Herzinfarkt in Südfrankreich: ADAC fliegt Urlauber nach Hause
Von Roman Breindl

Einmal im Jahr fährt Malte L. in die einsame Hochprovence. Diesmal hätte sein Urlaub wegen eines Herzinfarktes fast ein verhängnisvolles Ende genommen. Wie der ADAC ihm half, erzählt Malte L. hier.
"Jedes Jahr im Spätsommer fahre ich zwei Wochen in ein kleines Haus auf einem einsam gelegenen Gehöft bei Vachères, einem Dörfchen zwischen Provence und Alpen. An einem der ersten Urlaubstage dort spürte ich typische Herzinfarkt-Symptome: Ein Ziehen in der Brust, das in den linken Unterarm ausstrahlt. Zum Glück verschwanden die Beschwerden wieder. Einem Ausflug nach Avignon schien nichts im Wege zu stehen.
Allein über Bergstraßen
In Avignon traten die Symptome abermals auf – und da sie diesmal nicht verschwanden, nahm ich den Bus zurück in das Städtchen, wo mein Wagen parkte, und fuhr zurück zu meinem Haus. Das Engegefühl blieb. Abwarten und auf Besserung hoffen war keine Option mehr. Da die Nachbarn nicht zu Hause waren, musste ich mit meinem Wagen allein über schmale Bergstraßen 40 Kilometer ins nächstgelegene Krankenhaus nach Manosque fahren.
Notruf-Nummer 112
Was ich nicht wusste: in Frankreich hat man nur Zugang zur Notaufnahme, wenn man sich über die Rufnummer 15 telefonisch angemeldet hat. Die 15 aber ist für deutsche Handys nicht erreichbar. Erst als mir eine nette Französin ihr Handy anbot, konnte ich mich für den Service des Urgences anmelden. Mittlerweile weiß ich: statt der 15 hätte auch die einheitliche europäische Rufnummer 112 funktioniert.
Herzinfarkt und Schlaganfälle
Die Untersuchungen bestätigten den Herzinfarkt. Noch am späten Abend wurde ich auf eine Intensivstation im fast eine Autostunde entfernten Aix-en-Provence verlegt, wo ich sofort behandelt und die weitere Diagnostik geplant wurde.
Vor einer Herzkatheter-Untersuchung hatte ich eine Visusstörung: Für ein paar Minuten sahen meine Augen nur noch schwarz-weiße Karos im linken Gesichtsfeld und Farbverläufe im rechten. Erst dann stellte sich das normale Sehen wieder ein. Das schnell angesetzte MRT war eindeutig: Zum Herzinfarkt waren kleine Schlaganfälle hinzugekommen. Die Medikation musste ergänzt werden.
Mitarbeiter am Telefon
Die Herzkatheter-Untersuchung zeigte das Ausmaß der Gefäßverengungen. In einem minimalinvasiven Eingriff wurden mir Stents implantiert, die mich retteten. Aber wie würde ich nach der Behandlung nach Hause kommen?
Ich hatte zufällig vor dem Urlaub einen Blick in die Unterlagen meiner ADAC-Plus-Mitgliedschaft geworfen und war dort auf das Stichwort "Krankenrücktransport" gestoßen. Noch von der Intensivstation aus rief ich beim ADAC Ambulanz-Service an. Ich hatte befürchtet, in einer langen Warteschlange zu stranden. Aber schon nach wenigen Augenblicken war ich mit einem Mitarbeiter verbunden.
Gespür für Patienten

Das Gespräch war wohltuend. Mein Gesprächspartner nahm sich Zeit, hörte aufmerksam zu, ordnete Medizinisches sachkundig ein, beruhigte, sprach Mut zu, war freundlich und geduldig zugewandt, informierte, bis die letzte Frage zum weiteren Vorgehen geklärt war. Er zeigte Gespür für das, was einem Patienten in meiner Lage guttat.
Das Telefonat dauerte rund 90 Minuten und vermittelte mir das sichere Gefühl, beim ADAC gut aufgehoben zu sein. In den Tagen auf der Intensivstation folgten mehrere ausführliche Telefonate – mit meinem Ansprechpartner im Ambulanz-Service, mit einer Flugärztin und gemeinsam mit den ADAC Ärzten und deren französischen Kollegen.
Schnell erkannte ich, dass ich nicht in mein Ferienhaus zurückkehren konnte. Stattdessen würde ich mit dem ADAC Ambulanz-Jet unter ärztlicher Begleitung ausgeflogen und zu Hause in eine Fachklinik aufgenommen werden. Den Platz dort hatte der ADAC organisiert.
Am Flughafen: Vom Team erwartet
Nach zwölf Tagen im Krankenhaus von Aix-en-Provence war ich "fit to fly". Ein vom Ambulanz-Service organisierter Krankenwagen brachte mich aufs Rollfeld des Flughafens Marseille Provence, wo ich vom ADAC Ambulanz-Jet und einem medizinischen Team erwartet wurde. Das Team begleitete mich während des Fluges – ruhig, souverän, versiert, mit viel Menschlichkeit.
Vom Lübecker Flughafen ging es mit einem wartenden Krankenwagen ins Herzzentrum nach Bad Segeberg. Nach einer Nacht in der Chest Pain Unit und einigen Tagen auf der Regelstation wechselte ich im gleichen Haus in eine dreiwöchige stationäre Reha.
"Wir kümmern uns!"
Allerdings hatte ich mein Auto ja in Manosque geparkt und mein Gepäck lag im Ferienhaus. Während ich im Krankenhaus von Aix-en-Provence lag, holten die Nachbarn den Wagen zurück nach Vachères und verstauten mein Gepäck im Kofferraum. Am Tag meines Fluges mit dem Ambulanz-Jet nach Deutschland übernahmen zwei ADAC Ersatzfahrer den Wagen und steuerten ihn zurück bis nach Hause an die Ostsee.
"Wir kümmern uns um alles. Sie müssen sich um nichts kümmern – außer darum, wieder gesund werden zu wollen." Das hatte mir der Mitarbeiter vom Ambulanz-Service gesagt. Und ja, der ADAC hat sich um wirklich alles gekümmert. Kompetent, ruhig und mit großer menschlicher Verbindlichkeit. Mir ist im Spätsommer zwar ein Urlaub genommen worden. Aber das Leben ist mir erhalten geblieben."