Die spektakulärsten Motorradtouren in den französischen Seealpen
Von Magdalena Kosch

Alpiner Hochgenuss für Motorradfahrer: Touren-Tipps mit GPS-Daten und Karten zum Nachfahren.
Die französischen Seealpen, gelegen zwischen dem Genfer See und Nizza, bieten ambitionierten Tourenfahrern ein intensives Erlebnis. Der Reiz der Region liegt in der Kombination aus kurvenreichen Passstraßen und ruhigem Verkehr, eingebettet in eine Bergwelt voller imposanter Panoramen. Ihre wilde Naturschönheit fasziniert viele Reisende nachhaltig – so sehr, dass die Erlebnisse einer Tourenwoche in den Seealpen noch Tage später nachwirken und lebendig in Erinnerung bleiben.
Die folgenden vier sorgfältig ausgearbeiteten und getesteten Routen inklusive GPS-Daten und Karten zum Nachfahren sind ein Ausschnitt aus vielem, was die französischen Alpen zu bieten haben. Außerdem gibt es Tipps zur besten Reisezeit, Streckenlänge und rechtliche Hinweise zum Motorradfahren in Frankreich.
Pässejagd Seealpen
Auf einer Motorradreise durch die Seealpen wird einem die Größe der Alpen eindrucksvoll vor Augen geführt. Wenn man durch die französisch-italienische Grenzregion fährt, verliert sich die Zeit zwischen Kurvenrausch und einem Panorama, das mit jedem Kilometer neue Facetten offenbart.
Tourenfahrer dürfen sich auf dieser 300 Kilometer langen Strecke auf Pässe-Highlights wie den Col d'Izoard, Col Agnel, Colle della Maddalena und Col de Vars freuen – 12.186 Höhenmeter pure Leidenschaft, wo Asphalt und alpines Freiheitsgefühl verschmelzen. Wer sich Zeit lassen möchte, gönnt sich den grandiosen Kurventanz als Zweitagestour.
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Tourbeschreibung - Seealpen Pässejagd mit Motorrad
Col d'Izoard
Mit der Fahrt auf der berühmtesten Themenstraße der Seealpen, der Route des Grandes Alpes ab Briançon, liefert diese Motorradtour mit der Izoard Passstraße einen fulminanten Start. Dank der schnelleren Alternativroute durch das Tal der Durance bleibt dieser schöne Alpenpass vom Großteil des Verkehrs verschont – ein Genuss für alle, die kurvige Straßen und die Dynamik des Fahrens lieben. Die zweispurige, gut ausgebaute und serpentinenreiche Nordrampe – in einer grünen, hochalpinen Landschaft gelegen – wärmt Tourenfahrer rasch auf.

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Auf der Passhöhe des Col d’Izoard angekommen, ändert sich die Kulisse dramatisch: wilde Kurven, majestätische Ausblicke und dramatische Höhen. Das Casse Déserte genannte Gebiet ähnelt einer Mondlandschaft mit schroffen Felsspitzen und spannenden Licht-Stimmungen - eine Sinnesflut, die nachhallt.
Auf der etwas anspruchsvolleren Südrampe des Izoards laden gekieste Parkmöglichkeiten am Straßenrand auf Foto-Stopps in der kraterähnlichen Felsenwelt ein.

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Col d'Agnel
Mit dem Col d'Agnel erwartet Tourenfahrer ein weiteres Pässe-Highlight der Seealpen. Die Anfahrt zum Agnel führt nach dem Ort Ville-Vieille auf einer windungsreichen Straße durch ein verträumtes Tal mit sanften Bergwiesen. Über ein paar Serpentinen geht es auf einer durchgehend asphaltierten Straße, teils schmal und nicht immer in bestem Zustand, hinauf zum Aussichtspunkt des Col d'Agnel.

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Der auf über 2700 Metern liegende und damit höchste grenzüberschreitende Pass der Alpen verbindet das Queyras-Tal in Frankreich mit dem Valle Varaita in Italien und ist aufgrund seiner Höhe nur wenige Wochen im Sommer befahrbar, in der Regel von Mitte Juli bis Mitte September.
Oben angekommen wartet der Pass mit einer sagenhaften Aussicht auf die umliegende Berglandschaft auf: ein Pflichtstopp, der nicht auf der Route des Grandes Alpes liegt, aber unbedingt ins Tourenbuch aufgenommen werden sollte.

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Über die schmale Südrampe geht es in Piemont hinab nach Pontechianale, wo eine Trinkpause am See eingelegt werden kann. Danach führt die Rundtour weiter nach Casteldelfino und Sampeyre, wo der nächste Bergpass wartet.
Colle di Sampeyre
Wo beeindruckende Kehren den schmalen Aufstieg zur Passhöhe des Colle di Sampeyre prägen, geht es mit jedem Bogen dem Horizont entgegen. Die wenig befahrene Strecke bietet bereits reizvolle Ausblicke, doch auf der Südrampe werden sie noch prachtvoller und weitläufiger.

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Ein kurzer lohnenswerter Abstecher ist San Martino Superiore: Der kleine, spektakulär auf einer Felskante thronende Weiler eröffnet einen fabelhaften Ausblick auf die umliegenden Berge.
Auf einer nicht endenden Kurvenstrecke geht es anschließend vorbei an der Kirche San Peyre di Stroppo, die auf 1233 Metern Höhe auf einem Felssporn, der das Maira-Tal überragt, liegt – ein beliebter Foto-Stopp. Kurz darauf folgt die Route den Schwüngen des Flusses Torrente Maira und biegt bei Ponte Marmora links ab, wo es wieder bergauf geht.

Colle d'Esischie
Es folgt eine etwa 20 Kilometer lange, anspruchsvolle Fahrt auf einer engen Straße mit teils schlechtem Asphalt und spitzen Kehren hinauf zum Colle d'Esischie. Die Fahrt in eine hochalpine Welt, in der die Zeit stillzustehen scheint, ist ein Erlebnis, das nur Bikerinnen und Biker mit Passerfahrung und sicherem Umgang mit dem Motorrad angehen sollten.
Alternativ kann man von Stroppo nach Dronero fahren und diesen kniffligen Streckenabschnitt über Valgrana und Pradleves umfahren. Diese Alternativstrecke ist besser ausgebaut, aber auch 40 Kilometer länger.
Wer den Colle d'Esischie mit dem Motorrad erklimmt, kann sich auf eine einzigartige Bergwelt und einsame Straßen freuen. Wer seinen Blick über die friedliche Berglandschaft schweifen lässt, entdeckt mit etwas Glück Murmeltiere auf den saftig grünen Wiesen – ein kleiner, aber besonderer Moment der Nähe zur Natur.

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Die Fahrt über den Colle Fauniera hinab nach Demonte ist weniger verwinkelt und übersichtlicher – aber genauso aussichtsreich.

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Colle della Maddalena
Der darauffolgende Tourenabschnitt zum Maddalena Pass wirkt im Vergleich zu dem vorausgehenden Streckenausbau wie eine Autobahn und ist vollumfänglich anfängertauglich. Dieser Grenzpass verbindet die Provinz Cuneo im italienischen Piemont mit dem französischen Département Alpes-de-Haute-Provence und wird unter der Woche auch von Lastkraftwagen befahren.
Locker-flockig geht es nun also auf einer breit ausgebauten Straße den Colle della Maddalena hinauf, wobei die ersten Serpentinen etwas mit Vorsicht zu genießen sind: Der teils vom Schwerlastverkehr abgenutzte Asphalt verlangt gerade bei flotter Gangart ein feinfühliges Gasgefühl am Kurvenausgang.
Am Lago della Maddalena vorbei ist auch schnell die Grenze zu Frankreich erreicht. Mit lässigem Schwung geht es hinab nach Meyronnes und schließlich nach Saint Paul sur Ubaye, wo die Auffahrt zum Col de Vars wartet.
Col de Vars
Zum Ende der Tour wird mit dem Col de Vars nochmal ein Motorrad-Highlight der französischen Seealpen unter die Räder genommen. Als Teil der Route des Grandes Alpes bietet der leicht zu fahrende Pass Fahrspaß vom Feinsten: Breite Serpentinen kombiniert mit "flowigen“ Links-Rechts-Schwüngen ergeben hier die perfekte Mischung für Genussfahrer und sportliche Tourenfahrer.

Etwa einen Kilometer hinter der Passhöhe liegt auf 1190 Metern Höhe die historische Berggaststätte "Refuge Napoléon", eines von sechs Schutzhäusern für Reisende, die in den Jahren 1856 bis 1865 erbaut wurden. Auf der Südrampe des Col de Vars freuen sich Motorradfahrerinnen und -fahrer auf herrliche Kurvenkombinationen mit bis zu 8 Prozent Gefälle, bis schließlich Guillestre erreicht ist.

Wer nun genug von der Kurvenhatz hat, folgt der bundesstraßenähnlichen Route gen Norden entlang des Flusses "La Durance“ und passiert die Orte La Roche de Rame und L'Argentière la Bessée auf dem Weg zurück nach Briançon.
Wem vom Pässe-Rausch noch nicht schwindelig ist, kann von Guillestre aus auch über den Izoard zurück nach Briançon fahren und sich den Radienritt diesmal im Süd-Nord-Verlauf gönnen.
Streckenlänge: ca. 301 Kilometer
Fahrtzeit: ca. 7 Stunden
Mit dem Motorrad: Diese Rundtour kombiniert mühelos fahrbare Abschnitte mit technisch anspruchsvollen Passagen und bietet immer wieder Gelegenheit zum Durchatmen – sei es durch landschaftliche Highlights oder sanftere Teilstücke. Gerade wegen dieser Mischung und der Gesamtlänge empfiehlt sich die Strecke besonders für erfahrene Passfahrer.
Tipps: In den französischen Seealpen schwingt die Straße durch spektakuläre Panoramen – ein kurvenreicher Tanz aus Licht, Fels und Horizont, das die Sinne betört und die Gedanken ins Staunen versetzt. Da die Konzentration dem abwechslungsreichen Straßenverlauf gewidmet werden sollte, ist es ratsam, ausreichend Pausen zum Innehalten einzuplanen. Wer es gerne gemütlich angeht, teilt die Rundtour auf zwei Tage auf.
Aufgrund der teils hochgelegenen Passabschnitte sollte vor Tourenbeginn unbedingt auf die Wetterlage geachtet und dementsprechende Motorradbekleidung getragen werden – viele Strecken sind ausschließlich in den Sommermonaten sicher und überhaupt befahrbar: siehe Beste Reisezeit für die Seealpen
Highlights der Tour: Die Landschaft und Streckenführung am Col d'Izoard, Col d'Agnel, Col de Vars und die Murmeltiere am Colle d'Esischie
Tagestour Bonette und Cayolle
Der Col de la Bonette und der Cayolle-Pass sind die Ziele dieser Motorrad-Rundtour: 194 Kilometer mit über 10.000 Höhenmetern Kurvenpoesie, immer begleitet vom Duft alpiner Vegetation und dem charaktervollen Klang des Motors, der sich durch die Höhen windet. Ob sportlich gefahren oder entspannt genossen – die Route zählt zu den Seealpen-Highlights für Motorrad-Enthusiasten.
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Tourbeschreibung - Bonette und Cayolle mit Motorrad
Der malerische Stützpunkt dieser Motorrad-Rundtour ist die Hauptstadt des Ubaye-Tals, Barcelonnette, die sich mit zahlreichen Unterkünften, einer lebendigen Gastronomie und grandiosen Hochalpen-Touren als idealer Ausgangsort für Motorradreisende in der Region erweist.


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Col de la Bonette
Etwa dreißig Kilometer süd-östlich von Barcelonnette entfernt liegt der Col de la Bonette. Früher war die Strecke über den Bonette eine echte Herausforderung: schmale, teils einspurige Abschnitte und ein Straßenbelag, der selbst hartgesottene Motorradfahrer ins Schwitzen brachte. Heute ist die Route von Jausiers über die Casernes de Restefond bis zum Col de la Bonette auf rund 2600 m Höhe gut ausgebaut und ein Vergnügen für alle, die das Spiel aus Schräglage und Panorama lieben – doch unterschätzen sollte man sie nicht.


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Auf beiden Seiten des Passes gilt es weit über 2000 Höhenmeter in einem besonders kurvigen Streckenverlauf zu überwinden. Hier, wo der Schnee oft bis in den Sommer bleibt, sind die Steigungen spürbar. Man bewegt sich in hochalpinem Terrain.
Was diese Fahrt besonders macht, ist der Wandel der Landschaft: Unten säumen noch grüne Wiesen und lichte Wälder die Straße, doch mit jedem Höhenmeter wird die Vegetation spärlicher. Die Bäume verschwinden, das satte Grün wird blasser, die Szenerie verwandelt sich in eine raue, steinige Welt aus Geröll und Fels. Oben, wo die Straße sich flüssig durch karge Hochgebirgslandschaft windet, herrscht Stille – unterbrochen nur vom Wind und dem Surren des Motors.



























