Reanimation: Schnell handeln und Leben retten

• Lesezeit: 4 Min.

Von Anna Besson, Tanja Echter

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Mann gibt Erste Hilfe
Prüfen, rufen, drücken: Im Ernstfall zählt jede Minute© iStock.com/bymandesigns

Im Notfall kann Erste Hilfe mit einer Reanimation Leben retten. Warum Sie keine Angst davor haben müssen, etwas falsch zu machen.

  • Die ersten Minuten sind entscheidend

  • Das einzig Falsche ist, nichts zu tun

  • Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig auffrischen

Reanimation: Kann man etwas falsch machen?

Die Angst, dass ein Mensch, der nicht mehr atmet, durch "falsches" Handeln bei einer Reanimation verstirbt, ist unbegründet. Ein Atemstillstand ist bereits ein Worst-Case-Szenario. Nur Nichtstun ist in einer Notfallsituation falsch. Eine Reanimation kann den Zustand der betroffenen Person nur verbessern.

Wenn Sie handeln, steigt die Chance, dass die Person gerettet wird. Die ersten Minuten sind bei einem medizinischen Notfall häufig entscheidend für den Erfolg von Erstversorgung und weiterer Behandlung. Vor allem bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Wer eine verunglückte oder bewusstlose Person auffindet, sollte deshalb rasch reagieren. Mit jeder verstrichenen Minute verschlechtert sich ihre Überlebenschance.

Damit Sie im Ernstfall wissen, was zu tun ist: Frischen Sie regelmäßig Ihre Kenntnisse zur Reanimation auf – wer weiß, wann Sie sie das nächste Mal brauchen.

Bevor Sie handeln: Schließen Sie aus, dass Sie sich und/oder andere gefährden, insbesondere bei einem Verkehrsunfall.

Erste Hilfe: Prüfen, rufen, drücken

  • Prüfen Sie den Zustand und die Vitalzeichen: Reagiert die Person auf lautes Ansprechen? Reagiert sie auf Rütteln an der Schulter?

  • Wenn die Person nicht reagiert, rufen Sie sofort den Rettungsdienst (112, europaweit). Prüfen Sie die Atmung, mit telefonischer Unterstützung der Rettungsleitstelle (Telefon auf Lautsprecher stellen).

  • Atemkontrolle: Legen Sie den Kopf der Person in den Nacken, indem Sie das Kinn anheben. Prüfen Sie, ob der Brustkorb sich hebt und senkt. Lauschen Sie nach Atemgeräuschen, indem Sie Ihr Ohr über Mund und Nase der Person halten. Achten Sie dabei auch auf einen Luftstrom an Ihrer Wange.

  • Die Mitarbeiter der Leitstelle führen durch das Gespräch, stellen relevante Fragen und leiten die Maßnahmen zur Ersten Hilfe an. Sie beenden auch das Gespräch, legen Sie als Anrufender nicht selbst auf.

  • Halten Sie für das Gespräch Antworten auf folgende Fragen bereit (soweit möglich): Wo hat sich der Unfall ereignet? Was ist passiert? Wie viele Menschen sind betroffen? Welche Verletzung/Erkrankung liegt vor? Warten Sie auf Rückfragen der Leitstelle!

  • Bei einem Unfall mit Gefahrgut: Weisen Sie beim Anruf darauf hin!

  • Finden Sie einen Menschen bewusstlos auf, sollte er in die Seitenlage gebracht werden.

  • Bei einem Verkehrsunfall sollten Sie die Unfallstelle zunächst absichern

Lebensrettende Daten: Der ADAC Notfallpass

Ein Notfallpass kann den Rettungskräften im Ernstfall entscheidende Informationen liefern. Im ADAC Notfallpass liegen alle Daten sicher verschlüsselt in der Wallet-App auf dem Smartphone. Er ist bereits in den Großteil der Rettungskette integriert und kann von den Rettungskräften ausgelesen werden.

Wiederbelebung durchführen

Ist die Person bewusstlos und atmet nicht oder nicht normal, muss mit der Reanimation (Herz-Lungen-Wiederbelebung) begonnen werden. Wenn Sie noch keinen Notruf abgesetzt haben, tun Sie das vor Beginn der Wiederbelebung bzw. veranlassen Sie dies.

So funktioniert eine Reanimation bei Erwachsenen:

Erste Hilfe Reanimieren
Reanimation bei einem Erwachsenen© ADAC e.V.
  • Knien Sie sich neben die Person, in Höhe ihres Brustkorbs, platzieren Sie Ihre übereinanderliegenden Handballen in der Mitte des Brustkorbs der betroffenen Person

  • Führen Sie 30 Herzdruckmassagen durch. Drücken Sie dazu das Brustbein mit gestreckten Armen schnell und kräftig fünf bis sechs Zentimeter nach unten und entlasten Sie es nach jedem Druckstoß wieder vollständig

  • Wenn Sie es sich zutrauen, können Sie jeweils nach 30 Herzdruckmassagen zweimal beatmen. Wenn nicht, drücken Sie durchgehend weiter (Frequenz 100-120 pro Minute). Für die Beatmung machen Sie die Atemwege des betroffenen Menschen frei, indem Sie seinen Kopf nach hinten neigen und gleichzeitig sein Kinn anheben. Halten Sie die Nase der oder des Betroffenen zu und öffnen Sie seinen Mund (bei angehobenem Kinn). Atmen Sie ein und legen Sie Ihre Lippen dicht um den Mund der Person. Geben Sie anschließend für eine Sekunde gleichmäßig eine Atemspende, sodass sich der Brustkorb der Person hebt. Wiederholen Sie den Vorgang, wenn sich der Brustkorb wieder gesenkt hat

  • Führen Sie die Reanimation (nur Herzdruckmassage oder 30-mal Herzdruckmassage und zwei Beatmungsversuche) so lange fort, bis professionelle Helfer übernehmen oder der Betroffene wieder normal atmet. Es kann helfen, den Rhythmus der Herz-Druck-Massage an einem Lied wie "Stayin’alive", "I will survive" oder "Atemlos" zu orientieren. Wichtig ist, dass Sie nach jedem Druck den Brustkorb vollständig wieder entlasten, sonst ist die Herzmassage nicht zielführend. Belassen Sie dabei Ihre Hände aber dort, wo sie sind. Zählen Sie am besten laut mit.

  • Steht ein automatisierter externer Defibrillator (AED) zur Verfügung, lassen Sie diesen von einem weiteren Helfenden zum Unfallort holen. Der Beginn der Wiederbelebungsmaßnahmen darf durch die Suche nach einem AED nicht verzögert werden. Schalten Sie das Gerät an und folgen Sie den Anweisungen.

ADAC Position und Empfehlungen

Dem ADAC ist es ein wichtiges Anliegen, Erste-Hilfe-Kenntnisse in der Bevölkerung und hier insbesondere der Kraftfahrer zu verbessern. Dadurch sollen Unsicherheiten und Hemmungen im Ernstfall genommen und die Bereitschaft zur Hilfeleistung gestärkt werden.

Der ADAC unterstützt mit seinen zahlreichen Maßnahmen eine regelmäßige Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse auf freiwilliger Basis. Wie die ADAC Stiftung mit der Studie Monitor Reanimation 2025 ermittelt hat, findet das viel zu selten statt: Nur acht Prozent der Menschen in Deutschland haben innerhalb des letzten halben Jahres ein solches Training absolviert.

In diesem Zusammenhang sollten gezielt Projekte gefördert werden, die schon im Kindes- und Jugendalter ein Bewusstsein für die Bedeutung der Ersten Hilfe schaffen und die grundlegenden, einfach durchzuführenden Maßnahmen vermitteln. Die ADAC Stiftung setzt sich dafür ein, Reanimationstraining an weiterführenden Schulen zu einer verpflichtenden Unterrichtseinheit zu machen, was wiederum 80 Prozent der Menschen in Deutschland befürworten.

Im Monitor Reanimation 2025 bewertet die ADAC Stiftung positiv, dass die Anzahl an smartphonebasierten Ersthelfer-Alarmsystemen zunimmt. Geht ein Notruf bei der Leitstelle ein, können neben dem Rettungsdienst auf diese Weise auch Ersthelfende alarmiert werden, die sich in der Nähe des Einsatzortes aufhalten.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert. Alle Angaben erfolgen dennoch ohne Gewähr.