10 ADAC Tipps zur Autowäsche im Winter

3.8.2018

Autowaschen im Winter – lieber öfter oder gar nicht? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur winterlichen Wagenwäsche in der Waschanlage: Wie oft, wann, wo und wie – und was Sie dabei beachten sollten

Es gibt viele Meinungen zur richtigen Fahrzeugpflege im Winter. Die gutgemeinten Empfehlungen reichen vom Tipp, das Auto im Winter so oft wie möglich durch die Waschstraße zu schicken, bis zum Rat, in dieser Jahreszeit um jede Waschanlage einen möglichst großen Bogen zu fahren, um den Lack zu schonen. Und wenn – dann sei sowieso nur eine liebevolle Handwäsche die einzig erlaubte Alternative. Wer hat also recht? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Autowäsche im Winter.

1. Wie oft soll ich mein Auto im Winter durch die Waschanlage schicken?

Im Prinzip genauso oft wie in den Sommermonaten. Es ist unbestritten, dass ein sauberes Auto bei Schmuddelwetter dank seiner glänzenden Lichtreflexionen besser und vor allem rechtzeitiger gesehen werden kann als das verschmutzte Pendant. Doch seit der Einführung des hellen Tagfahrlichts für Autos ist dieser Vorteil nicht mehr so entscheidend. Waschen Sie also auch im Winter frei nach Ihrem persönlichen Sauberkeitsempfinden: Dann, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihrem Fahrzeug eine Wäsche einfach guttut.

2. Stimmt es, dass das Auto im Winter durch Streusalzreste extrem belastet ist?

Jein. Die Aussage, dass der winterliche Schmutz – eine aggressive, salzhaltige Lauge – auf den Lack enorm korrosionsfördernd wirke, also so oft wie möglichentfernt werden müsse, trifft nur für einen vorgeschädigten Lack mit Kratzern oder Abplatzungen zu. Einwandfreie Lackoberflächen stecken diese Schmutzangriffe jedoch mühelos weg. Auch der Unterbau eines Fahrzeugs hat in der Regel keine Korrosionsprobleme: Durch werkseitige Hohlraumversiegelungen, verbesserten Unterbodenschutz und den Einsatz verzinkter Bleche ist das eher ein Problem der Vergangenheit.

3. Wann sollte man im Winter auf keinen Fall in die Waschanlage? 

Dann, wenn es extreme Minustemperaturen von unter -10 Grad Celsius hat. Denn so wie die Haut des Menschen auf extreme Temperaturschwankungen empfindlich reagiert, sollte man ähnliche Belastungen auch nicht dem Lack oder den Gummi- und Kunststoffteilen des Fahrzeugs zumuten. Vermeiden Sie deshalb den Wärmeschock, wenn das ca. 10 bis 30 Grad warme Wasser der Waschanlage auf Fahrzeugteile trifft, die kurz vorher noch der Eiseskälte ausgesetzt waren. Vor allem vorgeschädigte oder nachlackierte Lackoberflächen sind für den Laien nicht immer gleich sichtbar, leiden aber langfristig unter dem Wärmeschock. Die Gefahr, dass Türschlösser vereisen oder Gummidichtungen anfrieren, ist bei gemäßigten Temperaturen ebenfalls geringer.

Materialkunde: Der Stoff aus dem die Bürsten sind

Das Material, das heute für die Bürsten der Waschanlagen verwendet wird, heißt Polyethylen (PE). Je nach Art der Anlage kommt der Kunststoff meist in zwei unterschiedlichen Formen zum Einsatz: Entweder aufgeschäumt als geschlossenporiger Schaumstoff oder gewebt als "genageltes" Polyethylen, das wegen der wattierten Faserstruktur gern auch als "Textil" bezeichnet wird. Ist das Fahrzeug durch eine Vorwäsche von grobem Schmutz befreit, bleibt der Lack beim Einsatz von Polyethylen-Waschmitteln einwandfrei.

4. Was muss ich vor der Einfahrt in die Anlage beachten?

Wie Sie Ihr Auto vorbereiten müssen, steht meist groß angeschrieben am Einfahrtstor. Nicht immer vermerkt, aber selbstverständlich: Fenster und Schiebedach schließen, Tankdeckel verriegeln und Scheibenwischer aus – vor allem auch den Regensensor! Und ganz wichtig: Unbedingt vor der Einfahrt in die Waschanlage alle Reste von Schnee und Eis entfernen. Denn die ziehen die Bürsten sonst wie Schmirgelpapier über den Lack – und es gibt böse Kratzer!

5. Welche Wasch-Programme sind im Winter zu empfehlen?

Auch im Winter gilt: Günstig ist gut – Hauptsache eine maschinelle oder manuelle Vorwäsche zum ersten Entfernen grober Schmutzpartikeln (Schmirgeleffekt!) ist Teil des Waschprogramms. Zusätzliche und teure Super-Programme mit Heißwachs oder Unterbodenschutz sind aus fahrzeugtechnischer Sicht nicht notwendig. Wichtiger ist die Kontrolle durch den Fachmann: Auf der Hebebühne können vor und nach der Wintersaison Schäden am Unterbodenschutz erkannt und ausgebessert werden – Rost hat dann keine Chance.

6. Was wäscht besser: Die Portalanlage an der Tankstelle oder eine Waschstraße?

In Deutschland gibt es aktuell rund 1850 Waschstraßen und 14.000 Portalanlagen. Ein ADAC Waschanlagen-Test hat 2013 ergeben: Prinzipiell sollte man für die Autowäsche eher die Waschstraße bevorzugen. Das liegt aber nicht an den verwendeten Bürsten-Materialen, denn die sind hier wie dort aus lackschonendem Polyethylen (siehe oben), oft auch Textil genannt. Es liegt auch nicht an den chemischen Waschmitteln oder der Waschdauer, die im Schnitt ähnlich sind. Es ist vor allem die manuelle Vorwäsche, die den Unterschied macht. Denn vor der Waschstraße steht in der Regel ein Mitarbeiter mit Hochdrucklanze bereit, der genau die Problemstellen säubert, die den Bürsten der Portalanlagen verborgen bleiben. Eine prinzipiell gute Alternative wäre auch die traditionelle Handwäsche auf einer der 2400 SB-Waschanlagen: Doch davon lassen im Winter viele lieber die (klammen) Finger.

7. Wer hat Schuld, wenn ein Fahrzeug in der Waschanlage beschädigt wird?

Bei Autoschäden in der Waschanlage landen die betroffenen Parteien nicht selten vor Gericht. Beweispflichtig ist dabei immer der Kunde. Er muss nachweisen, dass der Schaden an seinem Fahrzeug in der Anlage entstanden ist. Der Betreiber muss dann darlegen, dass er nichts falsch gemacht hat. Das heißt für die Praxis: Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sieht sich sein Fahrzeug nach jedem Waschgang genau an. Äußerst hilfreich sind Zeugen. Hat z.B. der Fahrer hinter Ihnen oder ein anderer Kunde etwas gesehen? Wenn Sie einen Schaden entdeckt haben, der in der Waschanlage entstanden sein muss, melden Sie es beim Personal und lassen Sie sich das schriftlich bestätigen.

8. Kann der Waschanlagenbetreiber bestimmte Schäden von der Haftung ausschließen?

Häufig versuchen die Betreiber von Waschanlagen bestimmte Teile am Fahrzeug in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von der Haftung auszuschließen. Das ist nicht unbedingt zulässig. So hat der Bundesgerichtshof entschieden (Az. X ZR 133/03), dass außen an der Karosserie angebrachte Teile wie z.B. Zierleisten, Spiegel oder Antennen und dadurch verursachte Lack- und Schrammschäden nicht pauschal ausgeschlossen werden dürfen. Die Richter sahen darin eine unangemessene Benachteiligung des Kunden.

9. Wann haftet der Betreiber? 

Der Betreiber muss eine reibungslose, gefahrenfreie Benutzung der Waschanlage gewährleisten. Spezielle Hinweise müssen für den Kunden sichtbar sein. Laut Urteil des Amtsgerichts Pforzheim (Az. 3 C 382/13) hatte es der Betreiber in einem Fall unterlassen, darauf hinzuweisen, dass sich das Einfahrtstor im Winter nach jedem Fahrzeug schließt. Für den Schaden seines Kunden musste er aufkommen. Sind Infos und Anweisungen veraltet oder treffen nicht zu, kann dafür nicht der Autofahrer verantwortlich gemacht werden. Beispiel: Die Anmerkung "Antenne einschieben oder abnehmen" genügt nicht, wenn sich die Antenne konstruktionsbedingt weder abnehmen noch einschieben lässt (AG Altenburg Az. 5 C 922/00). Ist ein Fahrzeug offensichtlich nicht für die Waschanlage geeignet, z.B. weil es zu breit ist, muss das Personal den Fahrer darauf hinweisen (AG Siegburg Az. 118 C 125/04).

10. "Auffahrunfall" in der Waschanlage: Wer hat Schuld?

Kommt immer wieder vor: ein "Auffahrunfall", weil das vordere Auto bremst oder aus der Schiene springt. Wenn die Anlage fehlerhaft gearbeitet hat oder Sicherheitsvorkehrungen versagen, haftet in der Regel der Betreiber. Der Bundesgerichtshof hat allerdings gerade entschieden, dass ein Inhaber die Anlage nicht ununterbrochen überwachen kann. Ein BMW-Fahrer war auf den grundlos bremsenden Vordermann geschoben worden. Jetzt muss das zuständige LG Wuppertal neu verhandeln (Az. VII ZR 251/17).

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Rechtsberatung: So hilft der ADAC

Wenn Sie einen Waschanlagen-Schaden am Fahrzeug bzw. Fragen zum Thema haben, beraten die ADAC Clubjuristen Mitglieder kostenlos unter Tel. 089.7676-2423 oder unter adac.de/rechtsberatung

Wer nicht in die Waschstraße oder -anlage fahren will, kann sein Auto auch problemlos selber waschen. Doch Vorsicht – dies ist nicht überall erlaubt. Was Sie beachten sollten, erfahren Sie in unserem Video:

Text: Thomas Kroher, Petra Zollner. Fotos: Matthias Graben/WAZ Foto-Pool, Photoiron/Fotolia.

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