Achillessehnenriss in Ägypten: Happy End dank ADAC

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Nach einem Unfall im Ägypten-Urlaub wird alles noch schlimmer: Ungesicherte Sauerstoffflaschen fallen Birgit Hoffmann im Krankenwagen in den Rücken, die Trage ist nicht arretiert, sie muss ihren verletzten, geschwollenen Fuß selbst schützen. Dazu hat es gut 40 Grad im Wagen, und die Fahrt in die Klinik dauert fast eine Dreiviertelstunde. Für ein Happy End sorgt schließlich der ADAC.

Der Urlaub mit meiner Tochter in einem Hotel im ägyptischen Hurghada hatte schön begonnen: Am Montagabend schauten wir uns eine Show im Hotel an. Am Ende der Vorführung aber stand ich auf – und knickte mit dem Fuß um. Ein stechender Schmerz fuhr durch mein Bein, ich hörte einen Knall, wie ein Peitschenhieb in der Zirkusmanege. Dann lag ich auf dem Boden und konnte das Bein nicht mehr bewegen.

Tochter Jana und Birgit Hofmann trotzen ägyptischen Ärzten © privat

Der Hotelarzt verständigte den Rettungswagen, der leider schlecht gesichert war. Der Wagen brachte mich in eine Privatklinik. Mit der Diagnose – Riss der Achillessehne – begann ein 24-Stunden-Horror. Zwar untersuchten mich die Ärzte noch in der Nacht, aber es gab keinen Dolmetscher. Ich verstehe Englisch zwar sehr gut, aber für Antworten oder Fragen musste ich meine Vokabeln mühsam zusammensuchen. Immerhin wurde mir klar, dass die Ärzte mich sofort operieren wollten. Sie verwiesen auf ihren hohen, europäischen Standard. Eine Operation in Ägypten wollte ich aber nicht.

Beim MRT vergessen

Das Krankenhaus war vielleicht gut, aber es wirkte auf mich wie aus den 1970er-Jahren: Statt Tupfern wurden Mullbinden verwendet, das Blut mit Glasspritzen abgenommen und für die Untersuchungen umgefüllt. Im eiskalten MRT-Raum vergaß mich das Personal, ich hatte keine Decke und lag lange festgeschnallt auf der Trage. Auf mein Rufen reagierte niemand. Das war schlimm, ich fühlte mich sehr hilflos. Ich wollte nur noch zurück nach Deutschland.

„Fit to fly“-Bescheinigung fehlte

Der Arzt redete später intensiv auf mich ein, dass mein Zustand ohne die OP schlimmer werden würde. Dann erklärte er mir, dass ich nicht nach Hause fliegen könne, weil er mir unoperiert keine „Fit to fly“-Bescheinigung ausstellen könne. Diese Bescheinigung ist eine Art Haftungsausschluss, falls das Flugzeug wegen mir notlanden muss. Dieses Zertifikat und damit das Rückflugticket bekäme ich nur nach einer Operation.

Inzwischen erreichte ich meinen Mann im 4500 Kilometer entfernten Deutschland. Er spricht fließend Englisch und konnte mit den Ärzten besser verhandeln als ich. Meine Tochter unterstützte mich ebenfalls nach Kräften, war aber mit ihren 21 Jahren einer so schwierigen Situation kaum gewachsen. Deshalb rief ich den ADAC Ambulanz-Service in München an. Ich bin ADAC Plus-Mitglied und habe den ADAC Auslandskrankenschutz.

Die Last fällt von den Schultern

Als ich die Ärzte dort erreichte, fiel mir eine Last von den Schultern, das kann ich immer noch gar nicht in Worte fassen. Der ADAC bestätigte mir, dass ich in Deutschland operiert werden könne. Die Ärzte des Ambulanz-Service würden mit den ägyptischen Kollegen Kontakt aufnehmen. Inzwischen fühlte ich mich in der Klinik in Hurghada wie eingesperrt. Ich hatte nur wenig telefonischen Kontakt, konnte nicht aus meinem Zimmer, weil ich weder Krücken noch einen Rollstuhl bekam.

Immer wieder kam Personal in mein Zimmer, mal ein Orthopäde, mal ein Anästhesist, mal eine Krankenschwester, die fast schon drohten: „Ich bereite Sie jetzt für die Operation vor!“ Gleich darauf erklärte mir ein Arzt, wie wichtig es sei, jetzt zu operieren, dass er invasiv vorgehen und zur Reparatur der Sehne eine Stück Sehne aus dem großen Zeh entnehmen werde. Ziemlich haarsträubend, wie sich später in Deutschland rausstellte.

Medikamente verweigert

Jeden dieser Versuche lehnte ich strikt ab. Die Ärzte machten mir regelrecht Angst, auch immer wieder mit der „Fit to Fly“-Bescheinigung. Meine Antwort lautete dennoch stets Nein. Je öfter man mich zur Operation drängen wollte, desto energischer wurde ich. Zwischendrin sollte ich Medikamente nehmen, die ich verweigerte. Ich fürchtete einfach, dass ich einschlafe und operiert aufwache. Meine Tochter brachte mir etwas zu essen, und ich stützte mich auf das Argument: „Mit vollem Magen können Sie mich nicht operieren!“

Endlich nach Hause

Nach vielen Diskussionen geht es endlich mit hochgelagertem Bein nach Hause © privat

Immer wieder beruhigten mich die ADAC Ärzte aus Deutschland, die gegenüber dem ägyptischen Krankenhaus ebenfalls immer energischer auftraten. Erleichtert hörte ich: „Wir holen Sie da schon raus.“ Einmal telefonierte ich gerade mit dem Ambulanz-Service, als wieder ein Arzt in mein Zimmer kam. Er behauptete, er habe mit den ADAC Kollegen gesprochen und werde mich jetzt operieren. Da stellte ich das Telefon auf laut, und er konnte sich die wahre Meinung des ADAC anhören. Ich war so froh, dass ich den Rückhalt des ADAC hatte. Nach fast 24 Stunden kehrte dann allmählich Ruhe ein, nach einigem Hin und Her stand tatsächlich die Entlassung an. Die „Fit to Fly“-Bescheinigung stellte mir übrigens der ADAC aus.

Die folgende Nacht verbrachte ich im barrierefreien Hotel. Am Donnerstag flog ich endlich – das Beim hochgelagert– nach Hause. In Düsseldorf wartete ein Krankenwagen, der mich in eine Klinik brachte. Frühmorgens bekam ich ein Zimmer, kurze Zeit später erfolgte die Operation. Heute gehe ich noch auf Krücken. Es wird wohl ein gutes Jahr dauern, bis ich das Bein voll belasten kann.

Ohne die Hilfe über die Plus-Mitgliedschaft und den Krankenauslandsschutz des ADAC weiß ich nicht, wie die Sache ausgegangen wäre.

Erzählt uns eure Geschichte!

Ist es euch schon mal ähnlich ergangen? Haben euch die Gelben Engel in einer Notsituation geholfen? Erzählt uns davon!