Müssen Diesel noch vorglühen?

9.5.19

Erinnern Sie sich an das Vorglühen bei Dieselmotoren, auch bekannt als "Rudolf-Diesel-Gedenkminute"? Fahrer eines Wagens mit Dieselmotor merken heutzutage beim Anlassen kaum einen Unterschied zum Benziner. Doch das Vorglühen ist kein Relikt vergangener Tage. Dieser Vorgang ist immer noch nötig, geschieht aber weitgehend unbemerkt.

Diesel vorgluehen Zündschlüssel Start Auto
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Ins Auto steigen, den Schlüssel umdrehen und direkt losfahren – bei einem Diesel war das in früheren Zeiten undenkbar. Denn vor allem bei eisigen Außentemperaturen musste der Selbstzünder erst einige Minuten vorglühen. Bis in die Achtzigerjahre besaßen Fahrzeuge mit Dieselmotor deshalb häufig noch einen Knopf an der Armatur, den es herauszuziehen galt, um das Vorglühen des Motors in Gang zu setzen. Später musste dann der Zündschlüssel in eine bestimmte Stellung gebracht werden bis eine Kontrollleuchte signalisierte, dass der Heizstand erreicht war. Zum Leidwesen des Fahrers konnte das gut und gerne eine Minute dauern – die berühmte “Rudolf-Diesel-Gedenkminute”.

Wie es heute ist

Moderne Dieselfahrzeuge sind deutlich praktischer. Oft wird das Vorglühen bereits beim Öffnen der Tür oder beim Einstecken des Zündschlüssels automatisch in Gang gesetzt. Die heute fast ausschließlich verwendeten Dieselmotoren mit Direkteinspritzung müssen deshalb nur noch bei tiefen Temperaturen kurz vorglühen. Zudem erreichen moderne Glühkerzen die gewünschten Temperaturen viel schneller als die vor einigen Jahrzehnten. Die Verzögerungen beim Startvorgang gibt es kaum noch.

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Vorglühlampe blinkt: Was tun?

Wenn die Vorglühlampe dauerhaft blinkt, liegt ein Defekt vor, der unterschiedliche Ursachen haben kann, z.B. ein Problem in der Abgasrückführung, ein verstopfter Partikelfilter oder defekte Bremsleuchten. Suchen Sie möglichst schnell eine Werkstatt auf!

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Diesel vorgluehen Spirale Dashboard
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Wie funktionieren Benzin- und Dieselmotoren?

Diesel müssen vorglühen, Benziner nicht. Grund dafür ist der unterschiedliche Startvorgang von Benzin- und Dieselmotoren. Bei Dieselmotoren wird der Verbrennungsvorgang nicht wie beim Ottomotor durch einen Funken eingeleitet, sondern durch Selbstzündung aufgrund der Verdichtungswärme.

Startvorgang beim Benziner

Benziner besitzen Zündkerzen, die bei jedem Arbeitstakt einen Funken erzeugen. Er entzündet das leicht brennbare Benzin-Luft-Gemisch innerhalb der Brennkammern. Beim Startvorgang dreht der Anlasser den Motor kurz an und die Verbrennung wird durch die Zündkerzen sofort in Gang gesetzt, wodurch der Motor schnell von selbst zu laufen beginnt.

Startvorgang beim Diesel

Selbstzünder benötigen hingegen – wie der Name vermuten lässt – keinen Zündfunken. Stattdessen verdichtet der Dieselmotor das Kraftstoff-Luft-Gemisch so stark, dass es sich durch die sogenannte Verdichtungswärme aufheizt. Beim Startvorgang dreht der Anlasser den Motor an. Bei einer Temperatur von etwa 900 °Celsius erfolgt schließlich die Zündung und der Diesel startet. Bei niedrigen Außentemperaturen braucht das Gemisch länger, um sich aufzuheizen und zu entzünden. Um diesen Prozess zu beschleunigen, verfügen Dieselmotoren über elektrisch betriebene Glühkerzen. Sie ragen in den Zylinder hinein und heizen sich für den Startvorgang durch einen geringen Stromfluss auf. Das sorgt dafür, dass der Punkt der Selbstzündung schneller erreicht ist. Sobald der Motor warm genug ist, wird die Vorglühlampe nicht mehr verwendet.

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