Skate-, Inline- oder BMX-Helme im Test: Cool und sicher

BMX-Helme sollen nicht nur schützen, sondern auch gut aussehen
BMX-Helme sollen nicht nur schützen, sondern auch gut aussehen© Shutterstock/4 PM production

Der ADAC hat zehn BMX-, Skate- oder Inline-Helme für Jugendliche und Junggebliebene auf Sicherheit, Komfort, Handhabung und Schadstoffgehalt getestet. Das Ergebnis: Coole und sichere Helme müssen nicht teuer sein.

Wenn schon ein Fahrradhelm, dann muss er auch "cool" aussehen. Deshalb stehen so genannte BMX-, Skate- oder Inline-Helme bei Jugendlichen und junggebliebenen Radfahrern aktuell hoch im Kurs. Typisch für diese Art der Helme ist die geschlossene abgerundete Form mit wenigen Belüftungsöffnungen. Aber wurde hier das Design vor die Funktion gestellt?

Der ADAC Fahrradhelmtest 2020 zeigt, was außer einem guten Design noch in der neuen Generation der Helme steckt. Die weitaus häufigste lebensbedrohliche Verletzungsart bei Fahrradunfällen sind übrigens Kopfverletzungen. Die Sicherheit, also das Dämpfungsverhalten beim Sturz, ist das wichtigste Qualitätskriterium eines Fahrradhelmes. 

Testergebnisse

Hersteller/ModellPreis in EuroADAC UrteilHandhabung/KomfortUnfallschutzHitzebeständigkeitSchadstoffezum Vergleich hinzufügen
Uvex hlmt 4 cc
59,99
2,3
1,8
2,8
1,5
1,0
Prophete Artikel Nr. 0424
24,49
2,4
2,6
2,5
1,5
1,0
Giro Quarter FS
41,24
2,5
2,5
2,7
1,5
1,0
Nutcase Street Gen3
76,82
2,6
2,4
3,0
1,5
1,0
Alpina Airtime
59,96
2,7
2,2
3,2
2,0
1,0

    sehr gut

    0,6 - 1,5

    gut

    1,6 - 2,5

    befriedigend

    2,6 - 3,5

    ausreichend

    3,6 - 4,5

    mangelhaft

    4,6 - 5,5

    © ADAC e.V.

    Kein getesteter Fahrradhelm fällt durch

    Crashtest Stoßprüfung: Der Fahrradhelm fällt auf einen Socke © ADAC/Ralph Wagner

    Die gute Nachricht vorweg: Selbst bei einem harten Stoß gegen den Helm erzielt der schlechteste im Test noch eine befriedigende Schutzwirkung – und auch günstige Helme können gute Ergebnisse erzielen.

    Testsieger über alle Kriterien ist der Uvex hlmt 4 cc, ein leicht einstellbarer, bequemer Helm mit einer guten Belüftung. Der Helm wurde im so genannten Inmold-Verfahren hergestellt. Dabei wird die Außenschale und der Hartschaum miteinander verschweißt. Das Ergebnis ist eine vollständige Verbindung und sehr stabile Helmstruktur. Inmold-Helme sind in der Regel leichter als normale Hartschalenhelme. Das hat sich auch im Test bestätigt: Mit nur 279 Gramm ist der Uvex hlmt 4 cc  satte 190 Gramm leichter als der schwerste Helm im Test.

    Das gute Helme nicht teuer sein müssen, zeigt der Zweitplatzierte. Der Helm Prophete kostet etwas über 20 Euro und gehört im Test zu den günstigeren Helmen. Das Modell mit der Artikel-Nr. 0424 erzielt bei den Stoßdämpfungseigenschaften sogar das beste Ergebnis. Ausschlaggebend dafür ist vermutlich die Tatsache, dass bei fast allen Stoßversuchen viel Energie durch das Bersten der ABS-Außenschale beim Aufprall abgebaut wurde.

    Der billigste Helm im Test ist der BTwin Teen 520. Ihn bekommt man schon für unter 20 Euro. Zwar weist dieser Helm auch eine befriedigende Schutzwirkung auf, aber dafür zeigt er in anderer Hinsicht einige Schwächen. So gibt es zum einen keine Möglichkeit die Gurte an den Ohren zu verstellen und das Schloss am Kinn hat kein Polster. Auch negativ: Bei der Prüfung der Hitzebeständigkeit kam es zu starker Geruchsentwicklung.

    Bronze geht an den Helm Giro Quarter FS: Ein bequemer und angenehm zu tragender Helm. Mühelos verstellbare Gurtbänder erleichtern die Handhabung. Schwächen zeigt der Helm beim schwer zugänglichen Einstellrad der Größenanpassung.

    Bei fast allen Helmen gibt es vor allem Verbesserungspotenzial bei der Erkennbarkeit im Dunkeln. Zumindest eine geringe Reflexion im Dunkeln bietet der Viertplatzierte, das Modell Street Gen3 von Nutcase. Dafür ist der Helm mit 469 Gramm leider der schwerste und mit über 70 Euro auch der teuerste im Test. 

    Testverlierer ist der BMX-Helm der Firma Fischer. Die Beklebung der Außenschale zeigt bei Wärmeeinwirkung starke Veränderungen: Die Enden der Folie rollen sich so ungünstig hoch, dass eine weitere Verwendung nicht mehr empfehlenswert ist. Auch ungünstig: Die seitliche Gurtverstellung kann leicht verrutschen, was den richtigen Sitz des Helmes negativ beeinflussen kann. Dennoch schafft der Helm es zu einem befriedigenden Gesamtergebnis.

    Positiv ist zu erwähnen, dass bei allen getesteten Helmen kein Schadstoffgehalt festgestellt wurde.

    Wichtig: Der richtige Sitz des Fahrradhelms

    Darauf müssen Sie achten, damit der Helm Sie richtig schützt:

    • Helm muss gerade (waagerecht) auf dem Kopf sitzen

    • Gurte müssen sich direkt unter dem Ohr treffen

    • Verschluss darf nicht drücken

    • Zwischen Riemen und Kinn sollte nur ein fingerbreit Platz sein

    So sitzt der Helm richtig! © ADAC e.V.

    ADAC Empfehlungen

    • Die Erkennbarkeit im Dunkeln muss verbessert werden

    • Die Anbindung des Gurtes am Helm muss auch höheren Belastungen standhalten

    • Auch bei Einwirkung höherer Temperaturen darf der Helm keine scharfen Kanten z.B. durch das Ablösen der Dekorfolie bilden

    • In der Bedienungsanleitung als auch im Inneren des Helmes muss eine eindeutige Abbildung zum richtigen Einstellen des Helmes vorhanden sein

    Tipps für den Verbraucher

    Ein Helm muss gefallen, aber auch passen. Daher sollte unbedingt vor dem Kauf der Helm anprobiert werden. Hierbei muss der Helm gleichmäßig straff und angenehm sitzen, darf aber nicht drücken oder einschneiden. Im Fachhandel können dazu Hilfestellungen eingeholt werden. Wichtig:

    • Tauschen Sie den Helm nach einem Sturz unbedingt aus, auch wenn keine äußeren Schäden sichtbar sind. Entstandene innere Schäden können eine Schutzwirkung bei einem nachfolgenden Sturz deutlich verringern

    • Wählen Sie möglichst helle und auffällige Farben des Helmdekors. Bestenfalls ist der Helm auch mit einem LED-Licht ausgestattet

    • Die ADAC Unfallforschung belegt, dass ein Helm beim Sturz effektiv vor vielen Kopfverletzungen schützen kann. Auch der schlechteste Helm im Test kann im Ernstfall Leben retten, wenn er richtig getragen wird

    Daher gilt: Immer mit Helm radeln und diesen auch richtig aufsetzen!

    Methodik & Hintergrund

    Unfallschutz

    • Berechnung und Bewertung der Verletzungswahrscheinlichkeit durch FE-Simulation auf Grundlage der linearen und rotatorischen Beschleunigung. Die Stoßprüfungen wurden mit leicht verschärften Bedingungen mit 5,5 m/s auf flachem Sockel durchgeführt 

    • Abstreifsicherheit in Anlehnung nach DIN EN 1078

    • Kinnbandfestigkeit/Öffnen des Verschlusses unter Last gemäß DIN EN 1078  

    • In Anlehnung der DIN 1078:2014 wurden Testbestandteile wie Kinnbandprüfung und Abziehprüfung (auch nach hinten) durchgeführt

    • Erkennbarkeit im Dunkeln



    Handhabung & Komfort

    • Gebrauchsanleitung und Kennzeichnungen in Anlehnung der DIN EN 1078

    • Passform mit mehreren Probanden, Benutzung mit Brille, Kopf- und Riemenanpassung sowie Bedienbarkeit

    • Belüftung

    • Reinigungsfreundlichkeit von Innenpolster und Außenschale 



    Schadstoffe & Hitzebeständigkeit

    Schadstoffe 
    Teile des Helms, die mit der Haut in Kontakt kommen, wie Riemen, Verschlüsse und Pads wurden in Anlehnung an die GS-Spezifikation AfPS GS 2014:01 PAK auf PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) sowie auf Azofarbstoffe untersucht

    Hitzebeständigkeit
    Nach vier Stunden Lagerung bei 75 °C und Abkühlen auf Raumtemperatur wurden Farb- und Materialveränderungen an Verklebungen, Pads, Schalen und Haltesystem beurteilt. Die Anforderungen bei diesem Test lagen dabei über der gültigen Norm