Lenkräder ohne gesundheitliche Schadstoffe

7.2.2019

Das Lenkrad ist das einzige Bauteil im Fahrzeug, das im ständigen und unmittelbaren Hautkontakt mit dem Fahrer steht. Deshalb ist es besonders wichtig, dass hier keine gesundheitsschädlichen Substanzen enthalten sind. Wir haben mehrere Pkw-Modelle auf Schadstoffe getestet.

Autolenkrad
Credit: shutterstock/Sergey Nivens

Die Oberfläche moderner Lenkräder besteht Schadstoffeoft aus Kunststoff oder ist mit Leder überzogen. Da das Lenkrad durch Schweiß, Talg, Hautpflege- und Reinigungssubstanzen starken chemischen sowie durch den ständigen Handkontakt auch hohen mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt ist, muss es sehr robust und widerstandsfähig sein.

ADAC Test

In einer ADAC Studie haben wir 2017 an Kunststoff- und Lederlenkrädern aus gängigen Fahrzeugmodellen stichprobenartig überprüft, ob es zu Auffälligkeiten oder gar Überschreitungen im Bereich der gesetzlich limitierten Substanzen wie etwa Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Azofarbstoffe und Flammschutzmittel kommt. Hierzu wurden sechs Lenkräder von fünf verschiedenen Modellen direkt als Originalersatzteil erworben und auf bis zu 39 unterschiedliche chemische Substanzen untersucht. Die Schadstoffbelastung wurde im akkreditierten Prüflabor Dr. Graner & Partner GmbH bestimmt.

In die Auswahl aufgenommen wurden der Dacia Sandero als günstigster Neuwagen (Kunststofflenkrad), der VW Golf als in Deutschland meistverkaufter Neuwagen (ein Kunststoff- und ein Lederlenkrad), sowie die sehr verkaufsstarken Modelle Toyota Yaris (Kunststofflenkrad) und Ford EcoSport aus Südamerika (Lederlenkrad). Zusätzlich wurde beispielhaft ein Suzuki/Maruti EECO ausgewählt, der ausschließlich für den indischen Markt bestimmt ist, um einen Qualitätsvergleich zu Fahrzeugen des europäischen Marktes zu erhalten.

Ergebnisse: Schadstoffe bei Lenkrädern

Die Ergebnisse sind überraschend positiv: Keines der Lenkräder überschritt die Grenzwerte. Hierbei zeigte sich kein Unterschied zwischen Leder- sowie Kunststofflenkrädern. Alle sechs Lenkräder sind nicht nur als schadstoffarm anzusehen; die meisten getesteten Substanzen liegen sogar unter der Nachweisgrenze. Nur wenige Schadstoffe waren daher in der Untersuchung überhaupt nachzuweisen und selbst diese liegen deutlich unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes. Die beiden einzigen Lenkräder, in denen überhaupt Schadstoffe nachgewiesen wurden, sind die Kunststofflenkräder des VW Golf sowie des Toyota Yaris. Bei beiden muss betont werden, dass die Werte deutlich unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes liegen.

Kriterien der Studie

Die Materialproben wurden auf folgende Inhaltsstoffe untersucht:

Leder:
- Kurzkettige Chlorparaffine (SCCP)
- Azofarbstoffe
- Chrom VI

Kunststoffe:
- Kurzkettige Chlorparaffine (SCCP)
- Phthalate
- Cadmium
- Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
- Flammschutzmittel
- Organozinnverbindungen

Die Benotung der gemessenen Schadstoffe erfolgte anhand einschlägiger Richtlinien wie etwa „Reach“ (1907/2006/EG), EN 71-9, 76/769/EWG, ChemVerbotsV.

Bei den untersuchten Schadstoffen handelt es sich ausnahmslos um Stoffe, die durch einen gesetzlichen Grenzwert beschrieben sind. Sie stehen nicht nur im Verdacht, sondern sind nachweislich gesundheitsschädlich. Typische Folgen können beispielsweise ein erhöhtes Hautkrebsrisiko sowie allergieähnliche Reaktionen sein.

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