Aquaplaning: Wenn Regen zur Gefahr wird

21.2.2019

Aquaplaning ist bei Autofahrern gefürchtet. Ähnlich wie Blitzeis kann es plötzlich auftreten und ist dann besonders gefährlich. Nicht selten ist Aquaplaning Auslöser für Unfälle. Was Sie tun können, um das Risiko zu verringern, erfahren Sie hier.

Aquaplaning auf nasser Straße
© ADAC Wolfgang Grube 

Aquaplaning (auch Wasserglätte) bezeichnet das Aufschwimmen des Reifens auf dem Wasser einer nassen Fahrbahn. In diesem Fall schieben sich die Wassermassen wie ein Keil zwischen den Straßenbelag und den Autoreifen. Die Reifen können die Wassermassen nicht mehr "verdrängen" und verlieren den direkten Kontakt zur Straße (d.h. sie schwimmen auf), werden damit unbeherrschbar und unberechenbar. Grundsätzlich kann Aquaplaning auf allen Straßen mit erhöhtem oder hohem Wasserstand auftreten. Überall dort, wo Regenwasser nicht richtig ablaufen kann, also in Senken, Unterführungen, Spurrillen oder Kurven ist besondere Vorsicht geboten. 

Woran erkennt man Aquaplaning?  

Aquaplaning erkennt man hauptsächlich an einer leichtgängigen Lenkung, an Drehzahlschwankungen des Motors und daran, dass unter dem Fahrzeug übermäßig laute Wassergeräusche auftreten. Das Phänomen droht übrigens nicht nur bei sehr hohen Geschwindigkeiten. Es gibt mehrere Faktoren, die Aquaplaning verursachen beziehungsweise begünstigen: 

Wassertiefe

Je höher der Wasserstand auf der Straße, desto niedriger ist die Grenzgeschwindigkeit, bis zu der noch Grip und damit Kontrollierbarkeit gegeben ist. Diese Grenzgeschwindigkeit wird auch Aufschwimmgeschwindigkeit genannt.

Fahrgeschwindigkeit

Mit steigender Geschwindigkeit nimmt die Gefahr für Aquaplaning zu. Ab etwa 80 km/h ist das Risiko eines Aufschwimmens auf dem Wasserfilm deutlich erhöht, aber auch unterhalb dieser Geschwindigkeit ist Aquaplaning möglich.

Übrigens: Die Aufschwimmgeschwindigkeit wird im Rahmen des ADAC-Reifentests für jeden Testreifen gemessen und dient der Beurteilung der Aquaplaning-Eigenschaften des jeweiligen Reifenprofils. Die Tests werden bei einer Wassertiefe von 7 mm durchgeführt und ergeben für Reifen mit Ausgangsprofiltiefe (ca. 8 mm) Geschwindigkeitswerte von ca. 75 bis 85 km/h. Lediglich bei schmalen Neureifen (155 mm) kann die Aufschwimmgeschwindigkeit bei Werten über 90 km/h liegen. Besonders während und nach starken Regenfällen können sich Wassermassen auf der Straße sammeln, deren Tiefe oft deutlich über 7 mm liegt. Zudem fahren die wenigsten Fahrzeuge auf neuwertigen Reifen mit Ausgangsprofiltiefe.

Reifenbreite

Breite Reifen neigen eher zu Aquaplaning als schmale Reifen. Das Wasser vor dem sich drehenden Reifen kann nicht ausreichend schnell seitlich abfließen und staut sich als eine Art Bugwelle davor. Je breiter der Reifen ist, umso mehr Wasser muss verdrängt werden und umso weiter sind die Fließwege des Wassers. Das bedeutet, dass breitere Reifen unter sonst gleichen Bedingungen tendenziell niedrigere Aufschwimmgeschwindigkeiten aufweisen. Damit auch breite Reifen gegenüber Aquaplaning einigermaßen unempfindlich sind, bedarf es großer Anstrengungen der Reifenhersteller.

Profiltiefe

Nutzt sich der Reifen ab, nimmt auch die Profiltiefe ab. Umso mehr Profil vorhanden ist, desto niedriger ist das Aquaplaningrisiko. Um den Kontakt zwischen den Profilblöcken und dem Untergrund sicherzustellen, muss das Wasser in den Profilrillen aufgenommen und abgeleitet werden. Das Volumen der Rillen zwischen den Profilblöcken ist dabei direkt abhängig von der Profiltiefe. Studien haben gezeigt, dass bei Profiltiefen von ca. 3 mm und weniger selbst auf lediglich feuchten Straßen besonders beim Bremsen bei 100 km/h Aquaplaning entstehen kann.

Reifendruck

Das Aquaplaningverhalten eines Reifens ist sehr stark vom korrekten Reifendruck abhängig. Je niedriger der Reifendruck, umso leichter schwimmt der Reifen auf. Aber auch zu viel Reifendruck kann das Risiko erhöhen.

Straßenbeschaffenheit

Aquaplaning kann grundsätzlich auf allen Straßen mit erhöhtem oder hohem Wasserstand auftreten. Wegen der höheren gefahrenen Geschwindigkeiten kommt es jedoch vorrangig auf mehrspurigen Bundesstraßen und Autobahnen zu kritischen Fahrsituationen. Eine große Rolle spielen Straßenbelag, -neigung und Unebenheiten. Je rauer der Fahrbahnbelag, desto geringer ist die Aquaplaninggefahr. Und auf ebenen Straßen tritt das Phänomen häufiger auf als auf unebenen Fahrbahnen.

Tipps für Ihre Sicherheit bei Aquaplaning

Vor Fahrtantritt sollen Sie Ihr Fahrzeug kontrollieren: 

  • Regelmäßig die Profiltiefe auf der gesamten Laufflächenbreite und dem gesamten Reifenumfang messen (lassen)
  • Abgefahrene Sommerreifen frühzeitig ersetzen (besonders kritisch kann es werden, wenn die Profiltiefe der Reifen unter 3,5 mm sinkt)
  • Regelmäßig den Reifendruck prüfen und ggf. korrekt einstellen (sowohl zu viel als auch zu wenig Luft begünstigen Aquaplaning!)
  • Laufrichtungsbindung der Reifen prüfen
  • Beim Reifenkauf auf gute Aquaplaningeigenschaften achten. Hier hilft ein Blick in den ADAC Reifentest!
  • Gegebenenfalls Stoßdämper überprüfen. Verschlissene Stoßdämpfer verringern nicht nur den Fahrkomfort, auch Aquaplaning ist damit noch gefährlicher.

Empfehlenswert ist darüber hinaus ein Fahrsicherheitstraining, z.B. beim ADAC. Dort lernt man sich auf unvorhergesehene Gefahrensituationen vorzubereiten und im Ernstfall richtig zu reagieren. 

Richtiges Verhalten bei oder nach starkem Regen

Oberste Priorität: Runter vom Gas! Bei schwierigen Witterungs- und Straßenverhältnissen hilft nur eine frühzeitige und konsequente Reduzierung der Geschwindigkeit. Wir empfehlen ein Tempo deutlich unter 80 km/h. Dies gilt besonders für heckgetriebene Fahrzeuge und Fahrzeuge, deren Reifen nicht mehr ganz neu sind. Wichtig ist auch vorausschauend zu fahren und genügend Abstand zum Vordermann zu halten! Mitunter weisen Verkehrszeichen auf die drohende Gefahr hin. 

Weitere Verhaltenstipps:

  • Abblendlicht einschalten
  • Scheibenwischergeschwindigkeit den Sichtverhältnissen anpassen
  • Auf Spurrillen achten und versetzt dazu fahren. Dies gilt besonders auf der rechten Spur von mehrspurigen Bundesstraßen und Autobahnen.
  • Wenn die Räder aufschwimmen, nicht lenken und nicht bremsen, Motor auskuppeln, Lenkrad gerade halten bis die Reifen wieder Kontakt zur Fahrbahn haben.
  • Tipp für Automatikfahrer: Fahrstufe in keinem Fall wechseln.

Sensibilisierte und aufmerksame Autofahrer können Aquaplaning-Vorboten erkennen. Dazu zählen:

  • Gischt- und Wasserschwall an den Rädern vorausfahrender Fahrzeuge beobachten
  • Ggf. Radio leiser stellen, um Änderungen der Motordrehzahl und der Wassergeräusche besser und schneller wahrnehmen zu können. Denn: Aquaplaning kündigt sich oft durch ein lauteres Geräusch an: Dann rauscht überschüssiges Wasser durch den Radkasten.
  • Ein weiteres Warnsignal sind schwächer werdende Kräfte am Lenkrad. Besonders bei heckgetriebenen Fahrzeugen ist das Aufschwimmen der Vorderräder schwer zu erkennen. Deswegen die Lenkeigenschaften besonders überwachen.
  • Bei frontgetrieben Fahrzeugen ohne elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) schwankt die Drehzahl bei Erreichen der Aufschwimmgeschwindigkeit. Bei Fahrzeugen mit ESP Fahrzeugreaktionen und Kontrollleuchte beachten.

Helfen Allradantrieb, ESP oder ABS gegen Aquaplaning?

Weder Allradantrieb noch Antiblockiersysteme (ABS) verhindern Aquaplaning, und auch ESP hilft nur bedingt. Erst am Ende der Aufschwimmphase kann das ESP dazu beitragen, die Fahrstabilität wieder zu erlangen. Einzige Ausnahme: Wenn nur ein Rad betroffen ist, kann ESP die anderen drei Räder regulieren und das Fahrzeug wieder unter Kontrolle bringen.

Aquaplaning beim Motorrad

Aquaplaning setzt bei Motorrädern in der Regel erst bei einer etwas höheren Geschwindigkeit ein, weil die Räder eine runde Form haben und sich der Wasserkeil nicht so schnell aufbauen kann. Aber dennoch sollten Motorradfahrer schon früh ihre Fahrweise den Regenbedingungen anpassen, denn oft bildet sich ein schmieriger Film auf der Straße, der besonders in Kurven zu Stürzen führen kann.

Wer haftet bei Aquaplaning-Unfällen?

Trotz bester Ausrüstung und vorausschauender Fahrweise sind Aquaplaningunfälle häufig nicht zu vermeiden. Doch wer haftet nach einem Unfall? Grundsätzlich liegt die Verantwortung beim Autofahrer. Gemäß Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) muss er die Geschwindigkeit seines Fahrzeugs insbesondere den Straßen-, Sicht- und Wetterverhältnissen anpassen. 

Sommerreifentest

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