E-Klapprad im Fahrbericht: Automatik-Flitzer Ado Air 20 Ultra
Von Redaktion

Klappbare E-Bikes sind praktisch und pragmatisch. Sie sind kompakt, gut zu transportieren, nicht zu schwer und meist sogar im ÖPNV erlaubt. Im Fahrbericht zeigt das E-Klapprad Ado Air 20 Ultra aus China, was es kann.
E-Klapprad für unter 2000 Euro
Praktisches Automatikgetriebe
Kleines Klapprad kann gut mit den großen mithalten
Die Auswahl an zusammenklappbaren Bikes ist groß und deshalb auch ziemlich unübersichtlich. Die Preise rangieren je nach Marke, Einsatzzweck und Ausstattung zwischen knapp 500 und bis zu 7000 Euro. Im Fahrbericht: ein eher günstiges E-Klapprad im unteren preislichen Drittel. Das Ado Air 20 Ultra stammt aus China und kostet 1899 Euro.
E-Klapprad mit Automatikgetriebe

Zudem bietet das E-Klapprad eine technische Besonderheit: Der Hecknabenmotor ist mit einer Dreigang-Automatik kombiniert. Die Automatik sorgt aus dem Stand für einen flotten Start bis zum zweiten Gang bei etwa 10 km/h, bei 18 km/h wird geschmeidig die dritte Fahrstufe eingelegt.
Beim Bergauffahren oder bei niedrigerem Tempo legt der schlaue Automat fast unmerklich den passenden niedrigeren Gang ein. In der Praxis würde man sich zwischendurch ein bisschen mehr Flexibilität bei der Schaltstrategie wünschen. Zum Beispiel wenn man etwa an einer Steigung gerne eine kleinere Übersetzung hätte, der Automat aber noch keine Veranlassung zum Runterschalten sieht.
Dafür funktioniert das Falt-Pedelec auch bei leerer Batterie oder ausgeschaltetem E-Motor. Die Getriebeautomatik arbeitet mit Fliehkraft und braucht keinen Strom.
Flotte Fahrleistungen mit dem Ado Air

Im passenden Umfeld, nämlich in der Stadt und bei Ausflügen in nicht allzu hügeliges Terrain, kommt man mit dem Ado Air 20 Ultra gut vom Fleck. So gut, dass sogar Begleiter auf deutlich kräftigeren E-MTBs ihre liebe Mühe haben, mit dem 20-Kilo-Gerät auf seinen kompakten 20-Zoll-Reifen mitzuhalten.
Die Übersetzung der drei Gänge ist gut gewählt, ein Drehmomentsensor dosiert entsprechend dem vom Menschen im Sattel eingebrachten Anteil geschmeidig die Antriebskräfte vom Heck.
Und wenn es über das elektrisch unterstützte Tempo von 25 km/h hinausgeht, verursacht der kleine Motor (250 Watt Leistung, 40 Newtonmeter Drehmoment) praktisch keinen Widerstand. Bis knapp über 30 km/h kann man noch mit einer vernünftigen Trittfrequenz pedalieren.

Der Carbonriemen statt der herkömmlichen Kette läuft sehr leise, ist sauber und praktisch wartungsfrei. Und noch eine technische Besonderheit hat Ado im Ultra untergebracht: Mit einer Tastenkombination am Bedienteil kann man zwischen den Fahrmodi Eco und Sport umschalten – und hat dann pro Modus je drei Unterstützungsstufen zur Auswahl. Wobei Stufe 1 oder 2 im Eco-Modus in der Ebene und bei moderaten Anstiegen schon völlig ausreichen.
Nächste Ado-Besonderheit: Der Akku mit einer Kapazität von 346 Wattstunden (Wh) ist im kräftig dimensionierten Sattelrohr untergebracht. Die Reichweite gibt Ado mit bis zu 100 Kilometern an. Im Rahmen der Testfahrt waren in der Realität für diese Pedelec-Gattung sehr ordentliche 60 bis 70 Kilometer möglich.
Wie bei den meisten Klappbikes üblich, lässt sich das Ado mittig am Rahmen zusammenfalten, Lenker und Pedale werden eingeklappt und der Sattel ganz nach unten geschoben.
Der Schnellspanner zur Befestigung des Sattelrohr-Akkus ist abschließbar, damit der Stromspender nicht samt Sattel geklaut wird. Eine grün umrandete Taste oben auf der Batterie zeigt an, dass das System unter Strom steht. Auffallend und zunächst etwas beunruhigend: Nach dem Druck auf die Starttaste am links platzieren Display dauert es gefühlt eine Ewigkeit, bis es losgehen kann. In echt handelt es sich dabei um rund fünf Sekunden.
Klapprad auch für größere Fahrer geeignet

Sehr angenehm: der kräftige Gepäckträger, die komplette Beleuchtung (inklusive hinterem Blinker), die ordentlich verzögernden hydraulischen Scheibenbremsen und das gut ablesbare Display.
Weil Alurahmen und Klappscharnier sehr stabil sind und sich die Akku-Sattelstange weit herausziehen lässt, sind auch Radfahrende mit einer Körpergröße bis zu 1,90 Meter auf dem nur in einer Rahmengröße angebotenen Air 20 Ultra gut untergebracht.
Die Verriegelung in der Rahmenmitte ist Ado gut gelungen, da scheppert und wackelt nichts. Auch der abklappbare und höhenverstellbare Lenker macht einen sehr stabilen Eindruck. Die 20 Zoll machen das Bike agil, die Federgabel vorne sorgt für einen Hauch von Komfort auf holprigem Untergrund. Gemeinsam ermöglichen diese Zutaten flinke Kurvenkombinationen, ohne dass ein Gefühl von Instabilität aufkommen würde.
20 Zoll auch für Alltagsfahrten geeignet

Das Ado Air 20 Ultra ist sehr flexibel einsetzbar und alltagstauglich. Denn mit etwas Übung ist das Komplett-Zusammenklappen in weniger als 30 Sekunden erledigt, ebenso schnell geht es umgekehrt. Etwas nervig ist es, die an der Hinter- und Vorderachse montierten Magnete zur Stabilisierung der beiden Hälften zusammenzufügen, das klappt nicht immer auf Anhieb. Um das kompakte Paket in den Kofferraum zu heben, braucht es allerdings schon ein bisschen Kraft. So eben mal mit links lässt sich das Klapp-Bike nicht verstauen.
Fazit
Unterm Strich entpuppte sich das Ado Air 20 Ultra bei den ausgedehnten Testfahrten als positive Überraschung. Denn es ist definitiv keine rollende Verzichtserklärung, kein windiges Gefährt, das seine Daseinsberechtigung allein seiner Flexibilität verdanken würde. Es ist ein solides, flinkes und sicheres E-Bike mit moderner Antriebstechnik, das Spaß macht und auch auf längeren Ausflügen mit "erwachsenen" E-Bikes locker mithalten kann.
Text: Rudolf Huber