Nach Hirnblutung in Norwegen: So half der ADAC

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Bisher hatte das Ehepaar Markgraf nur gute Erinnerungen an Norwegen
Bisher hatte das Ehepaar Markgraf nur gute Erinnerungen an Norwegen© Privat

Liegestütze wurden Dirk Markgraf im Norwegenurlaub fast zum Verhängnis. Wie seine Frau Dorit seine schwere Erkrankung und die Unterstützung durch den ADAC Ambulanz-Service erlebte, erzählt sie hier.

Alles ging ausgerechnet im Urlaub los: Wir waren im Sommer mit dem Wohnmobil zum 19ten Mal an unseren Sehnsuchtsort in Norwegen gefahren. In unserem Ferienhäuschen machte mein Mann wie immer seinen Frühsport: Kniebeugen und andere Übungen. Das ist ihm wichtig, er möchte fit bleiben, und dafür trainiert er häufig mehr als die meisten anderen.

Bei den Liegestützen muss es passiert sein. Dirk fasste sich auf einmal an den Kopf und hatte große Schmerzen. Erst dachten wir an einen eingeklemmten Nerv, in dem Moment haben wir seine Symptome noch nicht so ernst genommen. Auf die spätere Diagnose wären wir nie gekommen.

In den nächsten Tagen verging der Schmerz nicht, sondern kehrte immer wieder zurück, je nachdem, ob mein Mann stand, saß oder lag. Der Schmerz nahm sogar zu, schoss wellenartig in Dirks Kopf, bis er unerträglich wurde. Nach ein paar Tagen kam noch Schwindel dazu, dann folgte ständiges Erbrechen.

Spätestens da war klar: Mein Mann muss zum Arzt, also ins Krankenhaus. Für die Fahrt rief ich einen Krankenwagen. Die nächstgelegene Klinik war 50 Kilometer entfernt. Weil die Straßen in Norwegen meist anders sind als in Deutschland, entsprechen diese 50 Kilometer ungefähr der dreifachen Distanz auf deutschen Straßen. Das konnte und wollte ich nicht mit dem großen Wohnmobil fahren.

Geplatzte Ader im Kopf

Im Krankenhaus wurde mein Mann gut aufgenommen und gründlich untersucht. Die Ärzte machten unter anderem ein MRT und ein CT. Schnell stand fest, dass Dirk eine Hirnblutung erlitten hatte. Das muss man sich mal vorstellen: Die Liegestütze hatten ihn so angestrengt, dass im Kopf eine Ader geplatzt war.

Diese Diagnose war furchtbar. Wir haben eine Bekannte, die ebenfalls eine Hirnblutung hatte. Sie leidet bis heute unter Sprachstörungen und Bewegungseinschränkungen. Bei dem Gedanken, dass Dirk mit seinen 61 Jahren die gleichen Probleme haben würde, brach eine Welt für mich zusammen.

Allein in der Klinik

Die Ärzte waren jedoch zuversichtlich, dass mein Mann wieder gesund wird. Dafür sprach, dass es ihm gut ging – so lange er lag. Stand er auf, bekam er diese unerträglichen Kopfschmerzen. Daher blieb er erst mal zur Beobachtung im Krankenhaus.

Meinen Mann in diesem Zustand allein in der Klink zu lassen, weil dort für mich kein Platz war, war wirklich grausam. Denn ich wusste nicht, wie ich die Strecke zwischen Krankenhaus und Feriendomizil überwinden sollte. Zum Glück half unser Vermieter, den wir schon lange kennen. Er brachte mich in den folgenden Tagen zwei Mal zu Dirk, dafür war ich wirklich dankbar. Die restliche Zeit überbrückten wir mit Telefonaten.

19 Mal waren Dirk und Dorit Markgraf schon in Norwegen, in diesem Sommer geht es wieder in den Norden © Privat

Als ich allein in unser Ferienhaus zurückkam, funktionierte ich nur noch. Wir sind ADAC PlusMitglieder, daher googelte ich den Club und bat um Hilfe. Sofort bekam ich Kontakt zum ADAC Ambulanz-Service. Die Unterstützung durch die Deutsch und Norwegisch sprechenden Ärzte des ADAC war großartig und tat mir wirklich gut. Sie hielten den Kontakt zu mir, meinem Mann und natürlich den Ärzten in der Klinik. Bis dahin hatten wir mit den Ärzten über eine Übersetzungs-App "gesprochen". Das ging, aber die Unterstützung durch den Ambulanz-Service war viel besser. Das half Dirk und mir sehr.

Bald kam die nächste schwere Entscheidung für mich: Ich musste aus dem Ferienhaus raus, das Wohnmobil abgeben, und die Fähre war auch gebucht. Deshalb kam mein Sohn eingeflogen, der mich und das Wohnmobil zurück nach Bad Freienwalde in der Nähe von Berlin brachte. Diesen Flug hat der ADAC bezahlt.

Heimflug mit deutscher Ärztin

Mein Mann bekam im Krankenhaus inzwischen vor allem Tabletten, damit die Schwellung im Kopf zurück geht. Es war für alle klar, sobald er transportfähig sein würde, wollten wir ihn nach Hause holen. Das dauerte insgesamt zehn Tage. Der Standard in diesem Krankenhaus war etwas einfacher als der in Deutschland, aber Dirk konnte es dort gut aushalten.

Als die Ärzte in Absprache mit den deutschen Kollegen des ADAC sicher waren, dass mein Mann den Heimtransport schaffen würde, konnte er mit dem Taxi zum nächsten Flughafen in Arlesund fahren. Dort übernahm ihn eine deutsche Ärztin, die der ADAC dorthin geschickt hatte. Dirk erzählte mir später, dass die junge Frau die Ruhe selbst war und sehr nett.

Als Patient wurde er im Rollstuhl und als erster auf seinen Platz in der vordersten Reihe des Flugzeugs begleitet. Nach einem kurzen Umweg über Amsterdam stiegen er und die Ärztin nach dem vom ADAC bezahlten Linienflug in Berlin als letzte aus dem Flugzeug. Alles immer in großer Ruhe und mit Rollstuhl, mein Mann sollte sich ja nicht anstrengen.

Wieder nach Norwegen

Schließlich endete Dirks ungewöhnliche, betreute Rückreise im Krankenhaus in Eberswalde, nicht weit von unserem Wohnort. Dort wurde er wieder untersucht und kurze Zeit später entlassen. Einige Wochen danach gab es zur Sicherheit noch mal Checks. Die bestätigten, das alles wieder in Ordnung ist. Es blieben nicht einmal Narben im Kopf, die geplatzte Ader muss sich sehr schnell wieder geschlossen haben.

Seinen Sport macht mein Mann inzwischen wieder, aber nicht mehr ganz so viel wie früher. Und nach Norwegen fahren wir im Sommer auch wieder.