Genickbruch auf Mallorca: ADAC fliegt 19-Jährigen nach Hause
Von Roman Breindl

Nach einem Kopfsprung in einen Pool wäre Max D. (19) beinahe querschnittsgelähmt gewesen. Der ADAC flog ihn mit Genickbruch nach Hause. Hier erzählt er seine Geschichte.
"Auf dem Rückweg zum Hotel kamen meine Fußballmannschaft und ich am Hotelpool vorbei. Ich wollte kurz reinspringen und mich erfrischen. Eine ganz dumme Idee. Denn der Pool war viel flacher, als ich gedacht hatte. Mein Kopf knallte in dem mit nur 60 Zentimetern Wasser gefüllten Becken auf den harten Poolboden.
Ich merkte sofort, dass etwas nicht stimmt: Das Wasser um mich herum färbte sich rot, ich blutete aus einer Kopfwunde. Leicht benommen konnte ich noch aus dem Pool klettern. Meine erschrockenen Freunde halfen mir dabei und leisteten sofort zusammen mit einem Rettungsschwimmer Erste Hilfe.
Relativ schnell kam ein Krankenwagen, der mich in eine Klinik in Palma brachte. Nach der intensiven Untersuchung bekam ich die furchtbare Diagnose: Genickbruch. Neben der Platzwunde, die ich mir zugezogen hatte, hatte ich mir zwei Halswirbel gebrochen, den ersten und den siebten.
Angst vor Querschnittslähmung
Das war ein Schock. Ich hatte Angst, dass ich querschnittsgelähmt bleiben würde. Auch meine Freunde waren geschockt. Zudem hatte die Klinik relativ schnell meine Eltern über die zunächst vermeintlich leichte Platzwunde am Kopf informiert. Dann aber rief die Klinik erneut bei meiner Familie in der Nähe von Lübeck an und erklärte die zweite, viel schlimmere Diagnose. Das war schon hart.
Ich wurde in Palma sofort operiert und der Halsbereich wurde stabilisiert. Immerhin hatte ich keine Verletzung des Rückenmarks. Die Ärzte sprachen von einem Riesenglück. Die ersten Tage bekam ich eine Halskrause. Inzwischen trage ich eine Art "Gips für den Kopf“, einen Halofixateur, der meinen Kopf und die Wirbelsäule stabilisiert, bis alles wieder zusammengewachsen ist.
Schock sitzt tief

Die Zeit nach dem Unfall war wirklich schwierig. Zwar war das Krankenhaus erstklassig. Ich hatte ein großes Einzelzimmer, in dem später sogar meine angereiste Mutter mit übernachten konnte. Aber die Angst und der Schock saßen tief. Dazu war die Verständigung schwierig, weil ich kein Spanisch spreche und das Personal oft kein Englisch. Da hat der ADAC Ambulanz-Service wirklich viel geholfen.
Wir hatten den ADAC schnell informiert. Die Ärzte in München ließen sich von den spanischen Kollegen berichten und gaben die Informationen und Entwicklungen umgehend an mich und meine Eltern weiter. Das war sehr beruhigend. Schnell machten die Münchner Ärzte auch klar, dass ich mit einem ADAC Ambulanz-Jet nach Hause geflogen würde, sobald ich flugfähig wäre.
ADAC Jet landet
Diese Bescheinigung, das Fit-to-fly-Zertifikat, bekam ich recht schnell, und zwei Tage später landete der ADAC Jet in Palma. Ein Krankenwagen brachte mich direkt auf das Flugfeld zum Jet. Als die deutsche medizinische Crew mich übernahm, war ich sehr erleichtert. Allein dass ich wieder mit Ärzten zu tun hatte, mit denen ich mich gut verständigen konnte, war toll.
Während des rund dreistündigen Flugs achtete das Personal auf meine Vitalwerte und sorgte dafür, dass es mir gut ging. In Lübeck warteten am Flughafen ein Krankenwagen, der mich nach Hause bringen sollte, und eine weitere Überraschung: Die Fahrer des Wagens kannten mich.
Ich hatte in den ersten Tagen unter anderem auf Anregung meiner Eltern hin Videos für Social Media gemacht. Darin erzähle ich meine Geschichte und warne vor solchen Aktionen, wie ich sie gemacht habe. Das ging viral. Jetzt bin ich ein bisschen bekannt.
Spezielles Bett
Zu Hause hatten meine Eltern alles gut vorbereitet. Mein Bruder musste sein Zimmer mit meinem tauschen. Das liegt im Dachgeschoss, und ich komme im Moment mit Treppen und Dachschrägen nicht so gut zurecht. Außerdem haben sie ein Bett mit verstellbarer Lehne organisiert.
Vielleicht wieder auf dem Platz

Ich liege jetzt viel, gucke Serien und bekomme Besuch von meinen Freunden. Es wird drei bis vier Monate dauern, bis die Wirbelsäule wieder richtig zusammengewachsen ist. Dann muss ich allmählich die Muskulatur wieder aufbauen. Wenn ich im Moment nichts machen kann, ist das natürlich ärgerlich, gerade jetzt im Sommer.
Aber diese Monate sind ja nichts im Vergleich zu dem Leben, das noch vor mir liegt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich wieder Fußball spielen kann. Das haben zumindest die spanischen Ärzte gesagt. Aber am Ende richte ich mich vor allem nach dem Rat der Ärzte."