Testfahrt Lexus UX 300e: Wo der elektrische Lexus Schwächen hat

Dass der Lexus UX 300e rein elektrisch fährt, sieht man ihm nicht an
Dass der Lexus UX 300e rein elektrisch fährt, sieht man ihm nicht an© Lexus

Der Lexus UX 300e war 2021 das erste vollelektrische Auto der Marke: mit 54-kWh-Batterie und relativ mageren 315 Kilometern Normreichweite. Testfahrt, technische Daten, Preis und alle Infos zur ersten technischen Überarbeitung

  • Kompakt-SUV UX 300e erstes Elektroauto von Lexus

  • Elektromotor leistet 150 kW/204 PS

  • Aktuell nur 315 Kilometer Reichweite im WLTP-Zyklus

  • Update: Facelift-Version mit größerem Akku im Mai 2023

Für Toyotas Luxusableger war ein reines Elektroauto ein konsequenter Schritt, auch wenn er recht spät kam. Denn die Japaner bauen seit über 15 Jahren elektrifizierte Antriebe. Mittlerweile greifen Lexus-Kunden zu 90 Prozent zu Hybridfahrzeugen. Im Gegensatz zur Mutter Toyota spielt die Marke bei den Zulassungen (2021: 3116 Fahrzeuge) hierzulande aber nach wie vor kaum eine Rolle.

Aber es soll aufwärts gehen, unter anderem mit der Elektroversion des Kompakt-SUVs UX, die im Januar 2021 startete und 2023 mit dem neuen, ebenfalls voll elektrischen RZ. Selbstbewusst gibt Lexus auf die Batterie zehn Jahre Garantie oder eine Laufleistung von bis zu einer Million Kilometer (!), für den kompletten Antriebsstrang eine fünfjährige Garantie oder bis zu 100.000 Kilometer.

Lexus UX 300e: Innenraum wie im Verbrenner-UX

Innenraum des Lexus UX 300e: Das Cockpit des Lexus wirkt etwas überladen © Lexus

Auch die E-Variante des UX sticht mit spitz zulaufenden Scheinwerfern, dem großen Kühlergrill, scharfen Sicken und schwarzen Radläufen aus dem automobilen Einerlei heraus. Der untere Lufteinlass besitzt aerodynamische Klappen für die Batteriekühlung, ist aber nicht sonderlich auffällig. Bis auf die Typenbezeichnung fällt kaum auf, dass dieser 4,50 Meter lange Lexus keinen flüssigen Kraftstoff tankt.

Auch im knapp geschnittenen Innenraum müssen Passagiere genau hinschauen, um die Unterschiede zum Verbrenner zu erkennen. Wie gewohnt blickt der Pilot auf das fahrerfokussierte Cockpit mit dem großen, mittigen Rundinstrument und den digitalen Anzeigen. Darin enthalten: Tacho, Reichweitenanzeige und vierstufige Verzögerungsanzeige. Über die Lenkradtasten lassen sich unter anderem Radiosender und Lautstärke ändern sowie der Abstandsregler einstellen.

Navi und Entertainmentsystem laufen auf dem 10,3 Zoll großen Display. In der Mittelkonsole liegt der Gangwählhebel, über den man unter anderem die Fahrmodi „Drive“ und „Batterie“ wählen kann – bei Letzterem rekuperiert der Motor einfach stärker.

Lexus UX Elektro beschleunigt schneller als der Hybrid

Fährt komfortabel und leise: Lexus UX 300e © Lexus

Die E-Maschine hat mit 204 PS und 300 Newtonmeter Drehmoment ausreichend Leistung, um sportlich zu fahren: Beim beherzten Tritt aufs Fahrpedal fangen die Vorderreifen kurz an zu quietschen, bevor die Traktionskontrolle regelt. Von 0 auf 100 km/h summt der UX in flotten 7,5 Sekunden und beschleunigt damit schneller als die Hybridversion; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei für Elektroautos völlig ausreichenden 160 km/h.

Auf Landstraßen zahlen sich die steife Karosserie mit dem niedrigen Schwerpunkt und die direkte Lenkung aus: Im Gegensatz zum UX Hybrid liegen im Elektrofahrzeug die Batterien im Karosserieboden und unter der Rücksitzbank. Das senkt den Schwerpunkt um sieben Zentimeter und schafft einen alltagstauglichen Kofferraum von mindestens 367 Litern. Der Lexus hängt außerdem bei jedem Fahrmodus direkt am Gaspedal, reagiert sofort und wedelt leichtfüßig durch Kurven. Kurz anbremsen, voll beschleunigen, und der E-SUV zischt wie ein Sportwagen davon. Das macht Laune!

Nicht viel: 315 km Reichweite nach WLTP

Und dennoch lässt es sich mit dem 1,7 Tonnen schweren SUV auch ganz vorzüglich gleiten – die Reichweite dankt es jedenfalls. Dann segelt der UX flott über die Landstraße, bleibt sehr leise und federt komfortabel. Wer genau das mag, liegt bei dem Japaner richtig: Mit der aktuell noch 54,3 kWh großen Batterie mit 288 Zellen fährt der Lexus mit einem WLTP-Verbrauch von 16,8 kWh/100 km gerade mal bis zu 315 Kilometer weit. Konkurrenzfähig ist das nicht mehr. Doch Besserung ist in Sicht – siehe weiter unten Infos zum Update des UX 300e.

Wie bei allen Elektroautos gilt auch hier: Die Reichweite hängt stark von der Fahrweise ab. Im reinen Stadtverkehr kann man dem UX die angegebenen Kilometer durchaus abringen, bei gemischtem Fahrprofil schmilzt der Aktionsradius aber, sodass dem UX eher 280 Kilometer am Stück zuzutrauen sind, auf der Autobahn noch deutlich weniger. Über die Schaltwippen hinter dem Lenkrad kann der Fahrer die Stärke der Motorbremse und damit die Rekuperation in vier Modi variieren.

Keine Maßstäbe setzt der UX auch beim Laden. An normalen AC-Ladesäulen zieht sich der Japaner maximal 6,6 kW (Haushaltssteckdose 2,3 kW), sodass eine komplett leere Batterie erst nach langen acht Stunden gefüllt wird. Zumindest für das halbwegs schnelle Zwischenladen an der Autobahn ist gesorgt: DC-Laden (leider der kaum verbreitete Chademo-Anschluss statt der bei europäischen Fahrzeugen üblichen CCS-Steckdose) gelingt an Schnellladesäulen mit 50 KW – in rund 50 Minuten soll die Batterie hier auf 80 Prozent kommen. Auch das kein guter Wert. Zum Vergleich: Ein viel günstigerer Fiat 500 Elektro saugt bis zu 85 kW.

Lexus-Elektroauto mit unpassendem Soundgenerator

Um dem Elektroauto einen „emotionaleren“ Klang zu verpassen, spendiert Lexus einen Soundgenerator. Der Taster sitzt auf Höhe des linken Knies und bewirkt leider das Gegenteil von Sportlichkeit: Der synthetische Sound erinnert beim Beschleunigen im Sportmodus eher an einen heulenden Herbststurm, der um ein wackeliges Haus zieht und den Wind durch alle Ritzen drückt. Wozu das Ganze? Offenbar kann sich Lexus noch nicht ganz von der alten Verbrenner-Welt verabschieden.

Mehr Reichweite nach dem 2023er-Update

Das neue Infotainmentsystem mit Touchscreen ab Mai 2023 © Lexus

Mit dem Nachfolger kann alles nur besser werden. Das 2022er-Kontingent des UX 300e ist laut Lexus Deutschland ohnehin vergriffen, jetzt ist erst einmal eine Pause angesagt. Denn nach dem Hybrid-Bruder 250h bekommt auch der 300e ein Update. Die ersten Exemplare werden im Mai 2023 ausgeliefert. Wichtigste Neuerung ist die Zunahme der Akkukapazität von 54,4 auf 72,8 kWh. Die Reichweite steigt damit um 40 Prozent von 315 auf 450-WLTP-Kilometer. Dann dürfte der Japaner wieder konkurrenzfähig sein. Der Antrieb mit 150 kW/204 PS starkem Frontmotor bleibt unverändert.

Hinzu kommt das neue Infotainmentsystem mit ausstattungsabhängig 8,0 oder 12,3 Zoll großem Touchscreen, das neben schneller Prozessortechnik einen verständigeren Sprachassistenten bietet. Die „kleine“ Lösung ist serienmäßig mit Cloud-basierter Navigation mit Echtzeit-Verkehrsinformationen gerüstet, die große Variante verfügt über ein Festplatten-Navi. Das Arsenal an Konnektivitätstechnik wächst um Apple CarPlay, Android Auto sowie App-basierte Fernzugriffe aufs Fahrzeug.

Die intelligenten Fahrhilfen werden um einen Kreuzungs- und einen Notlenkassistenten erweitert. Der Abstandstempomat passt künftig die Fahrgeschwindigkeit vor und in Kurven automatisch an. Ladezeiten und Preise nennt Lexus für den überarbeiteten UX 300e noch nicht. Angesichts der stark gewachsenen Batterie erscheint ein kräftiger Preisanstieg auf vermutlich deutlich über 50.000 Euro wahrscheinlich.

Lexus UX 300e: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Lexus UX 300e (ab 01/21)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

150

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

204

Drehmoment (Systemleistung)

300 Nm

Antriebsart

Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

7,5 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

314 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

16,9 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

54,3

Ladeleistung (kW)

AC:2,3-6,6 DC:50,0

Kofferraumvolumen normal

367 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

n.b.

Leergewicht (EU)

1.785 kg

Zuladung

460 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.495 mm x 1.840 mm x 1.545 mm

Grundpreis

44.440 Euro

Text: Fabian Hoberg mit Material von SP-X