Wohnmobil-Hersteller müssen Kinder besser schützen

Gut geschützt: Im ADAC Crashtest erweist sich die Rückbank des VW Grand California als stabil ∙ Bild: © ADAC/Ralph Wagner, Video: © ADAC e.V.

Eine Crashtest-Reihe zeigt, dass in den meisten Wohnmobilen das Verletzungsrisiko auf der Rückbank sehr hoch ist. Der ADAC empfiehlt den Herstellern dringend einen stabilen Unterbau der Bänke.

  • Sitzbänke mit Holzkonstruktion kollabieren

  • Sichere Rückbank im VW Grand California

  • ADAC empfiehlt Herstellern Metallunterbau

Hinten sitzt man in den meisten Wohnmobilen gefährlich: In einem ADAC Crashtest 2020 brach die Rückbank eines ausgebauten Kastenwagens völlig zusammen – bei einem echten Unfall wäre das Verletzungsrisiko für Erwachsene und Kinder sehr hoch. Größter Schwachpunkt: der Holzunterbau der Sitzfläche. Wesentlich sicherer sind hier stabile Metallkonstruktionen. Das zeigte 2021 ein Crashversuch mit nachrüstbaren Rückbänken.

Und auch ein dritter Crashtest, diesmal mit der Rückbank des VW Grand California, bestätigte die Überlegenheit solcher Systeme in puncto Sicherheit. "Unsere Testreihe zeigt, dass die Hersteller hier dringend etwas verbessern müssen", sagt der für die Crashtest-Reihe zuständige Projektleiter Andreas Ratzek vom ADAC Technik Zentrum.

VW-Rückbank sicher, aber nicht ideal für Kindersitze

Die Ergebnisse des Tests von 2020 sind auf den Großteil der serienmäßigen Wohnmobile, auf ausgebaute Kastenwagen und Teilintegrierte übertragbar. Das heißt: In den meisten in Deutschland verkauften Wohnmobilen sind instabile Rückbänke mit einer Holzunterkonstruktion verbaut.

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Besser geschützt mit stabilem Stahlgestell: Die Crashtests von 2020 (links) und 2022 zeigen, dass die Hersteller etwas für die Sicherheit der Insassen auf der Rückbank tun müssen. © ADAC e.V.

Dass es deutlich sicherer geht, zeigt der VW Grand California. Hier besteht nur die Verkleidung der Rückbank aus Holz, das tragende Bauteil ist ein 4,4 Kilo schwerer Rahmen aus Vierkant-Stahlrohr. Das bewährte sich in der Crash-Anlage im ADAC Technik Zentrum im bayerischen Landsberg: Der Testschlitten mit der Sitzbank wurde exakt unter den Bedingungen des Wohnmobil-gegen-Auto-Crashs von 2020 gecrasht. Die Auswertung der Dummy-Daten ergab, dass Kind und Erwachsener gute Chancen haben, einen Unfall mit leichten Verletzungen zu überstehen. "Die Bank hält den Belastungen des Aufpralls stand und schafft damit die Grundvoraussetzung für einen guten Schutz", sagt Ratzek, "das Verletzungsrisiko ist für die Insassen hinten gering."

In Sachen Sicherheit ist der VW California vorbildlich, Schwächen zeigen sich bei der Montage von Kindersitzen. Mit einer Breite von jeweils 420 Millimetern sind die beiden Sitzplätze auf der Rückbank etwas zu knapp geraten. Kindersitze mit i-Size-Zulassung dürfen zwischen 440 und 520 Millimeter breit sein, und auch andere Modelle sind nicht schmaler. Das geringe Platzangebot auf der Rückbank schränkt die Auswahl an Kindersitzen erheblich ein.

Das sollten die Hersteller für mehr Sicherheit tun

Aufnahme während eines Wohnmobilcrashs, Test der Rücksitzbank
Crash-Versuch im ADAC Technik Zentrum mit der Rückbank eines VW Grand California, besetzt mit einem Erwachsenen- und einem Kinder-Dummy © ADAC/Ralph Wagner

Die Testreihe des ADAC zeigt, dass die Branche deutlich mehr für die Sicherheit von Kindern und Erwachsenen tun muss. "Die Wohnmobil-Hersteller müssen dringend nachbessern", sagt Ratzek, "und alle Fahrzeuge mit stabilen Rücksitzbänken ausstatten." Das sei nicht sehr aufwendig und mache sich auch beim Gewicht nur geringfügig bemerkbar. "Mit einer Stahl-Unterkonstruktion wird das Sitzgestell nur knapp fünf Kilo schwerer, aber viel sicherer", so der Experte.

Und in Sachen Kindersitz wünscht sich Ratzek, dass alle Hersteller die Anforderungen der i-Size-Zulassung erfüllen. "Dann ist gewährleistet, dass fast alle Kindersitze ins Auto passen und vor allem sicher angebracht werden können", erklärt der Testleiter. "In den meisten Wohnmobilen, auch beim California, ist die Sitzbank sehr hoch, das verhindert, dass der Stützfuß sicheren Kontakt zum Boden hat." Der bei vielen Kindersitzen angebrachte Stützfuß verhindert, dass der Kindersitz beim Unfall nach vorne kippt.

Das können Verbraucher für mehr Sicherheit tun

Wohnmobil-Fahrerinnen und -Fahrer, die ihr Fahrzeug sicherer machen wollen, können die Sitzbank mit einem stabilen Rahmen verstärken. Da solche Rahmen nicht als Standard-Produkt verfügbar sind, müssen sie individuell von einem Fahrzeugbau- oder Metallbaubetrieb angepasst werden.

Und auch ohne fremde Hilfe können Camper für mehr Sicherheit sorgen. Zum Beispiel, indem sie während der Fahrt den Esstisch vor der hinteren Sitzreihe demontieren oder einklappen. Andernfalls können sich die Mitfahrenden bei einem Unfall daran sehr schwer verletzen.

Christof Henn
Redakteur
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