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Alpenüberquerung für Anfänger: Zu Fuß über die Alpen

Pfitscherjoch Hütte
Das Pfitscher-Joch-Haus auf 2276 Metern Höhe ∙ © Leopold Volgger

Für eine Alpenüberquerung muss man kein Profi-Wanderer sein. Auf der Route von Gmund am Tegernsee bis Sterzing in Südtirol ist Genuss wichtiger als sportliche Leistung.

  • Sieben Tagestouren, davon keine länger als 20 Kilometer

  • Übernachten in komfortablen Hotels statt überfüllten Schutzhütten

  • Gepäcktransport auf Wunsch inklusive


Europas mächtigste Gebirgskette zu bezwingen, ob zu Fuß oder mit dem Rad, ist ein Lebenstraum vieler Menschen. Doch Klassiker wie der Europä­ische Fernwanderweg E5 von Oberstdorf nach Meran oder der sogenannte Traumpfad, der von München nach Venedig führt, sind technisch und konditionell anspruchsvoll und nichts für Wanderer mit Höhenangst. Wir sind auf einer leich­teren, einer Genießerroute unterwegs: Von Gmund am Tegernsee geht es über den österreichischen Achensee und das Zillertal bis nach Sterzing in Südtirol.

Einfache bis mittelschwere Tagesetappen

Wanderer am Achensee
Der Achensee leuchtet karibisch blau ∙ © Ulli Hoschek

"Mein Aha-Erlebnis hatte ich während einer Tour auf dem E5 in der Memminger Hütte", sagt Georg Pawlata, unser Bergwanderführer. "Alle 200 Schlafplätze waren belegt, 100 Leute waren zudem im Notlager einquartiert." So kam er auf die Idee, nach einer Alternative zu den frequentierten Routen über die Alpen zu suchen. Es müsse doch einen Pfad geben, der sich für durchschnittlich trainierte Wanderer eignet. Für Erholungsuchende, die lieber im Hotel als im Schlafsaal übernachten. Für Sportliche, die aber nicht schwindelfrei sind.

Pawlata studierte Wanderkarten und testete zahllose Wege, schließlich konnte er die Tourismusverbände entlang der von ihm favorisierten Strecke gewinnen. Seit 2014 kann man nun die "Alpenüberquerung" buchen, mit Frühstück oder Halbpension, Gepäckservice, Shuttle zum nächsten Etappenstart, Rücktransfer und sogar als Gruppentour mit Bergwanderführer. Die Route ist aber gut markiert; gelbe Schilder mit einem "Ü" für Überquerung weisen den Weg Richtung Sterzing.

Abkürzungen mit Bus und Bergbahn sind erlaubt  

ein kleiner Wasserfall in den Alpen
Gebirgsbäche begleiten die Wanderer ∙ © Shutterstock/elenaF

Es geht einen mäandernden Bach entlang, sanft, aber stetig bergauf, vorbei an weiß-braun gefleckten Rindern, die unbeeindruckt weitergrasen. Vermutlich haben sie schon viele Wanderer gesehen, mehr als 10.000 Menschen absolvierten die Strecke bisher. In der Ferne, kurz unter den Wolken, stürzt der Unterschrammachwasserfall in die Tiefe. Es mag an dieser Kulisse liegen, dass uns die Steigung kaum zusetzt. Vielleicht liegt es aber auch an der Nacht im Hotel, dem Saunabesuch am Vorabend und dem Bus, der uns am Morgen bequem hinauf zum Schlegeisspeicher gebracht hat, jenem türkisblauen See auf 1800 Metern Höhe, an dem der Weg durch den Zamser Grund aufs Pfitscher Joch beginnt.

Auch das ist ein Prinzip von Pawlatas ­Alpenüberquerung: Öffentliche Verkehrsmittel werden genutzt, wo es sinnvoll ist. Nicht nur lassen sich Etappen so beliebig verkürzen. Linienbusse, die Dampf-Zahnradbahn am Achensee oder auch die Ruderfähre am Tegernsee sind Bestandteil der Tour. Das sorgt für Abwechslung und vermeidet lange Teilstücke entlang einer Straße oder endlose Abstiege, die unnötig die Knie belasten.

Die richtige Kleidung ist entscheidend

Auf 2246 Metern Höhe ist die Grenze überschritten. Wir sind in Italien – der Sprühregen auf dem Pfitscher Joch fühlt sich allerdings nicht sehr italienisch an. Die Laune kann uns das bisschen Wasser aber nicht verderben. Hier oben, sagt Pawlata, schneie es im Sommer auch mal. Wetterfeste Kleidung inklusive Handschuhen und Mütze sind deshalb auf einer Alpenüberquerung Pflicht, ebenso wie Wanderschuhe mit gutem Profil. Entsprechend ausgerüstet macht ein Schauer nichts aus. Im Gegenteil: Auf der ersten Etappe am Tegernsee hatten wir, der Nässe sei Dank, drei Feuersalamander entdeckt. Die seltenen Lurche werden bei Regen aktiv.

Italienische Pasta auf 2276 Metern Höhe

ein Teller mit Hüttenmakkaroni
Große Stärkung für müde Wanderer: Hirtenmakkaroni ∙ © Fotolia/SusaZoom

Einkehr im Pfitscher-Joch-Haus, einer Schutzhütte auf 2276 Höhenmetern, dem höchsten Punkt des Tages. Dass wir tatsächlich Italien erreicht haben, wissen wir spätestens jetzt. Die Zwillinge Thomas und Michael Volgger kredenzen Hirtenmakkaroni, Gewürztraminer, Cappuccino. Ja, so schmeckt Südtirol!

Beim Abstieg erfüllt sich dann doch noch das Klischee, wie wir es von all den Autofahrten über den Brenner nach Süden kennen: Es regnet nicht mehr, die Sonne kommt hervor. Mit jedem Meter hinab ins Pfitschtal wird es wärmer. Anfangs geht es in steilen Kurven bergab, ein Abschnitt, den jeder in seinem eigenen Tempo meistert. Dann laufen wir über Almwiesen und weiter durch einen Mischwald, erneut an Almrausch, wilden Orchideen und anderen Alpenblumen vorbei. Bauern bei der Heuernte kündigen den Weiler St. Jakob an. Bevor wir von dort aus mit dem Bus weiter zu unserem Hotel nahe Kematen fahren, gehen wir noch in ein Café und stoßen an.

Geschafft: Hannibal wäre stolz auf uns

Am nächsten Morgen ist keine Wolke am Himmel. Beschwingt treten wir zur finalen Etappe nach Sterzing an. Es geht vorbei an Südtiroler Bauernhäusern mit Geranienbalkonen, steinernen Kirchen und historischen Ansitzen, an üppigen Gärten vor Einfamilienhäusern. Von einer Anhöhe aus sehen wir irgendwann unser Ziel: das Zentrum von Sterzing mit dem 46 Meter hohen Zwölferturm.

Infos und Buchung

Die ideale Wanderzeit für eine Alpenüberquerung ist von Mitte Juni bis Oktober. Verschiedene Reisepakete können gebucht werden. Mit Übernachtung im Doppelzimmer (ohne Gepäcktransport) kostet die Tour ab 790 Euro pro Person. Weitere Infos und Buchung auf der Website der Alpenüberquerung*.

Als wir wenig später durch die Fußgängerzone mit ihren bunten Bürgerhäusern schlendern, können wir es selbst noch nicht ganz fassen: Wir sind zu Fuß über die Alpen gelaufen. Wir haben liebliche, urwüchsige, auch unwirtliche Landschaften durchwandert und die Spezialitäten dreier Länder probiert. Und ja, stolz sind wir auch. Immerhin ist der wohl berühmteste Alpenüberquerer auch nach gut 2200 Jahren der karthagische Feldherr Hannibal. Aber der hatte Elefanten.

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