Alles über Motorradstiefel

6.3.2019

Laut Statistik werden bei Motorradunfällen die unteren Gliedmaßen der Fahrer am häufigsten verletzt - in mehr als 82 Prozent der Fälle. Gute Motorradstiefel schützen davor. Hier lesen Sie die Tipps unserer Experten.

©Adobe Stock/OBProd

"Turnschuhe oder gar Sandalen haben nicht einmal auf dem Mofa oder dem 50-Kubik-Scooter etwas zu suchen", sagen unsere Experten vom ADAC Technik- und Testzentrum. Selbst bei Stadtflitzern sind Produkte, die von der Industrie als Zwitter zwischen Freizeitschuh und Motorradstiefel angeboten werden, nicht die beste Wahl: "Sie sind bei weitem nicht so sicher wie gute Motorradstiefel, aber sicher besser als normale Turnschuhe. Alle anderen Piloten sollte zum Eigenschutz zu Stiefeln aus mindestens zwei Millimeter dickem, abriebfesten und schwer entflammbaren Leder greifen, die mehr als nur Mindestkriterien erfüllen."

 

Hohes Anforderungsprofil

Zu den Anforderungen an Motorradstiefel gehören neben der Bedeckung der Knöchel und der Wade inklusive individueller Passform (Weitenverstellung durch Stretch, Schnallen oder Klettverschluss) auch Verstärkungen im kompletten Zehenbereich, am Knöchel und an der Ferse, eine Schalthebel-Verstärkung sowie Schienbeinschutz und abgedeckte Reißverschlüsse. Eine stabile Sohle, rutschfest und mit einem Absatz für festen Halt auf den Rasten, sollte zudem Standard sein. "Wer wasserdichte und atmungsaktive Modelle mit Reflektoren wählt, erhöht Komfort und Sicherheit", betonen die ADAC Experten. Schließlich können nasse Füße schneller auskühlen und zu Bewegungseinschränkungen führen. Wer Stiefel mit Nässeschutz wählt, kann auf Überzieher verzichten.

Grundsätzlich gilt: Ein Motorradstiefel sollte eng anliegen und fest sitzen, die Füße dürfen aber nicht in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden: Das Bedienen von Gangschaltung und Bremse muss problemlos möglich und die Durchblutung gesichert sein. Bei der Anprobe sollten Sie sowohl auf die richtige Schuhgröße als auch die passenden Socken oder Strümpfe achten. Viele Vielfahrer besitzen ein Paar Stiefel für den Sommer und eines für die anderen Jahreszeiten, das gefüttert ist oder in das auch dicke Thermosocken passen.

Beim Kauf von Motorradstiefeln empfiehlt es sich grundsätzlich, diese zusammen mit der übrigen Ausrüstung anzuprobieren. Nur so ist sicher, dass die Stiefel im Verbund mit der Lederhose oder -kombi oder dem Fahreranzug aus Textil gut sitzen. Die Hosenbeine der Lederkombi sollten in den Stiefelschaft passen.

 

Sicherheitsstufe eins bei Stiefeln für Sportfahrer

Neben den klassischen Motorradstiefeln werden Modelle für Tourenfahrer und Enduro-/Crosspiloten angeboten, die für den speziellen Einsatzzweck optimiert sind. Die große Bandbreite der Stiefel für Sportfahrer reicht vom Straßeneinsatz bis zum Hochsicherheitsschuh für die GP-Strecke. Solch ein deutsches Spitzenprodukt aus rund 100 Einzelteilen kostet dann auch mehr als 500 Euro.

Neben einer fast glatten Haut aus extrem reißfestem Känguru-Leder besitzt es als wichtigstes Sicherheitselement beispielsweise einen verwindungsfesten Innenschuh aus hartem Kunststoff-Verbundmaterial. Zahlreiche Dämpfungs- und Komfortelemente sorgen für möglichst hohen Schutz der Füße, ohne die Beweglichkeit zu sehr einzuschränken. Neben einer besonders stoßdämpfenden und anpassungsfähigen Polsterung unter der Schale kommen in solche High-Tech-Stiefel ein mehrlagiger Schienbeinschutz, stoßabsorbierende Einbauteile im Waden- und Fersenbereich, eine belastbare Scharnier-Gelenk-Verbindung, ein anatomisch geformtes Kugelfersenbett, mehrfaches Aramidgewebe im Zehenbereich und eine komplett schweißabsorbierende Fütterung aus Feinleder zum Einsatz. Eine abriebfeste PU-Schaltverstärkung, auswechselbare Schleifer aus hochabriebfestem Kunststoff oder Hartmetall und eine rutschfeste Spezial-Racingsohle mit extrem verrundeten Absatzkanten gehören ebenso dazu.

Weil im wahren Leben Motorradfahren und Freizeit untrennbar zusammengehören, bleibt als Problem das Laufen in Motorradstiefeln. Eine Stadtbesichtigung in steifen Biker-Boots kann durchaus zur Qual werden.Unser Tipp: leichte Freizeit- oder Turnschuhe in den Tankrucksack.

 

Pflege gegen Nässe

Obwohl heute viele Motorradstiefel mit wasserabweisenden Membranen wie zum Beispiel Goretex ausgestattet sind, müssen auch solche Stiefel nach der Reinigung regelmäßig mit Nässe-Stopp imprägniert werden, damit sich das Leder nicht mit Wasser vollsaugt. Sind die Stiefel doch einmal nass geworden, sollten Sie sie als erstes mit der Sohle nach oben aufstellen, damit das Wasser zwischen Futter und Obermaterial leichter entweichen kann. Trocknen durch Ausstopfen mit zerknülltem Zeitungspapier ist auch bei modernen Boots nötig: Ist das Oberleder vollgesogen und nass, kann sich im Stiefel über Nacht Rückstellfeuchtigkeit einstellen und das Futter kann sich feucht anfühlen. Der Stiefel ist dennoch dicht.