Kfz-Rückrufe: 2019 so viele wie nie zuvor

Karosserie auf der Produktionsstraße des BMW 1er im Jahr 2009 in Regendsburg
Produktion eines 1er BMW: Auch diese Baureihe zählt zu den Rückrufen des Jahres 2019 ∙ © mauritius images/Werner Bachmeier

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland 390 Fahrzeugrückrufaktionen – etwa fünf Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2018. Betroffen waren davon insgesamt 3.198.331 Fahrzeuge. Für den größten Rückruf sorgte ein bayerischer Hersteller.

Nach einer Auswertung der Daten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) durch den Blog "Kfz-Rueckrufe.de" mit der Münchener Gesellschaft für Prozessautomation und Datenverarbeitung (GEPA mbH) gab es im vergangenen Jahr 390 Kfz-Rückrufaktionen, im Vorjahr waren es 370. Betroffen davon waren 2019 allerdings "nur" 542.667 weniger als 2018.

Wer hatte die meisten Rückrufe?

Allein 52 Rückrufe hatte Daimler für seine Mercedes-Modelle zu verantworten. BMW hatte zwar nur 22 Rückrufe, davon betroffen waren aber über eine Millionen Fahrzeughalter. VW musste 20 Rückrufe für 345.000 Pkw starten.

Warum gibt es immer mehr Rückrufe?

Laut ADAC Experten muss der Anstieg von Rückrufen nicht gleichbedeutend mit einer größeren Zahl von technischen Problemen der Autos sein. Vielmehr werden die Autohersteller sensibler und veröffentlichen heute auch Rückrufe, die sie früher "im Stillen" abgearbeitet haben. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, denn so ist sichergestellt, dass alle betroffenen Fahrzeuge repariert werden.

Ein weiterer Grund für die steigende Zahl von Rückrufen ist die zunehmende Komplexität der Fahrzeuge. Neue Technologien wie Assistenzsysteme, Hybrid-Technik und Elektro-Fahrzeuge sind für die Hersteller teilweise noch Neuland und können somit neue Fehlerquellen erzeugen.

Furcht vor rechtlichen Konsequenzen

Nicht zuletzt ist laut ADAC Technikexperten auch die Furcht vor rechtlichen Konsequenzen offenbar gestiegen. Das führt mitunter zu Kuriositäten: Ein süddeutscher Hersteller hat beispielsweise öffentlich lediglich sieben Autos zurückgerufen. Der Reifendruck auf dem Aufkleber im Tankdeckel war falsch ausgewiesen. Ein Hochleistungsauto, das mit dem falschen Reifendruck unterwegs ist, kann fatale Folgen haben.

Deutscher Hersteller unter den Top-5-Rückrufen 2019

Wir haben eine Tabelle der Top-5-Rückrufe des Jahres 2019 zusammengestellt. Maßstab sind dabei die in deutschen Werkstätten einbestellten Fahrzeuge und Rückrufe, die das KBA überwacht.

Modell

Anzahl der Exemplare

Betroffene Baujahre

Grund des Rückrufs

BMW 5er und 6er

273.698

2002 bis 2010

Fehlerhafte Kabelklemme am Übergabestützpunkt bedingt möglicherweise einen Stromausfall und ggf. Brandgefahr.

BMW 1er, 3er und X1

148.052

2009 bis 2011

Fehler in Steckverbindung der Batterieplusleitung kann zum Ausfall der Fahrzeugelektrik und des Motors führen.

Ford Galaxy, S-Max und Mondeo

101.319

2014 bis 2019

Motorbrand infolge Säureaustritts am Batteriepol.

BMW 5er und X5

95.239

2000 bis 2004

Der Fahrerairbag wird überprüft und ggf. ersetzt.

VW T6

86.741

2014 bis 2017

Konformitätsabweichung führt zur Überschreitung des Euro-6-Grenzwertes für Stickoxide.

Unter anderem ruft BMW in Deutschland bis zu 330.000 Dieselmodelle der Baureihen 1er bis 7er sowie X1, X3, X4, X5 und X6 zurück: BMW - Rückruf von Dieselfahrzeugen

Regina Ammel
Redakteurin
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