Kakerlaken bekämpfen: Mittel, Fallen und Tipps

Wer Kakerlaken bekämpfen will, muss schnell und gezielt handeln, denn ein einzelnes Weibchen kann im Laufe seines Lebens mehrere Hundert Nachkommen hervorbringen.
Wie Kakerlaken ins Haus oder in die Wohnung gelangen
Gel-Köder gelten als wirksamstes Mittel gegen Kakerlaken
Bei starkem Befall ist ein Schädlingsbekämpfer notwendig
Wie sehen Kakerlaken und Schaben aus?
In Deutschland treten vor allem drei Schabenarten auf, die sich in Größe, Farbe und bevorzugtem Lebensraum unterscheiden.

Deutsche Schabe: Die mit Abstand häufigste Art in deutschen Haushalten. Sie wird 12 bis 15 Millimeter groß, ist hellbraun und trägt zwei dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild. Trotz Flügeln kann sie nicht fliegen. Die Deutsche Schabe bevorzugt warme, feuchte Bereiche wie Küchen und Badezimmer.
Orientalische Schabe: Auch als Gemeine Küchenschabe bekannt. Sie wird 20 bis 28 Millimeter groß, ist dunkelbraun bis schwarz und hält sich bevorzugt in feuchten Kellern, Abwasserkanälen und Waschküchen auf. Trotz Flügelstummeln kann sie nicht fliegen.
Amerikanische Großschabe: Mit bis zu 40 Millimetern ist die amerikanische Schabe die größte Art. Sie ist rotbraun gefärbt und in der Lage, kurze Strecken zu gleiten. In Deutschland kommt sie selten vor – am ehesten in Gewächshäusern, Zoos oder Großküchen.
Alle Schabenarten haben einen flachen, ovalen Körper, lange Fühler und bewegen sich auffallend schnell. Verwechslungsgefahr besteht mit harmlosen Waldschaben.
Waldschabe bzw. Bernsteinschabe oder Küchenschabe?
Im Sommer verirren sich häufig Bernstein-Waldschaben durch offene Fenster ins Haus. Sie sind völlig harmlos und müssen nicht bekämpft werden. Die wichtigsten Unterschiede zur Deutschen Schabe (Küchenschabe):
Halsschild: Waldschabe gleichmäßig hell und durchscheinend – Küchenschabe mit zwei dunklen Längsstreifen
Farbe: Waldschabe honigfarben bis hellbraun – Küchenschabe deutlich dunkler
Lichtverhalten: Waldschaben werden von Licht angezogen – Küchenschaben sind lichtscheu und flüchten sofort
Auftreten: Waldschaben gelangen nur im Sommer durchs Fenster ins Haus – Küchenschaben nisten sich dauerhaft ein und sind ganzjährig aktiv
Wer im Sommer eine einzelne helle Schabe am Fenster findet, kann sie einfach nach draußen setzen. Bei mehreren Tieren, Kotspuren oder muffigem Geruch sollten Sie einen Schädlingsbekämpfer hinzuziehen.
Wie kommen Kakerlaken in Wohnung und Haus?
Kakerlaken werden in den meisten Fällen unbemerkt ins Haus oder die Wohnung eingeschleppt. Die Vermehrung erfolgt dann oft über Wochen unentdeckt, bevor die ersten Tiere sichtbar werden.
Lebensmittelverpackungen und Lieferungen: Am häufigsten gelangen Schaben über Kartons aus Supermärkten, Großmärkten oder Paketlieferungen in eine neue Umgebung.
Gebrauchte Möbel und Elektrogeräte: Kakerlaken nisten sich in Ritzen, Scharnieren und Hohlräumen ein – besonders in Küchen- und Elektrogeräten.
Nachbarwohnungen: In Mehrfamilienhäusern wandern Schaben durch Rohrleitungen, Kabelschächte und Ritzen von Wohnung zu Wohnung.
Reisegepäck: Koffer und Taschen aus befallenen Hotels sind ein häufiger Übertragungsweg.

Wichtig zu wissen: Kakerlaken sind nachtaktiv und lichtscheu. Einzelne Tiere, die tagsüber sichtbar werden, deuten daher fast immer auf einen bereits fortgeschrittenen Befall hin. Die Verstecke sind dann so überfüllt, dass einzelne Schaben verdrängt werden.
Auch ins Bett können Kakerlaken gelangen, was bei starkem Befall und Nahrungsmangel vereinzelt vorkommt, aber selten ist.
Sind Kakerlaken gefährlich?
Kakerlaken sind Hygieneschädlinge und stellen ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko dar.
Krankheitserreger: Schaben übertragen Salmonellen, Escherichia (E.) coli, Schimmelpilzsporen und können Erreger von Hepatitis A und Magen-Darm-Erkrankungen verbreiten. Die Übertragung erfolgt, wenn die Insekten Kot und Speichel hinterlassen oder Lebensmittel und Oberflächen mit ihrem Körper berühren.
Allergien und Asthma: Kot, Häutungsreste und Speichelrückstände von Kakerlaken sind nachgewiesene Allergene. Sie können Hautreaktionen, Niesen, laufende Nase und Asthmaanfälle auslösen.
Lebensmittelkontamination: Befallene Lebensmittel sind durch Ausscheidungen und Fraßspuren ungenießbar und gesundheitsgefährdend.
Psychische Belastung: Der Ekel und die Angst vor einem Befall verursachen bei vielen Betroffenen erheblichen Stress.
Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Kakerlaken-Eier erkennen und bekämpfen
Kakerlaken legen ihre Eier nicht einzeln ab, sondern in sogenannten Ootheken. Das sind feste, längliche Eikapseln mit einer glatten, dunkelbraunen Oberfläche. Diese Kapseln sind 5 bis 12 Millimeter lang und enthalten je nach Art 16 bis 40 Eier.
Ablageorte: Kakerlaken setzen ihre Eier an versteckten, warmen Stellen ab – in Ritzen, hinter Schränken, unter Spülen, in Elektrogeräten oder hinter Fußleisten.
Entwicklung: Die Larven, korrekt als Nymphen bezeichnet, schlüpfen je nach Temperatur nach etwa 28 bis 70 Tagen. Bei Zimmertemperatur geht die Entwicklung deutlich schneller.
Hartnäckigkeit: Die Chitinhülle der Oothek schützt die Eier wirksam vor Kälte, Feuchtigkeit und vielen Insektiziden. Deshalb überleben Eier häufig eine Bekämpfung, die nur auf erwachsene Tiere abzielt.
Bekämpfung der Eier: Hitze über 60 Grad Celsius tötet Kakerlaken-Eier zuverlässig ab. Befallene Gegenstände können mit einem Dampfreiniger behandelt werden. Sichtbare Ootheken sollten mit einem Spachtel oder Tuch abgekratzt und in einem verschlossenen Beutel entsorgt werden.
Kann man Kakerlaken selbst bekämpfen?
Sie können Kakerlaken selbst bekämpfen. Der Erfolg hängt allerdings vom Ausmaß des Befalls ab.
Bei leichtem Befall
Sind keine Ootheken oder größere Ansammlungen erkennbar, können Sie einzelne Tiere oft ohne professionellen Schädlingsbekämpfer bekämpfen. Wichtig ist schnelles Handeln: Befallene Bereiche gründlich reinigen, Lebensmittel in verschlossene Behälter umfüllen und Gel-Köder an strategischen Stellen ausbringen. Klebefallen helfen, das Ausmaß des Befalls einzuschätzen.
Bei starkem Befall

Sobald Sie mehrere Tiere tagsüber bemerken, Ootheken finden oder der Befall sich über mehrere Räume erstreckt, ist eine professionelle Schädlingsbekämpfung zwingend erforderlich. Versteckte Nester und die widerstandsfähigen Eikapseln machen eine vollständige Beseitigung in Eigenregie nahezu unmöglich. Zudem birgt die unsachgemäße Anwendung von Insektiziden Gesundheitsrisiken für Bewohner und Haustiere.
In Mietwohnungen müssen Sie den Vermieter unverzüglich über den Kakerlakenbefall informieren. Dieser gilt als Mangel der Mietsache. Der Vermieter ist in der Regel zur Beauftragung eines professionellen Schädlingsbekämpfers verpflichtet.
Die besten Mittel gegen Kakerlaken
Gel-Köder (Fraßköder): Das wirksamste Mittel für den Hausgebrauch. Die Schaben fressen das Gel, tragen den Wirkstoff ins Nest und vergiften so auch Artgenossen, die nicht direkt mit dem Köder in Kontakt kommen. Gel-Köder werden punktuell in Ritzen, unter Schränken und hinter Geräten aufgetragen.
Klebefallen: Eignen sich vor allem zur Kontrolle des Kakerlakenbefalls und zum Monitoring, wie sich die Population im Haushalt entwickelt. Sie fangen einzelne Tiere, reichen aber als alleinige Bekämpfungsmaßnahme nicht aus.
Kontakt-Insektizide (Sprays): Wirken schnell bei sichtbaren Tieren, erreichen aber keine versteckten Nester. Sprays vertreiben Schaben zudem aus ihren Verstecken und können den Befall in andere Räume verlagern.
Kieselgur: Ein natürliches Pulver aus fossilen Kieselalgen, das die schützende Wachsschicht der Insekten zerstört und sie austrocknen lässt. Kieselgur wird in Ritzen und Spalten gestreut und wirkt über mehrere Tage bis Wochen.
Hausmittel (Backpulver, Essig, Natron): Die Wirkung ist stark begrenzt. Backpulver gemischt mit Zucker kann einzelne Tiere abtöten, reicht bei einem tatsächlichen Befall aber bei Weitem nicht aus.
Professionelle Mittel: Schädlingsbekämpfer setzen stärkere Wirkstoffe und Verfahren ein, die im freien Handel nicht erhältlich sind, darunter Borsäure und professionelle Sprühverfahren.
Kakerlaken bekämpfen: Schritt für Schritt
Befall feststellen: Klebefallen an verdächtigen Stellen aufstellen (Küche, Bad, hinter Elektrogeräten) und nach einigen Tagen auswerten, um das Ausmaß des Befalls einzuschätzen.
Reinigen und sichern: Alle Bereiche gründlich reinigen, Essensreste beseitigen und Lebensmittel in luftdicht verschlossene Behälter umfüllen. Dasselbe gilt übrigens für Tierfutter.
Verstecke identifizieren: Schaben halten sich bevorzugt in warmen, feuchten und dunklen Bereichen auf – hinter Kühlschränken, unter Spülen, in Kabelschächten und hinter Fußleisten.
Gel-Köder ausbringen: Kleine Gel-Punkte an strategischen Stellen platzieren: in Ritzen, unter Schränken, hinter Geräten und in der Nähe identifizierter Verstecke.
Zugangswege abdichten: Ritzen, Fugen und Rohrdurchführungen mit Silikon oder Acryl verschließen, um Nachschub aus Nachbarwohnungen oder dem Keller zu unterbinden.
Kontrollieren: Klebefallen über mindestens 4 bis 8 Wochen regelmäßig prüfen. Erst wenn über mehrere Wochen keine Tiere mehr gefangen werden, gilt der Befall als beseitigt.
Fachbetrieb beauftragen: Bleibt der Befall trotz aller Maßnahmen bestehen, ist ein professioneller Kammerjäger die einzig verlässliche Lösung.
Vorbeugende Maßnahmen gegen Kakerlaken
Sauberkeit: Essensreste und Krümel sofort beseitigen, Geschirr nicht über Nacht stehen lassen und den Müll täglich entsorgen.
Lebensmittellagerung: Vorräte ausschließlich in fest verschlossenen Behältern aus Glas, Metall oder Kunststoff aufbewahren und nicht in offenen Verpackungen.
Feuchtigkeit reduzieren: Tropfende Wasserhähne und undichte Leitungen reparieren, Kondenswasser an Rohren vermeiden und für ausreichende Belüftung sorgen.
Zugänge abdichten: Ritzen, Spalten und Fugen an Wänden, Böden und Rohrdurchführungen verschließen.
Kontrolle nach Reisen und Lieferungen: Koffer und Kartons vor dem Einräumen auf Schädlinge prüfen – besonders nach Reisen in wärmere Länder.
Gebrauchte Gegenstände prüfen: Gebrauchte Möbel und Elektrogeräte vor der Übernahme gründlich auf Schabenspuren untersuchen.
Hilft es, das Licht anzulassen? Kakerlaken meiden zwar Licht, doch dauerhaftes Lichtanlassen vertreibt sie nicht. Die Tiere weichen lediglich in dunklere Verstecke aus.