ADAC Test: Fahrradhelme für Kinder und Kleinkinder

20.5.2016

Wir haben zusammen mit Stiftung Warentest 19 Fahrradhelme für Kleinkinder und Kinder untersucht, denn sie unterscheiden sich nicht nur bei der Optik, sondern auch bei der Schutzwirkung. Das sind die Gewinner und Verlierer. 

Kinder fahrradhelm Test
Fahrradhelm Test für Kinder/©ADAC/Stefanie Aumiller

Testergebnis und Einzelbewertungen

0,6 bis 1,5
sehr gut
1,6 bis 2,5
gut
2,6 bis 3,5
befriedigend
3,6 bis 4,5
ausreichend
ab 4,6
mangelhaft

Fazit

Erfreulich ist, dass kein Helm bei den Stoßprüfungen versagt, also bei den Prüfungen zumindest mit gut bis befriedigend abschneidet. 

Problematisch zeigten sich aber zwei Exemplare: der O’Neal Dirt Lid Kids und der Melon Urban Active. Beide Helme für Kleinkinder sind tatsächlich größer als angegeben. Deshalb fallen sie bei der Abstreifprüfung durch und müssen auf mangelhaft abgewertet werden. Denn was nutzt eine gute Schutzeigenschaft, wenn sich der Helm beim Sturz vom Kopf verabschiedet.

Ein häufiges Problem ist die Erkennbarkeit im Dunkeln. Oft werden Reflektorflächen aus Designgründen eingeschränkt oder ganz weggelassen. Im Test das Negativbeispiel: der Kinderhelm Bell Sidetrack Child. Er bietet zwar gute Unfall- und Handhabungseigenschaften, verzichtet aber auf jeglichen Reflektor. Auch der Kleinkinderhelm Giro Scamp Mips muss ohne Reflektoren auskommen.

Bei der Handhabung und den Trageeigenschaften zeigt kein Testteilnehmer echte Schwächen, die Ergebnisse liegen im guten bis befriedigenden Bereich. Verbesserungspotenzial besteht noch bei Gebrauchsanleitungen und Gebrauchshinweisen.

Zwei Helme fielen beim Test der Hitzebeständigkeitsprüfung negativ auf. Beim Kinderhelm Fischer FZ-018 löste sich die äußere Folie. Damit ist der Helm so beschädigt, dass er im Falle eines Sturzes keine ausreichende Aufprallsicherheit leisten könnte. Leichte Ablösungen zeigte auch der Kleinkinderhelm KED Meggy.

Die Schadstoffprüfung offenbarte bei drei Helmen Schwächen. Der Kinderhelm ABUS Scraper Kid sowie die Kleinkinderhelme Melon Urban Active und Giro Scamp Mips hatten deutlich zu hohe PAK-Konzentrationen im Kinnband und den Pads zur Polsterung.


Allgemein zeigten sich folgende positive Eigenschaften im Test:

  • Alle Helme weisen eine mindestens befriedigenden Stoßdämpfung auf.
  • Alle Helme haben guten bis befriedigenden Tragekomfort.
  • Insgesamt ist bei fast allen Testkandidaten ein hohes Schutzniveau feststellbar.

Es gab aber auch unerfreuliche Ergebnisse:

 

  • Drei Helme weisen eine deutliche Schadstoffbelastung auf.
  • Zwei der getesteten Kleinkinderhelme sind deutlich größer als vom Hersteller angegeben.
  • Unter den im Test vertretenen Helmen zeigten zwei Schwächen bei der Hitzebeständigkeit.
  • Die Beschriftung im Helm ist bei allen Helmen nur mangelhaft lesbar.

Tipps für den Helmkauf

  • Die ADAC Unfallforschung belegt, dass ein Helm beim Sturz effektiv vor vielen Kopfverletzungen schützen kann. Auch der schlechteste Helm im Test ist in der Lage, Leben zu retten – wenn er denn wirklich getragen wird. Daher gilt: Bitte immer nur mit Helm radeln!
  • Unabhängig von allen Testergebnissen muss ein Helm immer anprobiert werden, um den für die individuelle Kopfform besten Typ zu bestimmen. Hierbei muss der Helm gleichmäßig straff und angenehm sitzen, darf aber nicht drücken oder einschneiden.
  • Tauschen Sie den Helm nach einem Sturz unbedingt aus, auch wenn keine äußeren Schäden sichtbar sind. Denn falls ein innerer struktureller Schaden vorhanden ist, kann die Schutzwirkung beim nächsten Sturz deutlich geringer sein.
  • Achten Sie darauf, dass der Helm mit großen und sinnvoll positionierten Reflektoren, optimaler Weise sogar mit einem LED-Licht ausgestattet ist.
  • Wählen Sie möglichst helle und auffällige Farben beim Helmdekor. Diese steigern nicht nur die Erkennbarkeit, sondern verringern im Vergleich zu dunklen Dekors zudem das Aufheizen des Helmes durch Sonneneinstrahlung.
  • Das Helmdekor muss dem Kind gefallen, denn ein Helm, der nicht gefällt, wird auch nicht getragen.

Empfehlungen an die Hersteller

    • Ein Helm muss leicht bedienbar sein und durch effektive Verstellmechanismen an die individuelle Kopfgröße angepasst werden können.
    • Die Erkennbarkeit muss bei vielen der getesteten Helme weiter gesteigert werden.
    • Die Kennzeichnung der Helme ist bei allen im Test vertretenen Produkten noch verbesserungswürdig.
    • Die Größenangaben müssen zu den tatsächlichen Helmgrößen passen.
    • Zumindest all jene Teile müssen frei von Schadstoffen sein, die Kontakt zur Haut des Helmträgers haben.

So haben wir getestet

Unfallschutz

Die Testkriterien lassen sich in vier Kategorien aufteilen. Die ersten beiden konzentrieren sich auf Unfallschutz sowie Komfort mit Trageeigenschaften und Handhabung.

Der Unfallschutz umfasst:

 

    • Stoßdämpfung: Simulieren eines Sturzes auf die Straße und auf die Bordsteinkante, bei unterschiedlichen Temperaturen (50 °C, -20 °C).
    • Erweiterte Stoßprüfung: Stoßprüfung mit Untersuchung der Rotationsbeschleunigung
    • Abstreifsicherheit: Helm darf bei einem Unfall nicht nach vorne oder hinten abrutschen
    • Kinnbandfestigkeit: Prüfung der Reißfestigkeit des Kinnbandes, Öffnung des Verschlusses unter Last
    • Erkennbarkeit im Dunkeln: Anzahl, Größe und Position von Reflektoren, optimal zusätzliche Beleuchtung
    • Konstruktive Sicherheit: z.B. erhöhtes Verletzungsrisiko durch Verstellmechanismen oder Schraubverbindungen

 

Komfort, Trageeigenschaften und Handhabung

Komfort, Trageeigenschaften und Handhabung umfassen:

  • Gebrauchsanleitung
  • Aufsetzen
  • Absetzen
  • Tragekomfort und Passform des Helmes
  • Tragekomfort Kinnriemen und Verschluss
  • Belüftung des Helmes
  • Sichtfeld
  • Reinigen

Die Kategorien drei und vier widmen sich der Hitzebeständigkeit eines jeden Helmes sowie den enthaltenen und abgegebenen Schadstoffen (u.a. Weichmacher).