Das E-Auto lädt nicht? Woran es liegen kann
Probleme beim Schnellladen von E-Autos tauchen immer wieder auf. Viele davon lassen sich jedoch vermeiden oder direkt vor Ort beheben. Was man als Nutzer tun kann, damit das DC-Laden an der öffentlichen Ladesäule reibungslos klappt.
DC-Laden: Komplex durch hohe Sicherheitsanforderungen
Fehler haben vielfältige Ursachen
Viele Fehler lassen sich durch Erfahrung vermeiden
In der Regel funktioniert das Schnellladen problemlos, dennoch wird immer wieder von Störungen berichtet. Brancheninsider beziffern die Erfolgsrate beim DC‑Laden auf rund 90 Prozent, bei etwa jedem zehnten Ladevorgang treten jedoch Schwierigkeiten auf. Das kann Nutzerinnen und Nutzer – besonders Einsteiger in die Elektromobilität – schnell frustrieren.
Was sind das für Schwierigkeiten? Und welche Ursachen stecken hinter den häufigsten Problemen?
Jeder Zehnte hat Probleme beim DC-Laden
Ein Teil der Ladeprobleme entfällt auf technische Ursachen an der Ladesäule, etwa der gleiche Anteil geht auf Bedienungsfehler zurück. Häufig stehen die Probleme der Nutzer im Zusammenhang mit der Authentifizierung an der Säule bzw. mit dem Bezahlsystem.
Schnellladen an der öffentlichen DC-Ladesäule ist ein komplexer Prozess – und zwar in erster Linie aus Sicherheitsgründen. Beim DC-Laden fließen extreme Ströme, die 20- bis 30-mal stärker sind als im Haushalt. Deshalb müssen Elektroauto und Ladesäule ganz genau aufeinander abgestimmt sein.
Zunächst ist es erforderlich, dass Auto und Ladestation miteinander kommunizieren und verschiedene Eckdaten aushandeln: Ist der Stecker auch wirklich verriegelt und das Auto korrekt mit der Säule verbunden? Welche Spannung braucht das Auto? Wie viel Strom darf fließen? Stimmt irgendetwas nicht, kommt es zu Ladeabbrüchen, Fehlermeldungen und zu Situationen, die man sich nicht erklären kann.
Die Ursachen für Ladeschwierigkeiten sind vielfältig. Lesen Sie, wie man die maßgebliche Ursache erkennen und wie man Probleme vermeiden oder sie direkt vor Ort selbst lösen kann.
Tipps: Wie man Fehler beim DC-Laden vermeidet
1. Der richtige Kartenleser

Seit der Pflicht zur Kreditkartenzahlung haben viele Schnelllader zwei Kartenleser: ein Lesegerät für die Strom-Ladekarte und ein Gerät für die Kredit- oder Bankkarte. Das erste hat ein RFID-Karten-Symbol (wie ein WLAN) und ist üblicherweise bündig ins Display der Ladesäule integriert.
Der Leser für Bank- und Kreditkarten hat meist ein kleines Display, wie man es von Automaten an der Tankstelle kennt, und sieht aus wie nachträglich angebracht. Es ist so banal wie richtig: Die jeweilige Karte muss an das passende Lesegerät gehalten werden, sonst funktioniert hier gar nichts.
2. Zündung aus
Ein Elektroauto hat zwar keine Zündung wie ein Verbrenner, kann aber genauso ein- und ausgeschaltet werden (viele Autobauer verwenden dafür gerne auch den Begriff "Fahrbereitschaft"). Wenn das Elektroauto einen Start/Stop-Knopf hat, muss man bei manchen Herstellern die Zündung hierüber ausschalten, um einen Ladevorgang starten zu können.
3. Stecker begutachten
Ein Schnellladestecker wird über die Jahre tausendfach ein- und ausgesteckt, muss hohe Ströme verkraften und ist Nässe, Frost und Hitze ausgesetzt. Diese Belastungen führen zu Verschleiß, sodass Stecker irgendwann erneuert werden müssen.
Da Betreiber einen defekten Stecker nicht aus der Ferne erkennen und den Defekt meist erst bei häufigen Ladefehlern bemerken, empfiehlt sich vor dem Einstecken ein Blick auf den Stecker. Wirkt etwas ungewöhnlich, sollte man einen anderen Ladepunkt wählen und den Steckerzustand der Hotline des Betreibers melden – das hilft sowohl dem Betreiber als auch den nachfolgenden E‑Auto-Fahrern.
4. Steckerkontakt prüfen
Durch das hohe Gewicht der Ladekabel von Schnellladestationen sitzt der Stecker oft nicht perfekt in der Ladebuchse des Fahrzeugs. Dann wirken die Verriegelungsstifte des Fahrzeugs unter Umständen nicht. Typischerweise dauert es weniger als 10 Sekunden, bis die Verriegelung arretiert, in der Regel deutlich hörbar.
Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man den Stecker beim Einstecken vom Gewicht des Kabels entlasten und bis zum hörbaren Klacken der Verriegelung festhalten. Ist der Stecker verriegelt, kann man loslassen, er hält in der Regel die korrekte Position.
5. Nicht sofort weggehen
Manchmal scheitert die Kommunikation zwischen Säule und Auto nach dem Einstecken. Auch eine nicht richtig erkannte Ladekarte oder eine fehlgeschlagene Kreditkartenzahlung können dafür verantwortlich sein, dass trotz korrekter Steckerverbindung kein Strom fließt. Deshalb nach dem Einstecken abwarten, ob Ladesäule oder Auto den Ladevorgang anzeigen. Erst wenn im Auto oder auf dem Display der Ladesäule eine sich steigernde Leistung angezeigt wird, grüne Lampen leuchten oder eine Animation Stromfluss symbolisiert, sieht es gut aus.
6. Eine App nutzen
Viele Elektrofahrzeuge haben eine App-Anbindung. Die App zeigt an, ob der Ladevorgang startet. Außerdem kann man mit ihr auch zwischendurch den Ladevorgang und Ladestatus überprüfen. Manche Apps versenden zudem eine Push-Nachricht, falls der Ladevorgang abgebrochen wurde. So weiß man sofort Bescheid, wenn das Auto nicht mehr lädt, und kann ohne großen Zeitverlust einen neuen Ladevorgang starten.
7. Ladevorgang neu starten oder Säule wechseln

Ein misslungener Ladestart oder ein direkter Ladeabbruch ist noch kein Scheitern. Wenn kein echter Hardware-Defekt zugrunde liegt, klappt es meistens beim zweiten Versuch. Dafür müssen Auto und Säule getrennt und wieder in den Ausgangszustand versetzt werden. Man sollte der Ladesäule ca. 15 bis 30 Sekunden Zeit geben, bis sie sich zurücksetzt. Wenn es beim zweiten Versuch immer noch nicht klappt, ist ein Wechsel der Säule der nächste Schritt zur Abhilfe.
8. Kein Time-out riskieren
Sowohl die Ladesäule als auch das Auto haben ein Time-out, welches in der Regel bei etwa 60 Sekunden liegt. Wenn es bis dahin keine erfolgreiche Verbindung gibt, wird der Ladevorgang automatisch abgebrochen. Deswegen heißt es: Nicht zu lange warten. Sobald das Fahrzeug eingesteckt ist, sollte man zügig die RFID-Karte an die Ladesäule halten. Wenn zuerst die Ladesäule freigeschaltet wurde, dann ohne Umschweife den Stecker in die Ladebuchse stecken.
Je nach Ladesäulenbetreiber kann übrigens variieren, ob zuerst die Bezahlung autorisiert oder zuerst eingesteckt werden muss. Meist ist die Reihenfolge egal und es sind beide Varianten möglich.
9. Kabel manuell entriegeln
In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass das Kabel nicht automatisch entriegelt wird. Wenn die Ladesäule oder das Auto nicht 100 Prozent sicher sind, ob noch Strom fließt, bleibt der Stecker arretiert – auch wenn der Ladevorgang als beendet angezeigt wird. Den Stecker final zu entriegeln ist über Tasten im Auto, über das Display oder per Fahrzeugschlüssel möglich. Für den Fall, dass auch das nicht funktioniert, hat fast jedes Elektroauto eine Notentriegelung (je nach Modell mechanisch mittels Seilzugs oder elektrisch, z.B. über eine Tastenkombination am Fahrzeugschlüssel).
Alternativ kann auch die Hotline des Betreibers helfen, für die gängigsten Fahrzeuge kennen die Mitarbeiter den Notentriegelungstrick.
Fazit & Tipps
Im Vergleich zum AC-Laden zu Hause sind die Sicherheitsüberprüfungen an der Schnellladesäule technisch viel komplexer – und damit die Ursachen für Fehler deutlich vielfältiger. Wer schon Erfahrung gesammelt hat und sich auskennt, kommt aber auch beim DC-Laden meist gut zurecht.
Für den Notfall kann es sinnvoll sein, die Funktion der Notentriegelung des Autos auszuprobieren, damit man vorbereitet ist.
Wer sich ein neues E-Auto kauft, kann darauf achten, dass das Auto die Bezahlmethode Plug&Charge bzw. Autocharge unterstützt. Das macht das Prozedere an der öffentlichen DC-Säule deutlich einfacher.
Aber auch die Ladeanbieter und Autobauer sind bei dem Thema in der Pflicht. Letztere müssen sicherstellen, dass ihre Fahrzeuge die Vorgaben der gültigen Ladenormen stets einhalten. Die Betreiber von Ladeinfrastruktur sollten ihre Ladestationen regelmäßig warten und bei Problemen zeitnah reagieren.
Um das Laden noch zuverlässiger und tauglicher für den Massenmarkt zu machen, hat das Beratungsunternehmen P3 gemeinsam mit der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur eine "Charging Success Rate" (Erfolgsquote beim Laden) entwickelt. Mit dieser kann der Erfolg von Ladevorgängen sehr genau erfasst werden. Das Ladeinfrastruktur-Technologieunternehmen EcoG erstellt zudem einen "Charging Reliability Index", für den diverse Elektrofahrzeuge 20 verschiedenen Testfällen unterzogen werden.
Bericht und fachliche Beratung: Robin Engelhardt, Matthias Vogt/ADAC Technik Zentrum
