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Aston Martin DB5 Goldfinger: Vier-Millionen-Euro-Kultmobil mit Bond-Ausstattung

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Max Earey

Der Aston Martin DB5 aus "Goldfinger" ist legendär. Nun gibt es einen Original-Nachbau des Sportwagens – mit allen Bond-Gimmicks vom Öl-Sprüher bis zum drehbaren Kennzeichen. Testfahrt im Vier-Millionen-Euro-Klassiker.

  • Aston Martin DB5 Continuation Car auf 25 Stück limitiert

  • Nachbau aus den 60ern mit zeitgenössischer Technik

  • Vier-Liter-Reihensechszylinder – und Bond-Ausstattung

James Bond ohne Aston Martin ist wie Fish ohne Chips oder Tower ohne Bridge. Das wissen auch die Produzenten von "Keine Zeit zu sterben". Wenn im Herbst 2020 das 25. Bond-Abenteuer im Kino anläuft, wird deshalb auch dieses Mal wieder ein silberner DB5 mitspielen und dabei ordentlich in Mitleidenschaft gezogen werden.

Dem Gros der Bond-Fans mag dabei das Herz bluten. Doch 25 Auserwählte werden nur müde lächeln und sich mit einem vorausschauenden Blick in ihre klimatisierte Garage trösten. Denn dort parkt bald auf Hochglanz poliert und gänzlich unversehrt ein originalgetreuer Nachbau exakt jenes silbernen Sportwagens, mit dem die Liaison zwischen Aston Martin und Agent 007 1964 im Film "Goldfinger" begonnen hat.

Großer Aufwand – nicht nur für "Q"

Als wäre das Auto nicht schon spektakulär genug, gibt’s dazu die gesamte Sonderausstattung, mit der Bonds Chef-Tüftler "Q" das Coupé im Kino-Hit zum idealen Fahrzeug für Spezialeinsätze aufgerüstet hat. Dass der Spaß knappe vier Millionen Euro kostet, klingt nur so lang nach Geschäftemacherei, bis man in den Auktionskatalogen der letzten Jahre blättert. Dort sind die originalen Filmautos mit dem mehr als doppelten Betrag vermerkt.

Außerdem musste die Klassik-Sparte Aston Martin Works alle Register ziehen: In rund 4500 Stunden bauen die Briten das Coupé nach originalen Skizzen nach und stellen so einen fabrikneuen Oldtimer auf die Räder – selbst den vier Liter großen Reihensechszylinder des Originals haben sie im Computertomographen gescannt, um aus den Daten die Blaupause für die neuen Triebwerke zu generieren.

Eine Zeitreise in die 1960er Jahre

Elektronische Helfer sucht man heute so vergebens wie damals. Das Lenken erfolgt allein mit Muskelkraft, und auch die Bremsen und das Fahrwerk habend den spröden Charme der Sechziger. Der Start der Probefahrt kommt deshalb einem Zeitsprung gleich, wenn man vergleichsweise bequem durch die großen Türen zusteigt – direkt in die kleinen, schwarzen Ledersessel, in denen man fast bis auf den Asphalt hinunter einsinkt.

Das große Holzlenkrad vor der Brust, den winzigen Schaltknauf beinahe in der Kniekehle, vor den Augen ein Cockpit, das mit der Auslage von Tiffany um die Wette funkelt, und im Blick eine kurvenreiche Motorhaube – so sieht die Welt selbst an einem Regennachmittag in England nach Glanz & Glamour aus. Fehlt nur noch, dass Gerd Fröbe alias Auric Goldfinger um die Ecke kommt.

Tolle Fahrleistungen – für damalige Verhältnisse

Nach dem Drehen am weit nach oben gerückten Zündschlüssel meldet sich der Motor mit der gleichen Zuverlässigkeit zu Wort, mit der Big Ben den Londonern seit Jahr und Tag die Stunde schlägt. Nur dass hier der Fahrer die Tonart vorgibt. Und die ist wie bei Bond ziemlich wechselhaft. Eben noch ganz ruhig, vornehm und gelassen, genügt schon ein beherzter Tritt, und der DB5 zeigt seine Muskeln.

Nicht umsonst hat er es seinerzeit in gut sieben Sekunden auf Tempo 100 geschafft und konnte es mit seinen maximal 229 km/h mit der damaligen Sportwagen-Elite aufnehmen. Wenn das Schmuckstück erst eingefahren ist, gelingt das wahrscheinlich auch heute wieder. Schon ein kleiner Gasstoß beweist, dass sein Feuer noch nicht erloschen ist, und die 294 PS legen unvermittelt los.

Kugelfestes Schutzschild, Radar und Nebelwerfer

Das Fahren ist bei diesem Auto trotzdem eher nebensächlich. Denn je länger man mit dem DB5 unterwegs ist, desto neugieriger wird man, schielt unter Konsolen und Abdeckungen und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Schließlich entdeckt man überall die Handschrift des MI5 und des Special-Effects-Chefs der Produktionsgesellschaft EON, der Aston Martin kräftig unterstützt hat.

In der Mittelkonsole taucht hinter einer Jalousie ein Radarbildschirm auf und zeigt die aktuelle Position, in der Tür steckt ein ganz frühes Autotelefon, und unter der Armlehne entdeckt man jene Schalterleiste, mit der Bond das Coupé zum Kampfwagen machen konnte: Auf Knopfdruck fahren aus den Stoßstangen Rammböcke aus, hinter die Rückscheibe schiebt sich ein Schutzschild aus kugelfestem Stahl, ein Nebelwerfer erschwert die Verfolgung, und wenn sich doch mal ein Bösewicht an Bonds Fersen heftet, bringt der Aston seinen Hintermann mit einem Schmierfilm auf dem Asphalt vom Kurs. Allerdings muss dafür heute Seifenlauge reichen, weil selbst im Dienst ihrer Majestät kein Öl mehr verspritzt wird.

Auf öffentliche Straßen darf dieser DB5 leider nicht

Sogar die Maschinengewehre unter den Scheinwerfern haben die Briten installiert. Sie inszenieren auf Knopfdruck ein ordentliches Feuerspektakel – wenngleich es zum Glück nur Lärm und Licht gibt statt echter Kugeln. Einzig der Schleudersitz für den Beifahrer ist eine Attrappe: Egal, wie fest man auf den roten Knopf unter dem Schaltknauf drückt – das angesägte Dach bleibt drin und mit ihm auch der Beifahrer.

Zwar hat der DB5 so ziemlich alles an Bord, was sich Bond-Fans wünschen, doch eines bleibt den Möchtegern-Geheimagenten verwehrt: Obwohl an den Stoßfängern gleich drei Kennzeichen aus England, Frankreich und der Schweiz rotieren, hat der Wagen nirgends eine Straßenzulassung.

Text: Thomas Geiger