Handy am Steuer: Tödliche Gefahr im Straßenverkehr

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Von Kati Thielitz

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Eine Frau telefoniert mit ihrem Handy während sie Auto fährt
Ablenkung durch Smartphones bleibt eines der größten Sicherheitsprobleme auf Deutschlands Straßen© iStock.com/EmirMemedovski

Was harmlos wirkt, ist im Straßenverkehr brandgefährlich: Neue Zahlen des ADAC machen deutlich, wie verbreitet die Handynutzung am Steuer ist – trotz Bußgeld, Punkten und großem Risiko.

  • Verkehrsbeobachtung: Handyverstöße bei knapp 3 Prozent der Kfz-Fahrenden

  • Hochrechnung: 1 Milliarde Kfz-Handyverstöße in Deutschland im Jahr

  • Umfrage: Mehrheit befürwortet Handy-Blitzer

Ein kurzer Anruf, eine schnelle Nachricht während der Fahrt – und schon ist man nur noch halb bei der Sache. Wer am Steuer zum Handy greift, riskiert nicht nur ein Bußgeld und Punkte in Flensburg, sondern bringt sich und andere Verkehrsteilnehmende in Gefahr. Die Polizei registriert jährlich rund 400.000 Handyverstöße. Dass die Dunkelziffer noch weit höher sein muss, zeigt eine aktuelle Verkehrsbeobachtung des ADAC.

Handy am Steuer bei 3 von 100 Kfz-Fahrenden

In den fünf größten Städten Deutschlands – Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main – beobachtete der ADAC insgesamt 9573 Kraftfahrzeuge. Ergebnis: 2,7 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer begingen einen Handyverstoß. Bei Autofahrenden lag der Anteil sogar bei 2,8 Prozent, bei Radfahrenden bei 1,4 Prozent von 9239 Beobachteten (inklusive E-Bike und E-Scooter).

Ein Mann schaut während der Autofahrt auf sein Handy
Wer mit Handy am Steuer erwischt wird, muss mindestens ein Bußgeld von 100 Euro bezahlen und kassiert mindestens einen Punkt in Flensburg© Shutterstock/Tero Vesalainen

Auffällig: Die meisten halten ihr Smartphone in der Hand, während Telefonate am Ohr zur Ausnahme geworden sind. Etwas häufiger wurden Verstöße bei Lieferwagenfahrenden festgestellt (3,3 Prozent), während Lkw- und Busfahrende mit 1,9 Prozent darunter lagen.

In 50 Stunden Beobachtungszeit zählte der ADAC 387 Verstöße – davon 262 bei Kfz-Fahrenden und 125 bei Radfahrenden. Hochgerechnet auf das gesamte Verkehrsgeschehen in Deutschland ergibt sich eine alarmierende Größenordnung: etwa eine Milliarde Kfz-Handyverstöße pro Jahr.

Jeder zweite Autofahrende ist Handysünder

Eine ergänzende bundesweite ADAC Umfrage bestätigt das Bild: Mehr als die Hälfte der Autofahrenden gibt an, schon einmal während der Fahrt das Handy genutzt zu haben. Auch bei anderen Verkehrsmitteln kommt es zu Verstößen – wenn auch seltener: 36 Prozent beim Fahrrad, 31 Prozent beim E-Bike, 29 Prozent beim E-Scooter und 14 Prozent beim Motorrad bzw. Motorroller oder Mofa.

Dabei ist den Befragten das Risiko bewusst. Ein Teil berichtet sogar von gefährlichen Situationen infolge der Handynutzung.

Mehrheit befürwortet Handy-Blitzer

Handyblitzer auf einer Autobahn in Rheinland-Pfalz
System aus den Niederlanden: Handy-Blitzer auf einer Autobahnbrücke in Rheinland-Pfalz © imago images/Einsatz-Report24

Um Verstöße besser ahnden zu können, befürworten 69 Prozent der Bevölkerung den Einsatz von Handy-Blitzern. Dabei handelt es sich um Kameras, die mithilfe künstlicher Intelligenz eine verbotene Handynutzung erkennen und fotografieren. In Deutschland sind solche Systeme bislang nur in Rheinland-Pfalz im Einsatz, während sie in den Niederlanden bereits regulär genutzt werden. Ziel ist eine deutlich höhere Verkehrssicherheit durch mehr Kontrolle.

Gefährlicher Blindflug: Hände weg vom Handy!

Fachleute warnen, dass Autofahrer und -fahrerinnen, die bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern nur zwei Sekunden aufs Handy schauen, fast 30 Meter im Blindflug unterwegs sind. Meter, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden.

So hat der ADAC getestet

Für die Untersuchung wurden in den fünf größten Städten Deutschlands jeweils eine Hauptverkehrsstraße für den Kfz-Verkehr und eine Fahrradstraße ausgewählt.

HauptverkehrsstraßeFahrradstraße

Berlin

Oberbaumbrücke

Linienstraße

Hamburg

Vorsetzen

Leinpfad

München

Sonnenstraße

Adalbertstraße

Köln

Konrad-Adenauer-Ufer

Zülpicher Straße

Frankfurt am Main

Marbachweg

Grüneburgweg

An je einem Werktag im März und April 2026 beobachteten Teams jeweils 5 Stunden lang den überwiegend fließenden Verkehr. Insgesamt flossen so 25 Stunden Kfz- und 25 Stunden Fahrradverkehr (inklusive E-Bike und E-Scooter) in die Auswertung ein.

Die Datenerhebung wurde vom renommierten Verkehrsplanungsbüro PGV-Alrutz aus Hannover durchgeführt. Pro Standort waren je drei Tester im Einsatz. Handynutzung in Halterungen wurde nicht gewertet, da sie unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist.