Richtig parken an Elektro-Ladesäulen

17.6.2019

Die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Deutschland wird zunehmend dichter. Auch der Parkdruck in den urbanen Ballungsräumen nimmt zu. Wer an einer Ladesäule wann und wie lange parken darf, wird ausschließlich durch die Beschilderung geregelt. Wir erklären, was erlaubt ist und was nicht.

 
E-Auto an Ladesäule
Foto: iStock.com/spyderskidoo

Wenn der Fahrer eines Elektroautos sein Fahrzeug deshalb nicht laden kann, weil ein Auto mit Verbrennungsmotor den Parkplatz an der Ladesäule unerlaubt blockiert, ist das ärgerlich. Denn Parkplätze an Ladesäulen sollten ausschließlich Elektrofahrzeugen vorbehalten sein. 

Bereits 2011 wurden hierzu vom Bundesverkehrsministerium spezielle Zusatzzeichen bekannt gemacht, die die Reservierung von Parkflächen für Elektrofahrzeuge regeln sollten. Im Rahmen des Elektromobilitätsgesetzes (EmoG) kam dann 2015 u.a. das Zusatzschild „E-Auto“ dazu, das allgemein zur Regelung von weiteren Bevorrechtigungen von Elektrofahrzeugen nach dem EmoG vorgesehen ist. Um in den Genuss dieser Bevorrechtigungen zu kommen, muss ein Elektroauto das E-Kennzeichen führen, das allerdings nicht verpflichtend ist.

Probleme mit der Beschilderung

In Deutschland gibt es nicht nur im privaten, sondern auch im öffentlichen Verkehrsraum zahlreiche Ladesäulen ganz ohne Beschilderung. In Gebieten ohne allzu großen Parkdruck ist dies zwar ein Versäumnis des Aufstellers – stellt für die Autofahrer aber in vielen Fällen aktuell kein drängendes Problem dar.

Bis heute besteht keine einheitliche Verfahrensweise bei der Beschilderung von Ladesäulen, weil das EmoG und das StvG den Kommunen bei der Umsetzung der Privilegierung von Elektrofahrzeugen zahlreiche Freiheiten zugesteht.

Nicht zuletzt deshalb ist an zahlreichen Ladesäulen ein durchaus kreativer Umgang bei der Beschilderung zu beobachten, der bei Autofahrern in der Praxis für Verwirrung sorgt. Gerade in Gegenden mit hohem Parkdruck führt eine fehlende oder missverständliche Beschilderung an Ladesäulen rasch zu massiven Problemen, weil die Parkplätze an Ladesäulen insbesondere durch Verbrenner blockiert werden.

Aber auch die eigentliche Nutzung der Ladesäule durch berechtigte Elektrofahrzeuge – also das Laden an sich - muss eindeutig durch die Beschilderung geregelt werden. Denn ohne Beschränkung des Parkens auf den Ladevorgang oder ohne die Begrenzung der zulässigen maximalen Parkdauer können Ladesäulen durch Elektrofahrzeuge durchaus legal blockiert werden. Und zwar zeitlich unbeschränkt. Zum Nachteil des E-Mobilisten, der sein Fahrzeug dringend laden muss.

Zeichen, Zusatzzeichen und Bodenmarkierungen

ADAC E-Charge Parkschild
Schilder in Hamburg

Zum Problem für jeden Autofahrer gerät in der Praxis vor allem die Kombination von zwei oder mehr Zusatzzeichen, da diese zu unterschiedlichen Lesarten führen können. Sinnvoller ist es, die zu regelnden Inhalte nicht auf mehreren separaten, sondern auf einem gemeinsamen Zusatzschild unterzubringen - wenn die Regelungen zusammengehören.

Beispiel Hamburg

In der neuen Version des Schildes wird die Parkscheibenpflicht und deren Zeiteinschränkung auf einem Zusatzschild als zusammengehörige Regelung kombiniert dargestellt, während die auf dem alten Schild separat stehende Zeiteinschränkung auf das gesamte Verkehrszeichen bezogen gelesen werden könnte. 

ADAC E-Charge Parkschild
Schilder in München

Beispiel München

Dieses Schild in München besagt: Elektrofahrzeuge mit E-Kennzeichen dürfen hier zwischen 0 und 24 Uhr parken. Zwischen 8 und 20 Uhr müssen diese Fahrzeuge eine Parkscheibe auslegen. Hier ist das Parken - anders als auf den Hamburger Schildern - durch den Zusatz „im Ladezustand“ auf das Laden des Elektroautos beschränkt. 

Der Zusatz „im Ladezustand“ verweist auf eine gesetzliche Lücke. Denn es fehlt offensichtlich aktuell ein Schild, das dem Autofahrer klar signalisiert: „Hier dürfen nur ladende Elektrofahrzeuge parken.“ Ohne Zusatzschilder gibt es also für diese Situation momentan keine allgemeinverbindliche und auch allgemeinverständliche Lösung. Dies ist als umso problematischer zu betrachten, als dass mit einer steigenden Zahl von Elektroautos auch der steigende Ladebedarf an öffentlichen Ladesäulen Hand in Hand geht.

Privilegierungen beim Parken eines Elektroautos sollten tagsüber mit der Notwendigkeit des Ladens verbunden sein, um die Umschlaghäufigkeit an Ladesäulen zu erhöhen. Die technische Einrichtung heißt eben nicht Parksäule, sondern Ladesäule.

Sinnvoll zur Ergänzung der Beschilderung an Ladesäulen sind farbige Bodenmarkierungen, welche einwandfrei verdeutlichen, wozu die Stellflächen dienen. Derartige Bodenmarkierungen können zwar einerseits den Schilderwald merklich entlasten, erwirken aber andererseits weder Ge- noch Verbote.

Regeln zum Parken an der Ladesäule

Prinzipiell gilt, dass jede Kommune nach dem Elektromobilitätsgesetz über die Privilegien für Elektrofahrzeuge in ihrem Bereich frei und unabhängig entscheiden darf. Mit der Folge, dass die Fahrer von Elektroautos die Beschilderungen an Ladesäulen genau und sorgfältig prüfen müssen.

Das gilt für Elektroautos*

Für die Fahrer von Elektroautos gelten die Beschilderungen an der Ladesäule. Diese können eine zulässige Parkdauer oder einen Zeitraum angeben. Voraussetzung zum kostenlosen Parken an einer Ladesäule ist ein gültiges E-Kennzeichen am Fahrzeug. Verfügt das Elektrofahrzeug über kein E-Kennzeichen, können die Behörden ein Verwarnungs- bzw. Bußgeld ausstellen. 

Es gibt Kommunen, in denen das Parken eines Elektroautos nur in Verbindung mit dem Ladevorgang gestattet ist. Ist das Kabel nicht angeschlossen, gilt das gleiche Parkverbot wie für Verbrenner. 

Ob und wie lange ein Elektroauto nach Ende des Ladevorgangs weiter an der Ladesäule parken darf, ist derzeit gesetzlich nicht geregelt. 

* Sowie Plug-In Hybride, die nach dem EmoG das E-Kennzeichen erhalten.

Das gilt für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor

Es gibt für Verbrenner keine Ausnahme vom Parkverbot an Ladesäulen. Dies gilt auch außerhalb des sogenannten Bewirtschaftungszeitraum, der meist zwischen 20 Uhr und 9 Uhr liegt. In Hamburg wird bereits rigide mit Falschparkern umgegangen – und zwar sowohl bei Verbrennern als auch bei Stromern.

Netiquette für E-Mobilisten

Solange es noch keine verkehrsrechtlich einwandfreie Kennzeichnung der jeweiligen Stellflächen gibt, sollten die Autofahrer untereinander mit Respekt und Achtung umgehen. So könnte ein Verhaltenskodex von E-Autofahrern untereinander aussehen:

  • Bleiben Sie immer freundlich, auch wenn die Ladesäule unerlaubt zugeparkt ist.
  • Parken Sie niemals an einer Ladesäule ohne zu laden. Das ist unfair gegenüber anderen E-Autofahrern und ein schlechtes Vorbild.
  • Entfernen Sie das Elektroauto möglichst zügig und geben Sie den Ladepunkt frei, sobald der Ladevorgang beendet ist oder die zugelassene Höchstparkdauer erreicht ist.
  • Laden Sie nur dann, wenn es nötig ist – ein anderer E-Auto Fahrer(in) braucht den Strom vielleicht dringender.
  • Parken Sie ihr Elektroauto so, dass kein anderer Parkplatz beeinträchtigt wird.
  • Melden Sie Störungen und Beschädigungen der Ladesäule an den Betreiber
  • Ziehen Sie niemals das Ladekabel von anderen e-Autos ohne Einverständnis des Fahrers ab.
  • Achten Sie immer darauf, dass das Ladekabel nicht zur Stolperfalle wird.
  • Verwenden Sie eine StVO konforme Park-Ladescheibe. Sie können dort anzeigen, wie lange Sie voraussichtlich noch laden werden und ggf. wie Sie erreichbar sind, falls die Ladesäule dringend benötigt wird.
  • Mit Postkarten, die Sie einem Falschparker unter den Scheibenwischer klemmen, können Sie freundlich und humorvoll darauf hinweisen, doch bitte diesen Ladeplatz für Elektroautos künftig freizuhalten.
ADAC E-Charge Enbw Falschparkerkarte
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