Richtige Rahmenhöhe fürs Fahrrad ermitteln: So geht es

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Von Redaktion

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Verkäufer und Kunde in einem Fahrradgeschäft
Für die Wahl des passenden Fahrrads ist die richtige Rahmengröße unerlässlich© iStock.com/Nastasic

Wenn die Rahmengröße nicht passt, wird es unkomfortabel und ungesund. So einfach ist es, die richtige Rahmenhöhe für das Fahrrad zu ermitteln.

  • Die richtige Rahmenhöhe ist abhängig vom Fahrradtyp

  • Was es mit Bikefitting auf sich hat

  • So wichtig sind Stack und Reach

Warum die richtige Rahmenhöhe wichtig ist

Die Rahmenhöhe des Fahrrads muss ergonomisch zur eigenen Körpergröße passen. Ist der Fahrradrahmen zu groß, wird jeder Stopp an einer roten Ampel zum Balanceakt. Ist sie zu klein, schmerzen bald Knie und Körper, weil die Tretbewegung nicht geschmeidig ablaufen kann.

Eine falsche Rahmenhöhe wirkt sich auch auf das Handling des Bikes aus. Ganz besonders beim sportlichen Fahren: Nur der Einklang aus Körper- und Rahmengröße sorgt für Agilität. Das Fahrrad lässt sich dann besser und sicherer steuern, die Kraft optimal nutzen.

Am besten bei einer Probefahrt die Rahmenhöhe austesten. Wer ein neues Fahrrad bei einem Händler vor Ort kaufen möchte, sollte die Möglichkeit nutzen. Und beim Onlinekauf? Die Rahmenhöhe lässt sich auch selbst ermitteln, wenn folgende Faktoren berücksichtigt werden.

Welche Faktoren die ideale Rahmenhöhe bestimmen

Die ideale Rahmenhöhe ist abhängig vom Fahrradtyp. Ein etwas kleinerer Rahmen macht das Bike sportlicher und wendiger. Schnelle Richtungsänderungen fallen leichter. Das ist zum Beispiel bei Mountainbikes praktischer. Ein etwas größerer Rahmen kommt infrage, wenn Langstreckenkomfort und Laufruhe gefragt sind. Das betrifft beispielsweise Holland-, Touren-, aber auch Rennräder.

Letztlich geht es um Nuancen der Rahmenhöhe, denn den wichtigsten Einfluss haben die Körpermaße des Radfahrenden.

Bikefitting: Anpassung für maximalen Komfort

Ein sehr individueller Ansatz, um das richtige Fahrrad zu finden, ist Bikefitting. Der Händler untersucht meist nach einer ersten Analyse die Beweglichkeit und die Körpermaße und beobachtet etwa die Bewegung unter Belastung. Aus diesen Ergebnissen werden eine genaue Rahmengröße abgeleitet sowie die Einstellungen der Komponenten wie Sattel oder Vorbau vorgeschlagen. Meist werden die Kosten für das Bikefitting beim Kauf eines Rades angerechnet.

Stack und Reach: Der Schlüssel zum passenden Fahrrad

Bei der Auswahl eines Fahrrads stößt man häufig auf die Begriffe Stack und Reach. Diese Maße beschreiben die Geometrie des Rahmens deutlich genauer als Größenangaben wie S, M oder Zoll und helfen dabei, ein besser passendes Fahrrad zu finden. Gemessen werden beide Werte vom Tretlager aus:

  • Stack beschreibt die vertikale Höhe des Rahmens, also den senkrechten Abstand vom Mittelpunkt des Tretlagers bis zur Oberkante des Steuerrohrs.

  • Reach bezeichnet die horizontale Länge des Rahmens, also den waagerechten Abstand vom Tretlager zur gleichen Stelle am Steuerrohr.

Zusammen geben sie an, wie hoch und wie lang ein Rahmen ist – unabhängig von Anbauteilen wie Sattel, Lenker oder Vorbau.

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© ADAC

Warum Stack und Reach wichtiger sind als Rahmengrößen

Größenangaben (etwa "56 cm" oder "Größe M") beim Fahrrad sind nicht genormt. Jeder Hersteller verbirgt hinter diesen Angaben unterschiedliche Geometrien. Ein Rennrad in Größe 56 fühlt sich völlig anders an als ein Gravelbike oder Trekkingrad mit derselben Angabe.

Stack und Reach ermöglichen einen objektiven Vergleich zwischen verschiedenen Modellen und Marken. Wer weiß, welche Werte zur eigenen Körperproportion und gewünschten Sitzposition passen, kann gezielter auswählen.

So beeinflusst der Stack-to-Reach-Quotient die Sitzposition

Der Stack-to-Reach-Quotient (STR) zeigt auf einen Blick, wie aufrecht oder sportlich die Sitzposition ausfällt. Er setzt die Höhe (Stack) ins Verhältnis zur Länge (Reach) des Rahmens. Je höher der Wert, desto aufrechter und komfortabler sitzt man; je niedriger, desto sportlicher.

  • Stack-to-Reach-Quotient über 1,55:
    Komfortabel

  • Stack-to-Reach-Quotient zwischen 1,45 und 1,55:
    Sportlich auch für Mountainbikefahrende

  • Stack-to-Reach-Quotient unter 1,45:
    Gut für fortgeschrittene und trainierte Rennradfahrende

Wer sein Verhältnis von Beinlänge zum Oberkörper kennt, kann sich die Rahmengrößen noch besser bestimmen lassen. Radler mit langen Beinen brauchen kürzere Rahmen mit einem Stack-to-Reach von über 1,55. Personen mit größerem Oberkörper brauchen dagegen einen längeren Rahmen mit Stack-to-Reach von unter 1,45.

Dieses Verhältnis von Beinlänge zum Oberkörper lässt sich zum Beispiel mithilfe des Bikefittings bestimmen. Grundsätzlich gilt:

  • Hoher Stack, kurzer Reach
    → Eher aufrechte, komfortable Sitzposition: Typisch für Citybikes, Trekkingräder und viele E-Bikes

  • Niedriger Stack, langer Reach
    → Gestreckte, sportliche Haltung: Häufig bei Rennrädern oder sportlichen Gravelbikes

  • Hoher Stack, langer Reach
    → Viel Platz, aber dennoch relativ aufrecht: Interessant für große Fahrer

  • Niedriger Stack, kurzer Reach
    → Kompakte, tiefe Position: Vor allem bei kleinen Rahmengrößen.

Für den Alltag, längere Touren oder Pendelstrecken ist eine moderate Kombination mit ausreichend Stack oft angenehmer für Rücken, Nacken und Handgelenke.

Wann Stack und Reach besonders relevant sind

  • Neukauf eines Fahrrads:
    Wer zwischen zwei Größen schwankt oder Modelle verschiedener Hersteller vergleicht, bekommt mit Stack und Reach eine verlässliche Orientierung.

  • Umstieg auf einen anderen Fahrradtyp:
    Beim Wechsel etwa vom Trekkingrad auf ein Gravelbike zeigen Stack und Reach, wie stark sich die Sitzposition verändert.

  • Menschen mit Rückenproblemen:
    Ein ausreichend hoher Stack kann helfen, Überlastungen zu vermeiden.

Ein dritter Weg zur richtigen Rahmengröße – neben Bikefitting sowie Stack und Reach – führt über die Schrittlänge.

Schrittlänge messen: So geht es richtig

Die Schrittlänge ist die Länge der Beininnenseiten bis zum Boden. Eine fehlerhafte Messung im Zentimeterbereich kann zum Kauf eines Rads mit unpassender Rahmenhöhe führen. Wer seinen Wert möglichst exakt wissen will, sollte die Messung in Unterwäsche und ohne Schuhe vornehmen.

Ein Buch hilft beim Messen. Dazu stellt man sich mit geschlossenen Beinen gerade an die Wand, führt das Buch längs zwischen den Beinen so nach oben, dass es im Schritt anschließt, aber kein Druckgefühl erzeugt. Gemessen wird der Abstand zwischen der nach oben zeigenden Kante des Buchs und dem Boden. Nur sollte man darauf achten, dass das Buch waagerecht im Schritt sitzt.

Rahmenhöhe berechnen je Fahrradtyp

Die gemessene Schrittlänge wird mit einem Fahrradtyp-spezifischen Faktor multipliziert.

Das gilt für die wichtigsten Bike-Arten

  • Hollandrad: 0,67

  • Rennrad: 0,665

  • Trekkingrad: 0,66

  • Citybike: 0,66

  • Crossbike: 0,61

  • Mountainbike: 0,57

Rechenbeispiel Mountainbike: Als Schritthöhe wurden 79 Zentimeter ermittelt. Multipliziert mit dem Faktor 0,57 ergibt das einen Wert von 45,03 – also eine Rahmenhöhe von 45 Zentimetern.

Liegt der errechnete Wert zwischen zwei Rahmengrößen, gilt als Orientierung: Für ein agileres, sportliches Fahrverhalten wählt man das kleinere Fahrrad. Ist man eher tourenorientiert, könnte die Entscheidung für das größere Modell ausfallen. Nicht berücksichtigt sind hier die persönlichen Vorlieben. Das Fahrempfinden bleibt individuell. Die ermittelte Rahmenhöhe liefert aber eine solide Ausgangsbasis.

Messmethoden bei Fahrradrahmen unterschiedlich

Steht die Rahmenhöhe fest, sollte man noch wissen, dass es verschiedene Messangaben bei den Herstellern für die Rahmenhöhe gibt. Gängiger ist die Center-to-Top-Variante. Hier wird der Abstand zwischen der Mitte des Tretlagers und der Oberkante des Sitzrohrs gemessen. Darauf berufen sich die meisten Fahrradhersteller bei ihren Angaben.

Seltener ist die Center-to-Center-Methode. Bei ihr wird von der Mitte des Tretlagers bis zur Kreuzung von Ober- und Sitzrohr gemessen. Damit fällt dieser Wert etwas kleiner aus. Wenn man nicht direkt am Fahrrad den tatsächlichen Wert nachmessen kann, sollte man vor dem Kauf noch mal gezielt nachfragen.

Auf den Internetseiten der Hersteller lässt sich meist in der Geometrie-Zeichnung des Rahmens erkennen, welche Messangabe gewählt wurde.

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Sonderfall Sloping: Darauf sollten Sie achten

Bekannt sein sollte in diesem Zusammenhang, dass nicht alle Fahrräder der klassischen Geometrie mit waagerechtem Oberrohr entsprechen. Das nach vorne ansteigende Oberrohr – Insider sprechen vom sogenannten Sloping – führt zu kleineren Werten für die Rahmenhöhe. Wer sich für ein Fahrrad dieser Machart interessiert, sollte das berücksichtigen und sich genauer informieren.

Hilfreich für die richtige Größenbestimmung ist es dann, eine gedachte waagerechte Linie zwischen vorderem Oberrohr und der Verlängerung des Sitzrohrs zu bilden. Die gedachte Verlängerung kann natürlich keinen exakten Wert liefern. Sie gibt daher nur einen Anhaltspunkt.

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Zur Bestimmung der Rahmenhöhe wird die Schrittlänge, also der Abstand vom Schritt bis zum Boden, mit einem Fahrradtyp-spezifischen Faktor multipliziert. Das Ergebnis zeigt die benötigte Rahmenhöhe. Doch Vorsicht: Hersteller verwenden unterschiedliche Messmethoden© ADAC e.V.
  1. Center-to-Top-Variante: Gängigste Methode zur Angabe der Rahmenhöhe. Gemessen wird der Abstand zwischen der Mitte des Tretlagers und der Oberkante des Sitzrohrs.

  2. Center-to-Center-Methode: Hierfür nimmt man das Maß von der Mitte des Tretlagers bis zur Kreuzung von Ober- und Sitzrohr.

  3. Sloping: Dabei wird durch das schräge Sitzrohr die Rahmenhöhe kürzer gemessen, als es bei einem klassischen waagerechten Oberrohr der Fall wäre.

Größentabelle: Rahmenhöhe nach Körpergröße bestimmen

Wenn die Zeit nicht zum Messen der Schrittlänge reicht, weil es zum Beispiel beim Fahrradverleih schnell gehen muss, lässt sich die Rahmenhöhe auch grob anhand der Körpergröße bestimmen. Dazu hilft nachfolgende Tabelle. Allerdings sind diese Zahlen nur als Richtwerte zu verstehen, weil das individuelle Verhältnis von Oberkörper zu Beinlänge von Person zu Person variieren kann.

KörpergrößeMontainbikeTrekking-/ CityradRennradHollandrad

156–165 cm

35–38 cm

47–49 cm

46–47 cm

47–49 cm

166–170 cm

39–41 cm

50–52 cm

48–49 cm

50–52 cm

171–175 cm

42–43 cm

53–55 cm

50–51 cm

53–55 cm

176–180 cm

44–46 cm

56–58 cm

52–54 cm

56–58 cm

181–185 cm

47–49 cm

59–61 cm

55–56 cm

59–61 cm

186–190 cm

50–52 cm

62–64 cm

57–59 cm

62–64 cm

191–195 cm

53–55 cm

65–67 cm

60–62 cm

66–67 cm

196–200 cm

56–59 cm

67–70 cm

63 cm

67–70 cm

Rahmenhöhe bei Kinderfahrrädern richtig wählen

Die ideale Größe eines Kinderfahrrads richtet sich üblicherweise nach der Körpergröße des Kindes. Folgende Tabelle liefert eine Orientierung. Weil auch kleinere Bikes nicht gerade billig sind und die Kinder schnell wachsen, erscheint es naheliegend, ein Kinderrad tendenziell etwas größer zu kaufen. Besonders am Anfang ist für Kinder ein genau passender Rahmen allerdings wichtig, damit sie sich beim Fahren wohl- und sicher fühlen.

Alter (ca.)KörpergrößeSchrittlängeLaufradgröße (Zoll)Empfehlung/Hinweis

1,5–3 Jahre

85–100 cm

30–40 cm

10"–12"

Lauflernrad, erste Fahrversuche

3–4 Jahre

95–110 cm

40–45 cm

12"–14"

Kleinere Kinderräder, oft noch ohne Gangschaltung

4–6 Jahre

105–120 cm

45–55 cm

16"

Einsteiger-Pedalfahrrad, meist ohne Schaltung

6–8 Jahre

115–130 cm

55–60 cm

18"–20"

Stabilere Kinderfahrräder, oft mit 1–7 Gängen

8–10 Jahre

125–145 cm

60–70 cm

20"–24"

Kinderräder mit Kettenschaltung

10–12 Jahre

140–160 cm

65–75 cm

24"–26"

Jugendräder, ähnlich Erwachsenenrädern

ab 12 Jahre

ab ca. 150 cm

ab 70 cm

26" / S-Rahmen

Jugend-/Erwachsenenrad

Die Tabelle dient als erste Orientierung, welche Laufradgröße für welche Körpergröße für das Kinderfahrrad geeignet sein kann: Wichtig bleibt, wie das Kind auf dem Fahrrad sitzen und ob es sich abstützen kann.