Bei Anruf Hilfe: Gelber Engel spendet Knochenmark
Von Roman Breindl

Als ADAC Straßenwachtfahrer ist Mert es seit 2023 gewohnt, Menschen in schwierigen Situationen zu helfen. Doch der Hilferuf, der ihn Ende Juli erreichte, war selbst für den erfahrenen Gelben Engel außergewöhnlich.
Was zunächst wie eine kurze Nachricht der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) klang, entwickelte sich schnell zu etwas, das für einen anderen Menschen über Leben und Tod entscheiden sollte. Ein Jahr zuvor hatte der ADAC mit der Aktion "Bitte helft!" in der ADAC Straßenwacht zur Stammzellenspende aufgerufen. Hintergrund waren schwer erkrankte Kollegen aus den Reihen der Straßenwacht.
Die Resonanz war überwältigend, etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ließen sich typisieren. Auch Mert machte damals mit. Ein kleiner Wangenabstrich, nur wenige Minuten Aufwand. Mehr nicht.
DKMS ruft an
Dann vergingen Monate. Bis zu jenem Tag im Sommer. Die Nachricht der DKMS: Mert könnte als Stammzellenspender für einen an Leukämie schwer erkrankten Menschen infrage kommen. Irgendwo wartete ein Mensch auf seine vielleicht letzte Chance. Jemand, bei dem die Chemotherapien nicht mehr ausreichend halfen. Jemand, dessen Hoffnung nun von einem genetischen Zufall abhing.
Mert als idealer Spender
Doch zunächst musste geprüft werden, ob Mert tatsächlich der passende Spender war. Eine Blutuntersuchung sollte bestätigen, ob die Gewebemerkmale exakt übereinstimmen. Es folgten Tage des Wartens. Würde er wirklich helfen können?
Dann kam die Bestätigung: Die Werte passten. Mert war der ideale Spender. Während er auf seinen Termin vorbereitet wurde, begann für den unbekannten Empfänger bereits ein besonders kritischer Abschnitt.
Durch eine intensive Behandlung wurde das kranke Knochenmark des Empfängers zerstört – ein notwendiger, aber risikoreicher Schritt, denn erst dadurch konnten später die neuen, gesunden Stammzellen von Mert ihre lebensrettende Arbeit aufnehmen.
Hilfe in der Klinik
Für den Gelben Engel gab es nun kein Zurück mehr. Fünf Tage lang erhielt er spezielle Spritzen, die seinen Körper anregten, vermehrt Stammzellen zu produzieren. Das Ziel: Sein Körper sollte möglichst viele gesunde Stammzellen für die bevorstehende Spende erzeugen.
Dann kam der entscheidende Tag in einer Klinik. Dort wurden ihm die Stammzellen in einer rund dreistündigen Apherese entnommen. Dieses Verfahren ähnelt einer Blutspende: Das Blut des Spenders wird über eine Maschine geleitet, die die benötigten Stammzellen herausfiltert. Der Rest fließt zurück in den Körper. Für Mert eine folgenlose Behandlung, nach der er sich nur ein bisschen müde fühlte.
Als Vater geholfen
Für Mert vergingen die Stunden ruhig. Doch für den unbekannten Empfänger bedeutete dieser Moment alles. Die gespendeten Stammzellen sollten nun anwachsen und ein gesundes neues Blutsystem bilden. Ob das Verfahren angeschlagen hat oder wer die Empfängerin oder der Empfänger ist, bleibt geheim.
Für Mert bleibt die Gewissheit, dass er geholfen hat. "Als Vater zweier Kinder ermöglichte ich mit meiner Spende vielleicht einem anderen Vater, weiter für seine Kinder da zu sein – das war Motivation genug!"
Mert schenkte einem anderen Menschen Hoffnung und vielleicht sogar ein neues Leben. Das zeigt, worum es bei der ADAC Aktion ging. Manchmal beginnt Hilfe mit einem Wangenabstrich.