Ersatzteile und Elektronik

21.11.2019

Ersatzteile finden und einbauen: So einfach ist das meist nicht, wenn Ihr Oldtimer einen Defekt hat. Vor allem der Ersatz von elektronischen Bauteilen erschwert die Reparatur.

Oldtimer Minis in einer Reihe
Restauriert und blank poliert – doch wehe, wenn etwas kaputt geht!
  • Achten Sie bereits vor Kauf des Oldtimers auf den Bestand von Ersatzteilen
  • Zahnriemen sollten regelmäßig gewartet und gewechselt werden
  • Komplizierte Elektronik erschwert Reparatur oder Ersatz

Günstige Ersatzteile, die schnell zu finden sind – für Besitzer von Oldtimer ist das eher eine Seltenheit. Je nach Modell, Epoche und Art des defekten oder fehlenden Bauteils kann es zeit- und kostenintensiv werden. Bei jüngeren Oldtimern und Youngtimern wird der Austausch mit zunehmender Elektronik noch komplizierter.

Ersatzteile finden

Zoom-In
Armaturen-Ersatztteile für Oldtimer
Eine große Auswahl an Ersatzteilen gibt es auf Oldtimer-Märkten

Das Netzwerk von Oldtimer-Freunden ist recht kommunikativ und kooperativ bei der Suche nach Ersatzteilen. Eine Anlaufstelle sind auch die Typenreferenten der Markenclubs, die bei folgenden Fragen aushelfen: Wer im Club könnte etwas Passendes haben (oder jemanden kennen, der etwas haben könnte)? Welche spezialisierten Teile-Händler gibt es? Welche Teile von anderen Modellen könnten ebenfalls passen? Wo sind die Spezialbetriebe, die ein Alt-Teil aufbereiten können?

Außerdem noch Pflichtprogramm für die Ersatzteil-Suche:

  • Internet-Recherche
  •  Kleinanzeigen in den Oldtimer-Zeitschriften und Club-Magazinen
  • Oldtimer-Märkte mit ihrer Mischung aus Wühlkisten und Profihändlern

Wenn die Marke Ihres Oldtimers noch existiert, können Sie sich auch an den Hersteller wenden. Einige (leider wenige) nutzen ihre "Wurzeln" zur Imagepflege und investieren massiv in eigene Traditionsabteilungen. Von der Literatur über die Clubbetreuung bis hin zu Ersatzteil-Nachfertigungen stellen sie ein umfangreiches Angebot zur Verfügung.

Tipp Icon

Tipp der ADAC Oldtimer-Experten

Verschaffen Sie sich vor der Entscheidung für ein bestimmtes Modell zumindest einen groben Überblick über die Teileversorgung Ihres Traumfahrzeugs! Selbst bei (damals) gängigen Massenprodukten aus der Nachkriegs-Ära ist der Nachschub keinesfalls durchgehend garantiert. In den Oldtimer-Kaufberatungen der bekannten Magazine können Sie sich vorab informieren.

   

Zahnriemen wechseln

Zoom-In
Zahnriemen wird gewechselt
Oldtimer oder nicht: Der Zahnriemen sollte alle 6 Jahre gewechselt werden

Im Jahr 1961 entwickelte die Hans Glas GmbH das erste Auto der Welt, dessen Nockenwelle mit Zahnriemen aus Kunststoff angetrieben wurde. Die unbestreitbaren Vorzüge – platzsparend, preiswert und geräuscharm – wichen einem großen Nachteil: Gerissene Zahnriemen verursachen Motorschäden. Außerdem entstehen hohe Kosten für die Wartung und den regelmäßigen Austausch.

Die anfänglichen Kinderkrankheiten sollen heutzutage durch alterungsbeständige, hitze- und feuchtigkeitsresistentere Materialien behoben sein. In der Praxis allerdings wird der Wechsel aufgrund hoher Kosten oftmals hinausgezögert. Der Austausch des Zahnriemens und der mit dem System verbundenen Teile erfordert großen Arbeitsaufwand. Die Hersteller geben Wechselintervalle an, die sich vorwiegend nach der Laufleistung richten. Aber Zahnriemen altern auch bei wenig gefahrenen Fahrzeugen und sollten deshalb sicherheitshalber nach ca. 6 Jahren ausgewechselt werden.

Elektronische Steuergeräte

Eine neue Technologie kam in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre ins Fahrzeug: Die ersten Motorsteuergeräte wurden großserientauglich und haben sich bis heute zu einer hochkomplexen Technik entwickelt. Die Elektronik steuert neben klassischen Leistungsparametern auch Komfort-, Sicherheits- und vielerorts Assistenzfunktionen 
für Fahrer und Insassen, Fahrzeug und begleitende Infrastruktur.

Die erste Generation dieser Geräte basiert noch auf diskreten Bauelementen. Leider unterliegen diese jedoch einem Alterungsprozess. Mechanische (Vibration), elektrische (Kurzschlüsse), chemische (Freisetzung von Halogeniden auf der Platine), thermische (Motorwärme) und witterungsbedingte Einflüsse (Korrosion) verkürzen die Lebenszeit der Komponenten. Das führt dann zu teil- oder vollständigen Ausfällen der "Black Box" (ECU - Electronic Control Unit), von denen eine Handvoll bis hin zu 100 Einheiten pro Fahrzeug integriert sind.

   

Elektronik altert bereits vor Gebrauch

Zoom-In
Oldtimer mit Holzlenkrad
Je jünger der Old- oder Youngtimer, desto mehr Elektronik ist verbaut

Bei den frühen Gerätegenerationen gibt es mittlerweile in vielen Clubs Schaltpläne und Stücklisten. Ein versierter Elektronikbastler oder Rundfunk- und Fernsehtechniker kann den Fehlerteufel ausfindig machen und das entsprechende Bauteil auslöten und ersetzen. 

Schwieriger wird es hingegen bei Fahrzeugen der späten 1980er Jahre und jünger: Hier kommen erstmalig integrierte Schaltkreise (IC's), PROM's und später auch Mehrschicht-Platinen zum Einsatz, meist hoch integriert, sodass ein Austausch der Komponenten schwerfällt, wenn nicht unmöglich wird. Auch wird es schwierig, dann passenden Ersatz im Elektronik-Shop zu finden: Wie war denn der Speicherbaustein programmiert? Der Hersteller gibt den "Source-Code" zur Programmierung in der Regel nicht weiter. Oder der Code ist schlichtweg nicht mehr vorhanden, weil er nicht aufbewahrt wurde oder die Speichermedien nicht oder nur teilweise lesbar sind.

Abhilfe schafft hier nur die Neubeschaffung der gesamten "Black Box" (ECU). Allerdings findet die chemische Zersetzung auf der Platine bereits vor Gebrauch statt, deshalb sind viele ältere elektronische Neuteile schon beim Auspacken nicht funktionsfähig.

So verlängern Sie die Lebensdauer der Elektronik

Eine wichtige Regel, insbesondere für Youngtimer: Die Fahrzeuge müssen öfters bewegt werden, und möglichst viele elektronische Komponenten dann bei der Fahrt oder im Stand in Betrieb genommen werden. Klimaanlage, Sitzverstellung und -heizung, elektrische Außenspiegel, Radio, Innen- und Außen-Beleuchtung, Rückfahrhilfen, Assistenten etc. sollten mehrfach aktiviert werden.

Wer darüber hinaus elektronische Komponenten über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, für seinen Youngtimer funktionsfähig aufbewahren will, sollte diese regelmäßig auspacken und bestenfalls einbauen. Empirische Untersuchungen empfehlen, das alle drei bis fünf Jahre zu tun. Dunkle und kühle Lagerung ist optimal, am besten auch noch Sauerstoff entzogen. Schon ein Folienschweißgerät mit hochwertigen Tüten hilft, das Ausfallrisiko weiter zu minimieren.

Clubs wird empfohlen, sich frühzeitig beim regionalen Auto-Händler zu melden und mit diesem die Übernahme von Elektronikkomponenten auszuhandeln. Vielerorts sind noch Altlager vorhanden, weil sich der Händler bzw. die Werkstatt scheut, den "Elektronikschrott" teuer zu entsorgen. Hier können vielleicht auch Diagnosegeräte übernommen werden, die helfen, Fehler weiter einzugrenzen.

Mehr Infos zum Thema Oldtimer finden Sie hier:

ADAC Oldtimer-Ratgeber Online


Fotos: Shutterstock/Lucian Milasan, imago images/Michael Eichhammer, Shutterstock/Den Rozhnovsky, iStock.com/Fermate.

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de