König der GTIs: Rennstrecken-Testfahrt in der Golf GTI Edition 50
Von Lorenzo Walcher

Zum 50. Jubiläum des Golf GTI kommt eine Sonderedition. Die Edition 50 hat satte 325 PS und reichlich Performance-Upgrades. Ausfahrt im König der GTIs auf der Rennstrecke: So viel Spaß macht der Mega-GTI!
Edition 50: Stärkster GTI aller Zeiten
Elektronische Vorderachssperre und Semi-Slicks
Jubiläumsedition ab 54.540 Euro
Seit nunmehr 50 Jahren muss ein Golf GTI zwei Dinge meistern: Er muss ein Golf sein – also praktisch, alltagstauglich und unkompliziert –, und er muss ein GTI sein. Sportlich, direkt und emotional. Zum 50. Jubiläum des Erfolgskonzepts legt Volkswagen nun ein besonderes Modell auf: die Edition 50. Was 325 PS in einem GTI auslösen, hat die ADAC Redaktion auf der Rennstrecke erleben können.
Testfahrt: Golf GTI mit Rennstrecken-DNA

Um die sportliche DNA hautnah zu spüren, führt die Pressefahrt vom Flughafen Barcelona in Richtung Berge. Ziel: die 4,1 Kilometer lange Rennstrecke von Castellolí. Auf dem Hinweg geht es über Autobahnabschnitte sowie diverse Land- und Bergstraßen. Im Komfort-Modus bleibt das adaptive Fahrwerk zwar straff, aber keineswegs unangenehm. Auch die Geräuschkulisse ist angenehm und überraschend zurückhaltend, der Vierzylinder meldet sich nur beim Beschleunigen deutlicher zu Wort. Klar ist also direkt: Golf kann die Edition 50 schon mal.
An der Rennstrecke angekommen, erschließt sich dann schnell, warum dieses Modell nicht nur ein besonderer Golf, sondern vor allem ein besonders ernst gemeinter GTI ist. In geführten Turns geht es auf die Piste. Semi‑Slick-Bereifung, teils nasser Asphalt und 325 PS auf der Vorderachse – das klingt nach durchdrehenden Rädern bei jedem Herausbeschleunigen.
Doch weit gefehlt: Der GTI bringt seine Leistung erstaunlich sauber auf die Strecke. Nur wenn der speziell für den GTI entwickelte Semi‑Slick noch nicht im Temperaturfenster ist, reißt der Vortrieb kurz ab. Nach kurzer Zeit baut das Zusammenspiel aus Fahrwerk, Torque Vectoring und Reifen ein bemerkenswert hohes Gripniveau auf. Immer wenn man beim Herausbeschleunigen das eingreifende ESP erwartet, verlagert der GTI geschickt das Drehmoment – und zieht ordentlich aus der Kurve, statt die Gerade zu nehmen.
Dazu kommt eine relativ steife Hinterachse. Sie unterstützt beim Rotieren des rund 1500 Kilogramm schweren Golfs, ohne das Auto nervös wirken zu lassen. Das Ergebnis: eine gelungene Balance aus Agilität und Kontrollierbarkeit. Wer etwa spät in eine Kurve hineinbremst, spürt, wie das Heck leicht mitdreht und für eine schnelle Einlenkbewegung sorgt. Klingt nicht nach einem frontgetriebenen Sportler, ist aber so.
Auf der Rennstrecke empfiehlt sich dringend der "Special"-Modus, der den GTI maximal sportlich einstellt. Dann dreht der Motor weiter aus, hält etwas höhere Drehzahlen und stimmt das Fahrwerk auf eine Runde Nordschleife ein.
Adaptives Fahrwerk in der Basis

Der Golf GTI Edition 50 ist das bisher stärkste und schnellste GTI‑Serienmodell. Der 2,0‑Liter‑Vierzylinder leistet in dieser Ausbaustufe 325 PS und 420 Nm. Den Sprint auf 100 km/h absolviert der Wolfsburger Sportler in 5,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt serienmäßig bei 270 km/h. Zur Erinnerung: Wir sprechen hier von einem Golf! Die Gänge sortiert ein 7-Gang-Automatikgetriebe – einen Handschalter gibt es seit dem 2024er Facelift nicht mehr.
Das Jubiläumsmodell kommt auf 19‑Zoll‑Queenstown‑Felgen, ist 15 Millimeter tiefergelegt und verfügt über ein adaptives Fahrwerk, ein auf die Nordschleife abgestimmtes "Special"-Fahrprofil sowie ein elektronisch geregeltes Vorderachs‑Sperrdifferenzial.
Ein eigens für die Edition 50 entwickelter "Fahrdynamikmanager" verknüpft Fahrwerk, Lenkung und Vorderachs‑Sperrdifferenzial. Die Software passt etwa die Dämpfer an, und das bis zu 200‑mal pro Sekunde. Das sorgt für viel Traktion auch bei unterschiedlichsten Fahrsituationen und reduziert das für Fronttriebler typische Untersteuern merklich.
Optional hebt das GTI‑Performance‑Paket der Edition 50 die Fahrdynamik weiter an: 19‑Zoll‑Schmiederäder, 235er Bridgestone Potenza Race Semi‑Slicks, eine Titan‑Abgasanlage, zusätzliche Tieferlegung, mehr Sturz sowie rund 25 Kilogramm weniger Gewicht machen den Edition 50 zu einem rennstreckentauglichen Alltagsbegleiter.

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Wenige Überraschungen im Innenraum
Rote GTI-Akzente gibt es auch im Innenraum, und natürlich bezieht VW die gut ausgeformten Sportsitze traditionell mit Karomuster. Für die Edition 50 gibt es noch mal ein eigenes Design, aber keine Sorge, auch hier mit klassischem Karo. Die Sitze gilt es explizit hervorzuheben, sie sind komfortabel, bieten auf der Rennstrecke aber auch genug Seitenhalt für die ein oder andere schnelle Runde.
Ansonsten tritt man im Fußraum auf rote Pedale. Am unteren Teil des Lenkrads und an den Einstiegsleisten finden sich Schriftzüge, die daran erinnern, dass man nicht in einem gewöhnlichen GTI sitzt. Apropos Lenkrad: Für einen Aufpreis gibt es das auch in Alcantara-Optik. Bei der Testfahrt hat sich das wertig angefühlt und lag auch bei sportlicherem Fahren sehr gut in der Hand.

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Der Rest ist wie beim Standard-Golf: ein zentrales Display für das Infotainment-System, Lenkrad (wieder) mit haptischen Knöpfen und kratz- und schmutzanfälliger Klavierlack in der Mittelkonsole. Im Großen und Ganzen ist die Verarbeitung gut und man fühlt sich wohl – eben wie man es von einem VW Golf erwartet.
GTI, Clubsport, Edition 50 oder doch Golf R?
Drei Ausführungen gibt es also aktuell bei dem Sport-Klassiker: den "normalen" GTI, den Clubsport für mehr Sportlichkeit und die Edition 50 mit der Extraschippe Performance. Unterschiede zwischen einem GTI Clubsport und einem herkömmlichen GTI fallen schnell auf: Der Clubsport trägt am Heck einen auffälligen Dachspoiler, an der Front eine aggressivere Schürze, und die Seitenschweller sind ausgeprägt sportlich.
Zwischen Clubsport und Edition 50 muss man schon etwas genauer hinschauen. Das Jubiläumsmodell unterscheidet sich nur im Detail – vor allem geben verschiedene Aufkleber die wahre Identität der Edition 50 preis.
Aber auch das Leistungs-Flaggschiff im Hause Volkswagen, der Golf R, spielt in einer vergleichbaren (preislichen) Liga. In der Basis liegt er nur rund 1000 Euro über dem Golf GTI Edition 50. Welches Modell macht also für wen am meisten Sinn?
Grundsätzlich ist das natürlich Geschmackssache. Wer sich einen zügigen Golf wünscht, vor allem aber Alltagsaufgaben bestreitet und nicht zu tief in den Geldbeutel greifen will – die Basis beginnt bei stolzen 46.250 Euro –, wird mit einem 265 PS starken Golf GTI leicht glücklich werden.

Wer sich mehr Leistung wünscht, ist mit einem Clubsport schon sehr gut bedient. Der leistet 300 PS und beginnt in der Basis bei 49.820 Euro. Nimmt man die Performance besonders ernst und möchte mit seinem GTI auch mal auf eine Rennstrecke, lohnt der Blick zur Edition 50. Die kostet in der Basis 54.540 Euro, ist also rund 5000 Euro teurer als der Clubsport, bietet aber in der Serie schon mehr Ausstattung.
Und der Golf R? Einen fahrdynamischen Unterschied macht, dass er ein Allradler ist. Das macht ihn zwar von 0 auf 100 km/h schneller, auf der Nordschleife ist der GTI Edition 50 aber VWs neuer Rundenrekord-Halter. Dazu trägt auch das geringere Gewicht bei: Schon in der Basis ist das Jubiläumsmodell rund 50 Kilogramm leichter, mit Performance‑Paket kommen weitere 25 Kilogramm Ersparnis hinzu. Abseits dieser Unterschiede trennen die beiden Modelle nur Details.
Fazit: Viel Spaß, stolzer Preis

Ja, der Golf GTI Edition 50 kann Alltag. Aber viel wichtiger: Er kann auf der Rennstrecke deutlich mehr Emotionen erwecken, als man einem frontgetriebenen Kompaktsportler zutrauen würde. Auch wenn Volkswagen einen stolzen Preis für die Edition 50 aufruft – die Basis kostet 54.540, das Performance-Paket beginnt bei 58.740 Euro –, bekommen GTI-Enthusiasten ein besonderes Modell. Zum Vergleich: Ein 300 PS starker BMW M135 xDrive kostet in der Basis 57.150 Euro.
Technische Daten: GTI, Clubsport und Edition 50
Technische Daten (Herstellerangaben) | VW Golf GTI DSG (ab 07/24) | VW Golf GTI Clubsport DSG (ab 07/24) | VW Golf GTI EDITION 50 DSG (ab 10/25) |
|---|---|---|---|
Motorart | Otto | Otto | Otto |
Hubraum (Verbrennungsmotor) | 1.984 ccm | 1.984 ccm | 1.984 ccm |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 195 | 221 | 239 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 265 | 300 | 325 |
Drehmoment (Systemleistung) | 370 Nm | 400 Nm | 420 Nm |
Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor) | 5.250 U/min | 5.300 U/min | 5.300 U/min |
Antriebsart | Vorderrad | Vorderrad | Vorderrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 5,9 s | 5,6 s | 5,3 s |
Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h | 250 km/h | 270 km/h |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 160 g/km | 166 g/km | 173 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 7,0 l/100 km | 7,3 l/100 km | 7,6 l/100 km |
Kofferraumvolumen normal | 374 l | 374 l | 374 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.230 l | 1.230 l | 1.230 l |
Leergewicht (EU) | 1.454 kg | 1.459 kg | 1.470 kg |
Zuladung | 496 kg | 471 kg | 460 kg |
Anhängelast ungebremst | 730 kg | - | - |
Anhängelast gebremst 12% | 1.600 kg | - | - |
Garantie (Fahrzeug) | 2 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre |
Länge x Breite x Höhe | 4.289 mm x 1.789 mm x 1.471 mm | 4.292 mm x 1.789 mm x 1.456 mm | 4.292 mm x 1.789 mm x 1.463 mm |
Grundpreis | 46.250 Euro | 49.820 Euro | 54.540 Euro |
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