Wie die Gelben Engel ein besonderes Weihnachtsgeschenk ermöglichten

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Unterwegs, um zu helfen: Gelber Engel und Weihnachtsmann in Personalunion
Unterwegs, um zu helfen: Gelber Engel und Weihnachtsmann in Personalunion© ADAC/Stefanie Aumiller

Stefan R. wollte seiner Oma in der Corona-Zeit ein besonderes Weihnachtgeschenk machen und sie an Heiligabend besuchen. Aber fast wäre der Plan an seinem VW LT gescheitert. Zwei Gelbe Engel machten das doch noch möglich. Hier erzählt Stefan R.

Ich hatte am 16. Dezember 2020 meinen letzten Arbeitstag bei einem Kunden in der Nähe von Frankfurt. Dort betreute ich als Unternehmensberater ein Projekt zum Thema "Kundenorientierung". Danach zog ich mich für sieben Tage in eine Wohnung zurück, um keinen anderen, möglicherweise mit Corona infizierten Menschen zu treffen.

Der Grund: Ich wollte meiner 81-jährigen Oma ein besonderes Weihnachtsgeschenk machen, sie nämlich am Heiligen Abend in Freiburg besuchen. Sie sollte diesen Abend nicht wegen Corona allein verbringen müssen. Dafür ergriff ich alle Vorsichtsmaßnahmen, unter anderem eben die sieben Tage Abschottung plus PCR-Test am 23. Dezember am Frankfurter Flughafen. Nach dem Test wollte ich vom Airport-Testzentrum die 270 Kilometer zur Oma fahren.

Kein Keilriemen für den VW LT

Dafür stand mein in die Jahre gekommener VW LT 2.8, Baujahr 1988, bereit. Eine Probefahrt am 22. Dezember verlief problemlos. Als ich aber einen Tag später getestet im LT saß und nach Freiburg fahren wollte, sprang der Wagen nicht an. Es war wie verhext.

Der LT wollte nicht anspringen - der Heilige Abend war in Gefahr! © ADAC

Nur 20 Minuten nach meinem Notruf beim ADAC traf bereits der Gelbe Engel ein, mit Maske geschützt. Nach einer kurzen Untersuchung diagnostizierte der Straßenwachtfahrer Edwin Neiszer einen gerissenen Keilriemen, der eigentlich die Lichtmaschine antreiben soll. Ein klassischer Abnutzungsschaden.

Der Gelbe Engel versuchte es mit einem Ersatzkeilriemen, den er bei sich im Fahrzeug hatte. Dieser war aber zu lang für den alten LT. Der lange und eigentlich gut vorbereitete Besuch bei meiner Oma drohte sich in Luft aufzulösen.

Ich hätte verstanden, hätte mich der Gelbe Engel jetzt in eine Werkstatt abschleppen lassen. Das hätte für mich allerdings einen extremen Aufwand bedeutet. Ich hätte erst mit in die Werkstatt und von dort wieder zurück zum Flughafen fahren und einen Mietwagen nehmen müssen. All dies wäre mit einem hohen zeitlichen Einsatz, viel Geld, aber vor allem mit weiterem, direktem Kontakt mit anderen Menschen – und damit mit einem Infektionsrisiko – verbunden gewesen.

Aufgeben ist keine Lösung

Aber Edwin Neiszer entschied sich gegen das Abschleppen und gab nicht auf: Er wollte erst noch etwas anderes versuchen. Er rief alle seine Kollegen im Umkreis an und fragte, ob einer noch über einen der seltenen, passenden Keilriemen für einen 1988er-LT in seinem Wagen verfüge. Beides (das Nachfragen und das Vorhandensein des besonderen Keilriemens) sind keine Selbstverständlichkeiten.

Nach wenigen, spannenden Minuten meldete sich ein Kollege, und "mein" Gelber Engel machte sich auf den Weg, den passenden Keilriemen abzuholen. 20 Minuten später tauchten gleich zwei Straßenwachtfahrer bei meinem havarierten LT auf. Natürlich beide coronakonform mit Masken vor Mund und Nase.

Edwin Neiszer (links) und Raphael Schmialek (fürs Foto ohne Maske) retteten ein lang geplantes Weihnachtsfest. © ADAC

Kniend am Schacht

Inzwischen war es dunkel geworden, Regen hatte eingesetzt. Die Männer nahmen den harten Kampf bei widrigen Umständen auf, um den Keilriemen im engen und nur schlecht durch die Fahrerkabine erreichbaren Motorraum des LTs aufzuspannen.

Immerhin müssen Spannschrauben gelöst, die Lichtmaschine verschoben werden. Dann muss der neue Keilriemen eingefädelt und arretiert werden. Dabei darf das Zahnwerk nicht überbeansprucht werden. Die Männer vollzogen diese Operation von links und rechts kniend an der kleinen, schachtartigen Öffnung zwischen Fahrer- und Beifahrersitz. Sicher keine leichte Aufgabe.

Als untätiger Zuschauer verfolgte ich, wie die Gelben Engel sich abmühten. Mich beschlich ein zunehmend schlechtes Gewissen, weil ich zwei Menschen so lange für meine Zwecke einspannte. Der zweite Straßenwachtfahrer, Raphael Schmialek, hatte zudem schon Feierabend. Doch beide ADAC Mitarbeiter meinten einstimmig: "Das ist unser Job. Wir machen das gerne. Wir kriegen das hin."

Weg nach Freiburg

Gut zweieinhalb Stunden nach der Pannenmeldung röhrte der LT-Motor auf: Der Keilriemen saß fest und sicher auf den vorgesehenen Wellen, und der LT ließ sich von allein starten. Der Weihnachtsfeier mit meiner Oma in Freiburg stand nichts mehr im Wege.

In Freiburg angekommen, rief mich sogar noch der erste "meiner" Gelben Engel an und versicherte sich, dass ich gut angekommen war.

Ich war beeindruckt und berührt von der Fürsorge und Auffassung gegenüber dem eigenen Job. Das sind keine Selbstverständlichkeiten. Die beiden Gelben Engel erfüllten mit ihrem Verhalten all das, was ich als Unternehmensberater zuvor in meinem Seminar "Kundenorientierung" bei einer anderen Firma angeregt hatte –, und sie leben es in Praxis.

Seien Sie froh, solche Mitarbeiter in Ihren Reihen zu haben, die mit einer solchen Hingabe für den ADAC auf den Straßen Deutschlands unterwegs sind – bei Winter, Regenwetter und Corona.

Und daher schreibe ich Ihnen auch in dieser Ausführlichkeit, um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Danke!