Richtige Rahmenhöhe fürs Fahrrad ermitteln: So geht es

Ein Fahhradverkäufer unterhält sich mit einer Kundin
Für die Wahl des passendes Fahrrads ist die richtige Rahmengröße unerlässlich© Shutterstock/industryviews

Wenn die Rahmengröße nicht passt, wird es unkomfortabel, ungesund und bisweilen sogar gefährlich. So einfach ist es, die richtige Rahmenhöhe fürs Fahrrad herauszufinden.

Die Rahmenhöhe des Fahrrads muss ergonomisch zur eigenen Größe passen. Ist der Fahrradrahmen zu groß, wird jeder Stopp an einer roten Ampel zum Balanceakt.

Ist sie zu klein, schmerzen bald Knie und Körper, weil die Tretbewegung nicht geschmeidig ablaufen kann. Eine falsche Rahmengröße wirkt sich auch auf das Handling des Bikes aus. Ganz besonders beim sportlichen Fahren: Nur der Einklang aus Körper- und Rahmengröße sorgt für Agilität. Das Fahrrad lässt sich dann besser steuern, die Kraft optimal nutzen.

Ideal ist es, bei einer Probefahrt die richtige Rahmenhöhe auszutesten. Diese Zeit sollte man sich unbedingt nehmen – und beim Händler auf einer Testfahrt bestehen. Schwierig wird es beim Onlinekauf. Trotzdem lässt sich die Rahmenhöhe auch selbst ermitteln, wenn man einige Faktoren berücksichtigt.

Zwei Faktoren für die richtige Rahmenhöhe

Die ideale Rahmenhöhe ist abhängig vom Fahrradtyp. So macht ein etwas kleinerer Rahmen das Bike sportlicher und wendiger. Schnelle Richtungsänderungen fallen leichter. Klar, dass ein tendenziell kleinerer Rahmen für Mountainbikes besser geeignet ist. Umgekehrt kommt ein leicht größerer Rahmen infrage, wenn Langstreckenkomfort und Laufruhe im Vordergrund stehen. Das betrifft zum Beispiel Holland-, Touren-, aber auch Rennräder.

Doch letztlich geht es dabei um Nuancen der Rahmenhöhe, denn den wichtigsten Einfluss haben die Maße desjenigen, der auf dem Fahrrad sitzt. Die entscheidende Größe ist dabei die Schrittlänge.

Schrittlänge bestimmen

Die Schrittlänge ist die Länge der Beininnenseiten bis zum Boden. Eine fehlerhafte Messung im Zentimeterbereich kann hier schon zum Kauf eines Rads mit unpassender Rahmenhöhe führen. Wer den Wert also möglichst exakt wissen will, sollte die Messung in Unterwäsche und ohne Schuhe vornehmen. Ein Buch hilft beim Messen.

Dazu stellt man sich mit geschlossenen Beinen gerade an die Wand, führt das Buch längs zwischen den Beinen so weit nach oben, dass es im Schritt anschließt, aber kein Druckgefühl erzeugt. Gemessen wird der Abstand von der nach oben zeigenden Kante des Buchs und dem Boden. Nur sollte man darauf achten, dass das Buch waagerecht im Schritt sitzt.

Berechnen der idealen Rahmenhöhe

Die gemessene Schrittlänge wird mit einem Fahrradtyp-spezifischen Faktor multipliziert. Für die wichtigsten Bike-Arten gilt:

  • Hollandrad: 0,67

  • Rennrad: 0,665

  • Trekkingrad: 0,66

  • Citybike: 0,66

  • Crossbike: 0,61

  • Mountainbike: 0,57

Ein Beispiel am Mountainbike: Als Schritthöhe wurden 79 cm ermittelt. Multipliziert mit dem Faktor 0,57 ergibt das einen Wert von 45,03 – also eine Rahmenhöhe von 45 cm.

Liegt der errechnete Wert zwischen zwei Rahmengrößen, gilt als Orientierung: Für ein agileres, sportliches Fahrverhalten wählt man das kleinere Fahrrad. Ist man eher tourenorientiert, könnte die Entscheidung für das größere Modell ausfallen. Nicht berücksichtigt sind hier die persönlichen Vorlieben. Das Fahrempfinden bleibt individuell. Die ermittelte Rahmenhöhe liefert aber eine solide Ausgangsbasis.

Tatsächliche Rahmenhöhe bestimmen

Steht die Rahmenhöhe fest, sollte man noch wissen, dass es verschiedene Messangaben bei den Herstellern für die Rahmenhöhe gibt. Gängiger ist die Center-to-Top-Variante. Hier wird der Abstand zwischen der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Sitzrohrs gemessen. Darauf berufen sich die meisten Fahrradhersteller bei ihren Angaben.

Seltener ist die Center-to-Center-Methode. Bei ihr wird von der Mitte des Tretlagers bis zur Kreuzung von Ober- und Sitzrohr gemessen. Damit fällt dieser Wert etwas kleiner aus. Wenn man nicht direkt am Fahrrad den tatsächlichen Wert nachmessen kann, sollte man vor dem Kauf noch mal gezielt nachfragen.

Auf den Internetseiten der Hersteller lässt sich meist in der Geometrie-Zeichnung des Rahmens erkennen, welche Messangabe gewählt wurde.

Mit dem ADAC Newsletter immer top informiert!

Sonderfall Sloping

Bekannt sein sollte in dem Zusammenhang, dass nicht alle Fahrräder der klassischen Geometrie mit waagerechtem Oberrohr entsprechen. Das nach vorne ansteigende Oberrohr, Insider sprechen vom sogenannten Sloping, führt zu kleineren Werten für die Rahmenhöhe. Wer sich für ein Fahrrad dieser Machart interessiert, sollte das berücksichtigen und sich genauer informieren.

Hilfreich für die richtige Größenbestimmung ist es dann, eine gedachte waagerechte Linie zwischen vorderem Oberrohr und der Verlängerung des Sitzrohrs zu bilden. Die gedachte Verlängerung kann natürlich keinen exakten Wert liefern. Sie gibt daher nur einen Anhaltspunkt.

Rahmenhöhe ermitteln, Fahrradgröße, Schritt Abmessung
Zur Bestimmung der Rahmenhöhe wird die Schrittlänge, also der Abstand vom Schritt bis zum Boden, mit einem Fahrradtyp-spezifischen Faktor multipliziert. Das Ergebnis zeigt die benötigte Rahmenhöhe. Doch Vorsicht: Hersteller verwenden unterschiedliche Messmethoden© ADAC e.V.
  1. Center-to-Top-Variante – gängigste Methode zur Angabe der Rahmenhöhe. Gemessen wird der Abstand zwischen der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Sitzrohrs.

  2. Center-to-Center-Methode – hierfür nimmt man das Maß von der Mitte des Tretlagers bis zur Kreuzung von Ober- und Sitzrohr.

  3. Sloping – dabei wird durch das schräge Sitzrohr die Rahmenhöhe kürzer gemessen, als es bei einem klassischen waagerechten Oberrohr der Fall wäre.

Über die Körperlänge ermitteln

Wenn die Zeit nicht zum Messen reicht, z.B. weil es beim Fahrradverleih schnell gehen muss, lässt sich die Rahmenhöhe auch anhand der Körpergröße bestimmen. Dazu hilft nachfolgende Tabelle. Allerdings sind diese Zahlen nur als Richtwerte zu verstehen, weil das individuelle Verhältnis von Oberkörper zu Beinlänge variieren kann. Beim Fahrradkauf liefert die Schrittlänge deshalb die zuverlässigeren Werte.

Körpergröße

Montainbike

Trekking-/

Cityrad

Rennrad

Hollandrad

156–165 cm

35–38 cm

47–49 cm

46–47 cm

47–49 cm

166–170 cm

39–41 cm

50–52 cm

48–49 cm

50–52 cm

171–175 cm

42–43 cm

53–55 cm

50–51 cm

53–55 cm

176–180 cm

44–46 cm

56–58 cm

52–54 cm

56–58 cm

181–185 cm

47–49 cm

59–61 cm

55–56 cm

59–61 cm

186–190 cm

50–52 cm

62–64 cm

57–59 cm

62–64 cm

191–195 cm

53–55 cm

65–67 cm

60–62 cm

66–67 cm

196–200 cm

56–59 cm

67–70 cm

63 cm

67–70 cm

Rahmenhöhe von Kinderfahrrädern

Die ideale Rahmenhöhe bei Kinderfahrrädern wird üblicherweise an der Körpergröße des Kindes bemessen. Folgende Tabelle liefert eine Orientierung. Gerade weil vor allem die leichten Kinderräder nicht gerade preiswert sind und Kinder schnell wachsen, erscheint es naheliegend, ein Kinderrad tendenziell etwas größer zu kaufen. Das kann aber Frust zur Folge haben: Besonders am Anfang ist für Kinder ein genau passender Rahmen wichtig, damit sie sich sicher und wohl beim Fahren fühlen.

Körpergröße

Alter in Jahren

Radgröße in Zoll

Rahmenhöhe in cm

95–105 cm

2–3

12"

18–21

100–115 cm

3–4

12"–16"

21–23

100–120 cm

4–5

16"–18"

23–29

115–125 cm

5–6

18"

25–32

120–135 cm

6–8

20"

25–34

130–150 cm

8–11

24"

28–35

140–160 cm

11–13

24"–26"

32–38

Diese Angaben sind Richtwerte. Kinder innerhalb einer Altersgruppe entwickeln sich unterschiedlich.