Konnektivität: Werden Autos zur teuren Abo-Falle?
Von Jochen Wieler

Bestimmte Fahrzeugfunktionen lassen sich immer häufiger nur für einen begrenzten Zeitraum kostenlos nutzen. Danach müssen die "Konnektivitätsdienste" extra bezahlt werden. Wie teuer es dann wird, ist oft unklar. Es gibt aber auch Alternativen.
Onlinedienste als Einnahmequelle für Hersteller
Preisgestaltung oft intransparent
Alternativen sind Drittanbieter-Apps
Autohersteller werben oft mit dem, was ihre vernetzten Modelle alles können: navigieren, Ladestopps bei E-Autos einplanen, den aktuellen Verkehr anzeigen oder Fragen via Sprachsteuerung mit ChatGPT beantworten. Es gibt kaum ein neues Modell, dass hier nicht up to date ist.
Funktionen auf Zeit: Ein Geschäftsmodell

Doch die schönen Funktionen können von jetzt auf gleich auch wieder verschwinden. Denn was viele nicht wissen: Sie sind meist Teil von sogenannten Konnektivitätsdiensten, die nur über eine Online-Verbindung funktionieren – und vor allem nur über einen bestimmten Zeitraum kostenlos genutzt werden können.
So kann es sein, dass nach ein, zwei oder drei Jahren das Navigationssystem abgeschaltet und erst dann wieder aktiviert wird, wenn sich der Nutzer für ein digitales und kostenpflichtiges Abo beim Hersteller entscheidet.
Beim Neuwagenkauf wird dieses Thema gern mal totgeschwiegen, das dicke Ende kommt für viele nach ein paar Jahren Nutzung daher überraschend. Und das kann teuer werden. Mercedes etwa verlangt für die digitalen Dienste bis zu 329 Euro pro Jahr.
Transparenz oft mangelhaft
Komfort- und Datenfunktionen, die bisher mit dem Kaufpreis abgegolten waren, werden so zu fortlaufenden Kostenpunkten, ähnlich wie bei einem Streamingdienst für den Fernseher. Das allerdings erfordert Transparenz, Fairness und Datenschutz – Kriterien, die derzeit nicht alle Hersteller erfüllen. Der kostenlose Zeitraum wird häufig für den Erstbesitzer abgedeckt und entspricht typischerweise der Leasingdauer des Fahrzeugs.
Die Folge: Verbraucherinnen und Verbraucher und vor allem die Käufer junger Gebrauchtwagen müssen für digitale Dienste zahlen. Gebrauchtwagenkäufer haben diesen zusätzlichen Kostenblock oft gar nicht auf dem Schirm. Hinzu kommt, dass Händler unter Umständen nicht wissen, was die digitalen Dienste nach ein paar Jahren kosten werden. Für Autofahrerinnen und -fahrer ist das ein Unding.
Zugriff über Smartphone-App – macht 60 Euro pro Jahr

In einer Herstelleranfrage gemeinsam mit der Zeitschrift "c't" hat der ADAC die aktuellen Preisstrukturen der digitalen Dienste bei 12 Fahrzeugherstellern abgefragt.
Zum einen gibt es den "Remote-Zugriff" auf das Fahrzeug. Dabei lässt sich zum Beispiel über eine Smartphone-App das Fahrzeug orten und klimatisieren, bequem die Routenplanung vornehmen, das Auto ver- und entriegeln oder – für Fahrerinnen oder Fahrer von Elektroautos besonders wichtig – der Ladestand einsehen und manchmal sogar der Ladevorgang starten.
Hier gibt es bereits große Unterschiede: Bei Audi, Opel und VW lässt sich dieser Dienst 10 Jahre lang kostenlos nutzen, bei Kia 7, bei Renault 5 und bei Škoda 3 Jahre. Was die Funktionen danach kosten? Das sagt nur Škoda: 60 Euro im Jahr kostet "Škoda Care Connect". Nicht wenig. Zumindest beim chinesischen Hersteller Nio ist der Remote-Zugriff lebenslang kostenlos dabei.
Navi und Infotainment: So teuer sind Hersteller-Abos
Darf es noch ein bisschen mehr sein? Wer einen Zehner drauflegt, bekommt mit "Škoda Connect" für 70 Euro pro Jahr noch Verkehrsdaten, eine Ladestopp-Planung, Parkplatzsuche und eine Online-Sprachsteuerung mit dazu. Wie hoch die Kosten für diese erweiterten Dienste bei den einzelnen vom ADAC abgefragten Marken sind, zeigt folgende Tabelle.
Audi verlangt je nach Paket zwischen 12,90 und 15,90 Euro pro Monat, während BMW 9,98 Euro pro Monat aufruft. Bei Renault stehen die Preise nach dem Auslaufen der kostenlosen Phase ab 2027 bislang überhaupt nicht fest, und Volvo informiert seine Kunden erst kurz vor Ablauf der vierjährigen kostenlosen Nutzung.
| Hersteller | Name des Dienstes | Funktionsumfang (Auszug) | Kostenloser Zeitraum | Preis nach Ablauf |
|---|---|---|---|---|
Audi | Audi connect Navigation & Infotainment | Spurgenaue Navigation, Google Karten, Ampelinformation, Assistent, Themenwelt | 3 Jahre | 12,90–15,90 €/Monat |
BMW | BMW Digital Premium | Echtzeitverkehr, Parkplatzsuche, Streaming, Gaming, Lichtanimationen | 3 Monate | 9,98 €/Monat |
Kia | Kia Connect System | Echtzeitdaten, Routenplanung, OTA, Wetter, Sport, Kalender | 7 Jahre | Testphase bis 2026 |
Mercedes-Benz | Digitale Extras | Ortung, Live Verkehrsdaten | 3 Jahre | bis zu 329 €/Jahr |
Opel | Connect Plus | Echtzeitdaten, Alarm, Berichte, Alexa, ChatGPT | 6 Monate | Connected Navigation Plus: 9,90 €/Monat; E-Routenplaner: 4 €/Monat, Connect Alarm 49 €/10 Jahre |
Renault | Open R Link | Google Assistent, OTA, adaptiver Tempomat | Kostenlose Phase läuft 2027 ab, noch keine Preise bekannt | |
Škoda | Škoda Connect | Verkehrsdaten, Ladestopp-Planung, Parkplatzsuche, Online-Sprachsteuerung | 3 Jahre | 70 €/Jahr |
Tesla | Premium-Konnektivität | Live-Verkehrsdaten, Wächter-Modus, Daten-Traffic Streaming | – | Premium: 9,99 €/Monat |
Volvo | Digital Services | Daten für Navigation, Sprachassistent | 4 Jahre | Erfährt der Kunde kurz vor Ablauf der 4 Jahre |
Volkswagen | VW Connect Plus | Verkehrsdaten, Ladestopp-Planung, Parkplatzsuche, Online-Sprachsteuerung | 2 Jahre | 4,99 €/Monat; 79,50–149 €/1 Jahr (modellabhängig); 135–255 €/2 Jahre |
Xpeng | Entertainment Paket | Ohne Abo weiterhin nutzbar: Routen- und Ladeplanung, Verkehrsinformationen | 1 Jahr | k. A. |
ADAC Forderungen an die Hersteller
Die Herstellerabfrage zeigt auch, dass digitale Fahrzeugdienste äußerst uneinheitlich strukturiert und für Verbraucher unmöglich zu vergleichen sind. Der ADAC fordert deshalb:
Volle Preistransparenz ohne Login-Zwang: Preise und Leistungsumfang müssen öffentlich einsehbar sein – nicht erst nach Registrierung oder Eingabe der Fahrgestellnummer.
Einfache, nachvollziehbare Produktstrukturen: Der "Abo-Dschungel" mit vielen kleinen Add-ons (Alarmdienste, Navigation, Komfortfunktionen, Remote-Zugriff) sollte gelichtet werden.
Dauerhafte Verfügbarkeit der Basisdienste: Funktionen, die für Sicherheit und Grundfunktionalität relevant sind – wie Datenübertragung, Over-the-air-Sicherheitsupdates (OTA),– müssen über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs kostenlos verfügbar sein.
Übertragbarkeit von Abos ermöglichen: Ein Abo sollte beim Fahrzeugwechsel übertragbar sein oder vollständig mit dem Fahrzeug mitverkauft werden können, damit kein Wertverlust entsteht.
Offene APIs und Datenzugang für Drittanbieter: Hersteller müssen APIs bereitstellen, die sicheren, standardisierten Zugriff auf essenzielle Fahrzeugdaten wie SoC, Ladeleistung oder Klimasteuerung ermöglichen. Sie sollten Abfrageraten erlauben, die denen der Hersteller-Apps entsprechen. Nur so besteht echte Wahlfreiheit.
Ausweg Drittanbieter-Apps

Wer die Hersteller-Abos nicht nutzen möchte, muss dennoch nicht auf die Vorteile digitaler Dienste verzichten. Schließlich lässt sich bei fast allen aktuellen Fahrzeugmodellen das eigene Smartphone über Android Auto und Apple CarPlay mit dem Auto koppeln. Bestimmte Apps können dann bequem über den Fahrzeugbildschirm genutzt werden. Dabei sind auch solche, die als Ersatz für die herstellereigenen Dienste dienen können, etwa für das Navigationssystem.
Gerade für Fahrerinnen und Fahrer von E-Autos spielen die Konnektivitätsdienste eine entscheidende Rolle. Beim Laden geht es einerseits um eine verlässliche Ladeplanung und oft auch um das Verfolgen des Ladefortschritts aus der Ferne. Interessant sind hier vor allem Apps, die auf die Fahrzeugdaten zugreifen und somit anhand des tatsächlichen Ladezustands der Batterie und des aktuellen Verbrauchs eine sinnvolle Routen- und Ladeplanung vornehmen können.

Allerdings: Die wirklichen Alternativen zu vollständig integrierten Hersteller-Navigationssystemen sind aktuell nur mit kostenpflichtigen Drittanbieter-Abonnements erreichbar. Diese bieten dafür aber detailliertere Planungsfunktionen, umfangreiche Filteroptionen und – je nach App – eine bessere Einbindung von Echtzeitdaten. Kostenlose Lösungen bleiben dagegen funktional reduziert und eignen sich in erster Linie für Nutzer, die Erfahrung im Umgang mit Ladeplanung haben und auf fortgeschrittene Komfortfunktionen verzichten können.
Eine echte, datengestützte Live-Navigation mit Ladeplanung bieten derzeit vor allem die Apps ABRP und Pump. Pump ist aktuell nur für iOS verfügbar, während ABRP sowohl iOS als auch Android unterstützt. Beide Apps bieten neben der reinen Routenplanung weitere Komfortfunktionen wie erweiterte Filteroptionen, Höhenprofile, Wetterdaten oder die Verwaltung mehrerer Fahrzeuge. Kostenpunkt für den vollen Funktionsumfang in beiden Fällen: 4,99 Euro monatlich oder 50 Euro jährlich. Die Abos lassen sich monatlich buchen und auch wieder kündigen.
Was ausgewählte Drittanbieter-Apps zu bieten haben, lesen Sie in der Kurzcharakteristik.
Das können Drittanbieter-Apps
Pump ist eine speziell für Elektrofahrzeuge entwickelte Lade- und Navigations-App, die eine moderne Oberfläche und eine intuitive Bedienung bietet. Die App zeigt verfügbare Ladepunkte inklusive Statusinformationen an, und man kann darüber auch direkt an der Ladesäule bezahlen. Es gelten dabei die Preise des Ladesäulenanbieters, was teuer sein kann. Die App unterstützt auch die Verwaltung der eigenen Ladevorgänge. Für iOS ist Pump voll nutzbar, eine Android-App steht derzeit nicht zur Verfügung. Die Integration über Apple CarPlay und die Einbindung von Live-Fahrzeugdaten werden per Premium-Mitgliedschaft über herstellerseitige APIs freigeschaltet und unterstützen dadurch Echtzeit-Ladeplanung.
Cariqa legt den Fokus auf Preistransparenz und benutzerfreundliche Ladeplanung. Die App kombiniert Routing, Anzeige von Ladepunkten und Zahlungsfunktion in einer übersichtlichen Oberfläche. Bezahlt werden kann über Apple Pay, Google Pay oder Kreditkarte. Cariqa vernetzt sich kostenlos mit vielen Fahrzeugmodellen, leitet geplante Routen an Google Maps oder Apple Maps weiter und zeigt Preise sowie Betreiberinformationen an. Eine Integration über CarPlay oder Android Auto ist nicht vorhanden, weshalb Routenänderungen ausschließlich innerhalb der App vorgenommen werden müssen.
ABRP ist eine technisch sehr ausgereifte App für Lade- und Routenplanung, insbesondere für Langstrecken- und anspruchsvolle Fahrer. Die App berechnet Routen anhand von Verbrauchsmodellen, Ladecharakteristik, Wetterdaten und Höhenprofilen. Live-Fahrzeugdaten werden via OBD-Dongle oder über OEM-APIs eingebunden. In der kostenlosen Variante stehen grundlegende Planungsfunktionen zur Verfügung. Premium erweitert den Funktionsumfang um Verkehrsdaten, Echtzeitverbrauch, CarPlay-/Android-Auto-Integration und detaillierte Prognosen. Der große Funktionsumfang führt zu einer eher komplexen Bedienung. In der kostenlosen Variante lassen sich Fahrzeug-Livedaten per OBD-Dongle einbinden.
Die ADAC Drive App bietet eine einfache und benutzerfreundliche Möglichkeit, Ladesäulen entlang der Route zu finden. Sie stellt zahlreiche Filteroptionen zur Verfügung – etwa nach Bezahlsystem, Betreiber oder Ladeleistung – und integriert diese in eine klare Routenansicht. CarPlay wird unterstützt, eine direkte Bezahlfunktion ist jedoch nicht enthalten. Live-Fahrzeugdaten werden nicht eingebunden, für die Ladeplanung müssen Nutzer daher eigene Erfahrungswerte nutzen.
Google Maps ist wohl die am weitesten verbreitete Navigations-App und bietet inzwischen die Möglichkeit, Ladestationen entlang einer geplanten Route einzublenden. Die Bedienung ist sehr benutzerfreundlich, und die Integration in Apple CarPlay und Android Auto funktioniert zuverlässig. Eine direkte Bezahlfunktion oder eine tiefe Integration mit Fahrzeugdaten gibt es nicht, weshalb mit Google Maps lediglich eine manuelle Ladeplanung möglich ist. Dafür überzeugt Maps durch Stabilität, breite Verfügbarkeit und hohe Nutzerfreundlichkeit.
Tipps für Verbraucher
Besonders bei jungen Gebrauchten gilt: Vor dem Kauf informieren statt später zahlen. Viele Dienste sind nur für die ersten Jahre kostenlos – danach fallen laufende Kosten an. Achten Sie darauf, wie lange die Gratisphase dauert und welche Kosten danach entstehen.
Kostenstruktur verstehen: Viele Hersteller kommunizieren Preise schlecht oder erst kurz vor Ablauf der kostenlosen Phase. Fragen Sie beim Händler konkret nach und lassen Sie schriftlich dokumentieren, was im Kaufpreis enthalten ist.
Funktionsumfang kritisch prüfen: Nicht jedes Abo bietet einen echten Mehrwert. Prüfen Sie, ob Sie Live-Verkehrsdaten, Fernbedienfunktionen, App-Integration oder Over-the-air-Updates wirklich brauchen.
Drittanbieter-Apps als Alternative nutzen: ABRP und Pump bieten oft gleiche oder bessere Routenplanung, umfangreiche Filter und Live-Datenintegration – aber meist nur gegen Abo. Gratislösungen (Google Maps, ADAC Drive App) eignen sich, wenn man bereits Erfahrung mit der Ladeplanung hat.
Fachliche Beratung: Manuel Griesmann, ADAC Technik Zentrum