Mobil auf dem Land: Die große ADAC Umfrage

26.11.2018

Zufrieden mit der eigenen Mobilität – solange ein Auto zur Verfügung steht. So äußert sich die große Mehrheit der Bewohner ländlicher Gebiete in einer großen ADAC Befragung. Bei Bus und Bahn gibt es Nachholbedarf

Eine dörfliche Landschaft nahe Salzwedel
Linien-Rufbus im Dorf Valfitz bei Salzwedel

Immerhin 16 Millionen Menschen leben in ländlichen Regionen, also in Gebieten mit weniger als 150 Einwohnern je Quadratkilometer. Wie steht es um die Mobilität dieser Bürger? Das wollte der ADAC wissen und befragte 3400 Einwohner ländlicher Gemeinden in zwölf großen Bundesländern zur Zufriedenheit mit ihrer persönlichen Mobilität. Die repräsentativ ausgewählten Interviewpartner aller Altersstufen ab 15 Jahre gaben Auskunft darüber, wie gut sie ihre Ziele mit Auto, Bus und Bahn, Fahrrad oder zu Fuß erreichen. 

Die Überraschung: In allen befragten Regionen ist die Zufriedenheit mit der persönlichen Mobilität erstaunlich hoch. Die Zahl zufriedener Bürger überragt jene der unzufriedenen im Bundesschnitt um 43 Prozent. Das vom ADAC beauftragte Meinungsforschungsinstitut "komma" nennt dies den "Zufriedenheitsindex." Er rangiert bei den Ländern zwischen 47 in Mecklenburg-Vorpommern und 39 in Brandenburg und Rheinland-Pfalz, ist also bundesweit relativ homogen.

Die Ergebnisse des ADAC Monitors "Mobil auf dem Land"

Hier die Zufriedenheitswerte in den 12 großen Bundesländern - aufgeschlüsselt in vier Fortbewegungsarten.

Bundesland Mit dem Auto Mit dem ÖV Mit dem Fahrrad Zu Fuß 
Baden-Württemberg                     44 8 29 42
Bayern 48 8 25 41
Brandenburg 36 13 19 33
Hessen 39 5 12  36
Mecklenburg-Vorpommern 46 23 21 39
Niedersachsen 24 3 33 41
Nordrhein-Westfalen 44 10 19 42
Rheinland-Pfalz 40 1 14 40
Sachsen 43 20 15 38
Sachsen-Anhalt 40 30 10 34
Schleswig-Holstein 47 1 13 34
 Thüringen 44 10 14 38
 Gesamt 43 10 22 39

 

Die angeführten Indexwerte ergeben sich aus der Gleichung "Zufriedene minus Unzufriedene." Repräsentativ befragt wurden 3398 deutschsprachige Personen ab 15 Jahren in Gemeinden mit einer Bevölkerungsdichte von bis zu 150 Einwohner/Quadratkilometer. Die Interviews fanden vom 3. bis 22. September 2018 statt. Je ausgewiesenem Bundesland wurden mindestens 200 Bewohner befragt; die Altersstruktur der Teilnehmer entsprach dabei der Altersstruktur des jeweiligen Landes. Hier finden Sie die vollständigen Ergebnisse des ADAC Monitors "Mobil auf dem Land." (PDF-Download1,41 MB) Weitere Informationen zur Mobilität auf dem Land sowie Handlungsempfehlungen des Clubs fasst das Positionspapier "Mobilitätssicherung im ländlichen Raum" (PDF-Download765,25 KB) zusammen. Ebenfalls aufschlussreich: Die Studie "Mobilität sichert Entwicklung," (PDF-Download2,9 MB) die 2016 vom IGES-Institut für den ADAC erstellt wurde.

Grafik Mobil auf dem Land Monitor Bevölkerungsdichte
Infografik: Zwei Drittel der Fläche Deutschlands gehören zum ländlichen Raum

Das Auto ist Verkehrsmittel Nr. 1

Stimmt demnach die These vom Mobilitäts-Notstand auf dem Land gar nicht? Ist alles gut in den Ortschaften weitab der Metropolen? Hier vorschnell "Ja" zu sagen, wäre falsch. Denn ein tieferer Blick in die Ergebnisse offenbart dann doch viel Unbehagen mit der Situation auf dem Land. Zunächst einmal: Die überwiegende Zufriedenheit mit der persönlichen Mobilität hat wesentlich damit zu tun, dass fast jeder Befragte Auto fährt, sieben von zehn Menschen sogar oft und regelmäßig. Und hier gibt es in der Fläche offenbar nicht allzu viel zu bemängeln, denn Fahrzeiten lassen sich zuverlässig berechnen, Staus sind eher unbekannt und Parkplätze im Gegensatz zur Großstadt keine Mangelware.

Tipp Icon

Ulrich Klaus Becker, ADAC Vizepräsident für Verkehr

"Wir sind überrascht, wie viele Menschen auf dem Land mit ihrer Mobilität zufrieden sind. Unsere Befragung zeigt aber auch, dass es benachteiligte Gruppen im ländlichen Raum gibt. Mobilität hat sehr viel mit Daseinsvorsorge zu tun – dieser Aufgabe muss sich der Staat stellen. Und klar ist: Ohne Auto geht auf dem Land fast nichts. Gerade der Öffentliche Verkehr hat noch starkes Verbesserungspotenzial."

Große Unterschiede bei der Zufriedenheit mit Bus und Bahn

Zoom-In
Grafik Monitor Nichtnutzung
Infografik: Das soll bei Bus und Bahn besser werden

Schlecht steht es dagegen um die Zufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr und Fahrrad. Hier tun sich große Unterschiede zwischen den Ländern auf, und vor allem bei Bus und Bahn fällt auf, dass mit Spitzenreiter Sachsen-Anhalt sowie Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg vier östliche Länder in der Gunst ganz oben rangieren, während mit Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein drei Westländer mit großem Abstand unten stehen.

Mehr als die Hälfte der Befragten nutzt Regionalbahn oder Busse so gut wie nie. Viele Befragte wünschen sich aber dringend mehr Investitionen in neue Bahn- und Busangebote. Fehlende Direktverbindungen, große Lücken im Fahrplan und die zu lange Reisedauer prägen aus Sicht der Befragten das Bild. Man nutzt das Auto gern, oft und effizient, um seine Ziele zu erreichen – angesichts mangelhafter Alternativen gilt es aber auch als alternativlos.

Verbesserungen in diesen Bereichen könnten die Menschen auf dem Land zum Umstieg bewegen. Allerdings: Geringe Bevölkerungsdichte, sehr unterschiedliche Ziele und Reisezeiten machen es den Verkehrsplanern deutlich schwerer als in der Stadt, für eine hohe Auslastung ihrer Linienbusse zu sorgen. Individuellere Angebote wie Anrufsammeltaxis oder Bürgerbusse könnten Alternativen sein. Nur: In Sachen Flexibilität können auch sie nicht mit dem Privatwagen mithalten.

Foto: Michael Löwa, Grafiken: ADAC e.V.