Was tun bei Stromausfall? Tipps für den Blackout

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Von Konstantin Grassl

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Kerzen erhellen ein Zimmer in einem Mehrfamilienhaus. Zehntausende Menschen im Südwesten der Hauptstadt haben keinen Strom.
Zuletzt sorgten großflächige Stromausfälle in Berlin für Schlagzeilen© dpa/Anadolu

Bei einem längeren Stromausfall oder gar Blackout geht zu Hause fast nichts mehr. Die richtige Vorbereitung hilft Ihnen, im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben und Ihre Familie zu versorgen.

  • Mit dieser Grundausstattung sind Sie für einen mehrtägigen Stromausfall gerüstet

  • Lebensmittel, Getränke und Hygieneartikel: Diesen Vorrat sollte jeder zu Hause haben

  • Neben Vorräten brauchen Sie Licht, Informationsquellen und Möglichkeiten zum Kochen

Wie wahrscheinlich ist ein Stromausfall wirklich?

Die Angst vor einem großflächigen Stromausfall ist in den letzten Jahren gestiegen. Dazu tragen Schlagzeilen über Blackouts in Spanien, Portugal oder auch – aufgrund von politisch motivierten Anschlägen – in Berlin bei. Doch wie realistisch ist ein solches Szenario tatsächlich in Deutschland?

Kerzen erhellen ein Zimmer in einem Mehrfamilienhaus. Zehntausende Menschen im Südwesten der Hauptstadt haben keinen Strom.
Die zuständige Bundesnetzagentur stuft das Risiko eines längeren Stromausfalls in Deutschland gering ein© dpa/Carsten Koall

Die für die Energieversorgung verantwortliche Bundesnetzagentur hält einen langanhaltenden und großflächigen Stromausfall für sehr unwahrscheinlich. Denn die deutschen Stromnetze gehören zu den zuverlässigsten in Europa. Statistisch betrachtet gibt es demzufolge bundesweit immer weniger Stromausfälle. Die durchschnittliche Unterbrechungsdauer liegt bei circa zwölf Minuten pro Jahr und Haushalt.

Dennoch warnen Experten vor neuen Risiken durch die Energiewende, Cyberangriffe und Extremwetterereignisse. Die Blackout-Wahrscheinlichkeit ist zwar weiterhing gering, aber nicht null. Moderne Stromnetze verfügen über mehrfache Sicherheitssysteme und Redundanzen. Absolute Sicherheit gibt es jedoch nicht.

Unterschiede zwischen Stromausfall, Brownout und Blackout

Nicht jeder Stromausfall ist gleich ein Blackout. Die folgenden Begriffe werden oft verwechselt, bezeichnen aber unterschiedlich schwere Ereignisse:

  • Stromausfall: Lokale Unterbrechung der Stromversorgung durch technische Defekte, Bauarbeiten oder Unwetter – meist nach wenigen Stunden behoben

  • Brownout: Kontrollierte, zeitlich begrenzte Senkung der Stromspannung oder teilweise Abschaltung einzelner Netzbereiche, um Schlimmeres zu vermeiden

  • Blackout: Großflächiger, unkontrollierter Zusammenbruch der Stromversorgung über mehrere Regionen oder Länder hinweg – dauert häufig mehrere Tage

Was sollte man bei einem Stromausfall tun?

Vorbereitung auf einen Stromausfall

  • Taschenlampen bereithalten: Am besten batteriebetriebene LED-Lampen oder eine Stirnlampe griffbereit in jedem Stockwerk. Kerzen sind zwar eine mögliche Alternative, bergen aber Brandgefahr.

  • Batterien und Powerbanks laden: Ersatzbatterien sowie geladene Powerbanks oder auch Powerstations vorhalten, damit Handy und Taschenlampe einsatzbereit bleiben.

  • Radio mit Kurbel oder Batterie: So bleiben Sie auch ohne Internet und Fernsehen über Lage und Notfallmeldungen informiert.

  • Getränke und Vorräte: Wasser und haltbare Lebensmittel für ein paar Tage im Haus haben. Kühlschranktüren geschlossen halten, damit die Kälte länger bleibt.

  • Medizin und wichtige Dokumente: Benötigte Medikamente, Erste-Hilfe-Set und gegebenenfalls wichtige Unterlagen griffbereit halten.

Notfallvorrat
Ausreichende Vorräte für einen längeren Stromausfall oder Blackout sind besonders wichtig© iStock.com/LifestyleVisuals

Verhalten während des Stromausfalls

  • Ruhe bewahren: Zuerst prüfen, ob nur die eigene Wohnung betroffen ist – Sicherungen und FI-Schalter kontrollieren.

  • Nachbarn kontaktieren: Wenn auch andere Haushalte betroffen sind, liegt es meist an einer größeren Störung. In Krisenlagen ist soziale Vernetzung hilfreich.

  • Stromnetz entlasten: Stromverbraucher wie Herd, Waschmaschine oder Heizlüfter ausschalten, damit beim Wiederanschalten keine Netzüberlastung entsteht.

  • Heizung und Wasser prüfen: Viele Heizungen funktionieren nur mit Strom. Decken und warme Kleidung bereithalten.

  • Informationen einholen: Über Handy, Radio oder die Internetseite des Netzbetreibers prüfen, ob es eine Störungsmeldung gibt – sofern das Netz noch funktioniert.

Besondere Hinweise

  • Notruf nur im Ernstfall: Die 110 und 112 nur wählen, wenn tatsächlich Gefahr für Leib und Leben besteht.

  • Menschen unterstützen: Ältere, kranke oder alleinlebende Nachbarn fragen, ob sie Hilfe benötigen.

  • Vorsicht bei Kerzen und Grills: Kerzen nie unbeaufsichtigt lassen. Kohle- oder Gasgrills auf keinen Fall in geschlossenen Räumen verwenden – Lebensgefahr durch Kohlenmonoxid!

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Richtige Vorräte für Stromausfall oder Blackout

Für einen längeren Stromausfall oder Blackout müssen Sie nicht hamstern, sondern gezielt die richtigen Dinge in ausreichender Menge lagern. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt einen Vorrat für möglichst 10 Tage, mindestens jedoch 3 Tage.

  • Wasser: 2 Liter pro Person und Tag einplanen, also 20 Liter pro Person für 10 Tage – in verschlossenen Flaschen oder Kanistern lagern

  • Lebensmittel: Nahrhafte Produkte mit langer Haltbarkeit, die möglichst ohne Kühlung und Kochen verzehrt werden können (Babybedarf und Tierfutter nicht vergessen)

  • Hygieneartikel: Seife, Zahnpasta, Toilettenpapier, Müllbeutel, eventuell Campingtoilette

  • Medikamente: Persönlich benötigte Dauermedikation plus Erste-Hilfe-Ausstattung

Geeignete Lebensmittel und Getränke

Vorrat für Notfall richtig kalkulieren

Mit dem Online-Rechner der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung können Sie Ihren erforderlichen Notvorrat berechnen. Der Kalkulator berücksichtigt die Anzahl der Personen im Haushalt, besondere Bedürfnisse (Babys, Senioren) und erstellt eine detaillierte Einkaufsliste mit Mengenangaben für 10 Tage.

Checkliste: Ausrüstung für Stromausfall oder Blackout

Ohne Strom funktionieren elektrische Geräte und Anlagen nicht mehr – sowohl zu Hause als auch im öffentlichen Raum. Mit einer Notausrüstung bleibt man handlungsfähig. An diese Dinge sollten Sie denken.

Beleuchtung und Batterien

  • LED-Taschenlampen: energieeffizient, hell und langlebig – mindestens zwei pro Haushalt

  • Stirnlampen: lassen die Hände frei zum Arbeiten – ideal für Küche und Keller

  • Kerzen und Feuerzeuge: für zusätzliches Licht – nur in stabilen Haltern verwenden

Stromversorgung und Kommunikation

Ein Handbetriebenes Ladegerät fürs Handy
Kurbelradios, die auch als Powerbank dienen, sind eine nützliche Notfallausstattung© Shutterstock./Speedshutter Photography
  • Powerbank und Powerstation: Mit 20.000 Milliamperestunden (mAh) Batterie-Kapazität können Sie ein Smartphone vier bis acht Mal aufladen

  • Batterien: verschiedene Größen ausreichend bevorraten – Verfallsdatum beachten

  • Solarladegeräte: nutzen Sonnenlicht zum Laden von Powerbanks und Geräten – bei mehrtägigem Stromausfall unverzichtbar

  • Batterieradio oder Kurbelradio ohne Batterien: damit bleibt man informiert – sie verfügen oft über eine LED-Lampe und einen USB-Anschluss

  • Notfall-Apps: NINA und KATWARN vorher herunterladen und Offline-Funktionen aktivieren

Kochen und Heizen

  • Campingkocher mit Gaskartuschen: einfach zu bedienen, sauber und sicher – Vorrat an Kartuschen anlegen

  • Spirituskocher: günstig und kompakt, aber weniger Heizleistung

  • Brennstoffe zum Heizen: ausreichend Vorrat an Gas, Öl, Holz oder Kohle anlegen – gesetzliche Limits beachten

Wärme und Komfort

  • Warme Decken und Schlafsäcke: sicherste Methode, um warm zu bleiben

  • Warme Kleidung: Mehrschichtprinzip für effektive Wärmeisolierung

Hygiene und Wasser

Junge Männer packen Wasser für Notfall Reserven ein
Denken Sie beim Anlegen Ihrer Vorräte unbedingt auch an eine ausreichende Menge an Wasser© iStock.com/Noko LTD
  • Wassereimer: zum Spülen und für die Körperhygiene

  • Feuchttücher: für die Körperpflege ohne fließendes Wasser

  • Toilettenpapier und Damenhygieneartikel: ausreichender Vorrat

Hausapotheke und Sicherheit

  • Erste-Hilfe-Set: mit Verbandsmaterial, Schmerzmitteln und persönlichen Medikamenten

  • Desinfektionsmittel: für Wunden und Hände

  • Fieberthermometer: batteriebetrieben oder digital

Finanzen und Dokumente

  • Bargeld: Kleinscheine und Münzen, falls Kartenzahlung nicht funktioniert

  • Wichtige Dokumente: Kopien von Ausweisen, Versicherungen in wasserdichter Hülle