Handy am Steuer: Tödliche Gefahr im Straßenverkehr
Von Kati Thielitz

Was harmlos wirkt, ist im Straßenverkehr brandgefährlich: Neue Zahlen des ADAC machen deutlich, wie verbreitet die Handynutzung am Steuer ist – trotz Bußgeld, Punkten und großem Risiko.
Verkehrsbeobachtung: Handyverstöße bei knapp 3 Prozent der Kfz-Fahrenden
Hochrechnung: 1 Milliarde Kfz-Handyverstöße in Deutschland im Jahr
Umfrage: Mehrheit befürwortet Handy-Blitzer
Ein kurzer Anruf, eine schnelle Nachricht während der Fahrt – und schon ist man nur noch halb bei der Sache. Wer am Steuer zum Handy greift, riskiert nicht nur ein Bußgeld und Punkte in Flensburg, sondern bringt sich und andere Verkehrsteilnehmende in Gefahr. Die Polizei registriert jährlich rund 400.000 Handyverstöße. Dass die Dunkelziffer noch weit höher sein muss, zeigt eine aktuelle Verkehrsbeobachtung des ADAC.
Handy am Steuer bei 3 von 100 Kfz-Fahrenden
In den fünf größten Städten Deutschlands – Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main – beobachtete der ADAC insgesamt 9573 Kraftfahrzeuge. Ergebnis: 2,7 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer begingen einen Handyverstoß. Bei Autofahrenden lag der Anteil sogar bei 2,8 Prozent, bei Radfahrenden bei 1,4 Prozent von 9239 Beobachteten (inklusive E-Bike und E-Scooter).

Auffällig: Die meisten halten ihr Smartphone in der Hand, während Telefonate am Ohr zur Ausnahme geworden sind. Etwas häufiger wurden Verstöße bei Lieferwagenfahrenden festgestellt (3,3 Prozent), während Lkw- und Busfahrende mit 1,9 Prozent darunter lagen.
In 50 Stunden Beobachtungszeit zählte der ADAC 387 Verstöße – davon 262 bei Kfz-Fahrenden und 125 bei Radfahrenden. Hochgerechnet auf das gesamte Verkehrsgeschehen in Deutschland ergibt sich eine alarmierende Größenordnung: etwa eine Milliarde Kfz-Handyverstöße pro Jahr.
Jeder zweite Autofahrende ist Handysünder
Eine ergänzende bundesweite ADAC Umfrage bestätigt das Bild: Mehr als die Hälfte der Autofahrenden gibt an, schon einmal während der Fahrt das Handy genutzt zu haben. Auch bei anderen Verkehrsmitteln kommt es zu Verstößen – wenn auch seltener: 36 Prozent beim Fahrrad, 31 Prozent beim E-Bike, 29 Prozent beim E-Scooter und 14 Prozent beim Motorrad bzw. Motorroller oder Mofa.
Dabei ist den Befragten das Risiko bewusst. Ein Teil berichtet sogar von gefährlichen Situationen infolge der Handynutzung.
Mehrheit befürwortet Handy-Blitzer

Um Verstöße besser ahnden zu können, befürworten 69 Prozent der Bevölkerung den Einsatz von Handy-Blitzern. Dabei handelt es sich um Kameras, die mithilfe künstlicher Intelligenz eine verbotene Handynutzung erkennen und fotografieren. In Deutschland sind solche Systeme bislang nur in Rheinland-Pfalz im Einsatz, während sie in den Niederlanden bereits regulär genutzt werden. Ziel ist eine deutlich höhere Verkehrssicherheit durch mehr Kontrolle.
Gefährlicher Blindflug: Hände weg vom Handy!
Fachleute warnen, dass Autofahrer und -fahrerinnen, die bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern nur zwei Sekunden aufs Handy schauen, fast 30 Meter im Blindflug unterwegs sind. Meter, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden.
So hat der ADAC getestet
Für die Untersuchung wurden in den fünf größten Städten Deutschlands jeweils eine Hauptverkehrsstraße für den Kfz-Verkehr und eine Fahrradstraße ausgewählt.
| Hauptverkehrsstraße | Fahrradstraße | |
|---|---|---|
Berlin | Oberbaumbrücke | Linienstraße |
Hamburg | Vorsetzen | Leinpfad |
München | Sonnenstraße | Adalbertstraße |
Köln | Konrad-Adenauer-Ufer | Zülpicher Straße |
Frankfurt am Main | Marbachweg | Grüneburgweg |
An je einem Werktag im März und April 2026 beobachteten Teams jeweils 5 Stunden lang den überwiegend fließenden Verkehr. Insgesamt flossen so 25 Stunden Kfz- und 25 Stunden Fahrradverkehr (inklusive E-Bike und E-Scooter) in die Auswertung ein.
Die Datenerhebung wurde vom renommierten Verkehrsplanungsbüro PGV-Alrutz aus Hannover durchgeführt. Pro Standort waren je drei Tester im Einsatz. Handynutzung in Halterungen wurde nicht gewertet, da sie unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist.