist der Kolben in der Nähe des oberen "Totpunkts", wird eine zusätzliche Menge Kraftstoff über eine Hochdruckleitung eingespritzt, mit der Zündkerze entflammt und so noch mehr verdichtet. Dadurch verläuft die Verbrennung berechenbar und harmonisch. Die Zündkerze kommt also bei jedem Kolbenhub zum Einsatz.

In allen Last- und Drehzahlbereichen funktioniert die Kompressionszündung aber nicht. Gibt der Fahrer beispielsweise Vollgas, schaltet die Motorsteuerung auf einen konventionellen Betrieb wie bei einem normalen Benziner um. Der Fahrer merkt davon absolut nichts – die Übergänge zwischen Kompressions- und reiner Fremdzündung verlaufen fließend, wie wir seit unseren ersten Testfahrten bestätigen können. Aber zu 80 Prozent befindet sich der Motor im sparsamen Selbstzündermodus.

Erfreulich ist, dass der Motor sehr laufruhig arbeitet und im Vergleich zum bisher angebotenen, eher raubeinigen Skyactiv-G mit 165 PS wesentlich leiser ist. Neben dem Verbrauchsvorteil kann der Skyactiv-X also auch durch höheren Fahrkomfort, mehr Leistung (rund 190 PS) und ein höheres Drehmoment (230 Nm) im Vergleich zum Benziner punkten.

Der Antritt des neuen Motors ist trotz fehlender Turboaufladung spontan und kraftvoll, die Beschleunigung verläuft gleichmäßig und viel harmonischer als etwa bei einem Turbodiesel. Angenehm ist auch, dass der Motor über ein sehr breites Drehzahlband gut zieht. Einem Diesel geht in oberen Drehzahlbereichen dagegen oft die Kraft aus.

Mazda 3: Erste Infos und Details

Roter Mazda 3 stehend

Der neue Mazda3 ist zwar bereits auf dem Markt. Doch bis der Skyactiv-X-Motor angeboten wird, muss der Golf-Konkurrent noch mit konventionellen Motoren auskommen. Erste Infos und Bilder.

Vorstellung: Der neue Mazda 3

Der Zwitter soll die Diesel nicht ablösen

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Bis zur Einführung in einem Jahr sind noch etliche Testfahrten zu absolvieren

Obwohl Mazdanoch keine Preise nennt, dürfte der Aufpreis zu den herkömmlichen Benzinern bei rund 1500 bis 2000 Euro liegen – und damit leicht unter dem Niveau einer Dieselvariante. Ob zum Verkaufsstart des neuen Mazda3 im März 2019 der Skyactiv-X bereits verfügbar ist, bleibt abzuwarten.

Wenn es nach den Japanern geht, soll die "SPCCI-Technik" (Spark Controlled Compression Ignition) dann zügig in anderen Modellreihen zu finden sein, die Dieselmotoren aber nicht ersetzen. Schließlich hätten diese bei großen und schweren Fahrzeugen wie dem CX-5 immer noch Vorteile.

Mazdas Sonderweg wirkt zwar in Zeiten, in denen alle anderen Hersteller auf E-Autos und Hybridmotoren verschiedenster Ausprägung setzen, ein wenig eigenwillig. Doch – sollten die Verbrauchs- und CO2-Versprechen wirklich eintreffen –, könnte der Verbrennungsmotor mit der innovativen Technik eine neue Chance bekommen. Ein reines Elektroauto hat Mazda jedenfalls erst 2019 zu bieten, einen Plug-in-Hybriden sogar erst 2021.

Der ADAC wird den Wundermotor und das Verbrauchsversprechen jedenfalls mit seinem realitätsnahen EcoTest überprüfen, sobald der Motor serienreif ist. Doch erstmal nehmen sich die Mazda-Ingenieure noch Zeit, um Optimierungen auszuarbeiten. Es bleibt also spannend, ob die Idee zündet.

Text: Jochen Wieler. Fotos: PR.

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