ADAC warnt vor zwei Kindersitzen: Gravierende Mängel im Crashtest
Von Jochen Wieler
Bei Frontalaufprall-Tests des ADAC haben die Babyschale Britax Römer Baby-Safe Pro in Verbindung mit der Vario Base 5Z sowie der Axkid Minikid Core gravierende Sicherheitsmängel gezeigt. Was der ADAC rät und wie sich Eltern jetzt verhalten sollten.
Britax Römer Baby-Safe Pro: Dummy wird herausgeschleudert
Axkid Minikid Core: Stützfuß versagt – hohes Verletzungsrisiko
Axkid startet Rückruf, Britax Römer untersucht die Ursache
Derzeit laufen die Crashversuche für den kommenden Kindersitztest des ADAC. Doch mit diesen erschreckenden Ergebnissen wollte der Club nicht bis zur eigentlichen Veröffentlichung Ende Oktober 2026 warten: Bei den üblichen Crashtests haben zwei der getesteten Kindersitze schwerwiegende Sicherheitsmängel gezeigt.
Weil ein hohes Verletzungsrisiko für das Kind bei einem Unfall besteht, rät der ADAC dringend vom Kauf der Sitze Britax Römer Baby-Safe Pro in Verbindung mit der Vario Base 5Z und Axkid Minikid Core ab.
Gurtschloss der Babyschale von Britax Römer öffnet sich

Beim Frontalaufprall-Test wurde der Britax Römer Baby-Safe Pro mit der Isofix-Basis Vario Base 5Z in Liegeposition geprüft. Dabei öffnete sich das Gurtschloss des Hosenträgergurts. Der 11 Kilogramm schwere Dummy wurde aus der Babyschale geschleudert. Bei einem schweren Verkehrsunfall bestünde dadurch ein hohes Risiko, dass ein Kind im Fahrzeuginnenraum aufprallt und sich schwer verletzt. Der Schutz beim Frontalaufprall wurde deshalb mit "mangelhaft" bewertet.
Als Ursache haben die ADAC Ingenieure die hohen Zugkräfte auf Hosenträgergurt und Gurtschloss ausgemacht. In der flachen Liegeposition wird der Dummy schlechter von der Sitzschale abgestützt. Während des Aufpralls überschritt die Belastung die Grenze des Gurtschlosses: Die Kunststoff-Rasthaken der Gurtzunge brachen ab, der Gurt öffnete sich.
So sollten Eltern die Britax-Römer-Babyschale jetzt nutzen

Eltern, die den Baby-Safe Pro bereits besitzen, empfiehlt der ADAC, die Babyschale möglichst aufrecht zu verwenden. Als Alternative kann die Schale ohne Vario Base 5Z mit dem Dreipunktgurt des Fahrzeugs befestigt werden. Bei dieser Einbauart hielt das Gurtschloss in den durchgeführten Versuchen sowohl in Sitz- als auch in Liegeposition. Der Fahrzeuggurt, der um das Kopfende gelegt wird, unterstützt die Schale und sorgt damit dafür, dass sie sich beim Aufprall unter Belastung nicht so stark verformt. Auch auf der Isofix-Basis bot die Babyschale in aufrechter Position einen guten Schutz.
Beim Einbau mit dem Fahrzeuggurt muss der Beckengurt über das Beinende der Babyschale und der Diagonalgurt um deren Kopfende verlaufen. Der Gurt ist straff anzuziehen.
Laut Britax Römer wurden bei eigenen Tests keine Auffälligkeiten festgestellt. Der Hersteller untersucht derzeit die Ursache. Ob es beispielsweise zu einer Überarbeitung, einem Austausch oder einem Rückruf kommt, soll erst nach Abschluss der technischen Untersuchung entschieden werden.
Axkid Minikid Core: Stützfuß fährt ein, Sitzschale bricht

Auch der entgegen der Fahrtrichtung eingebaute Axkid Minikid Core versagte im Frontalaufprall-Test. Geprüft wurde der Sitz in Liegeposition mit einem 23 Kilogramm schweren Dummy – der Axkid ist für Kinder von 40 bis 125 Zentimeter Körpergröße zugelassen. Während des Aufpralls bewegte sich der Kindersitz nach vorn. Dabei traf das Kunststoff-Untergestell auf den Stützfuß und löste dessen Entriegelung aus. Der Stützfuß fuhr vollständig ein.

Zudem zerbrach die Kunststoff-Sitzschale im Bereich des Gurtschlosses. Das Schloss wurde aus der Schale gerissen, das Becken des Dummys schleuderte nach oben. Der ADAC stellte außerdem ein starkes Abknicken der Halswirbelsäule und ein zusätzliches Verletzungsrisiko durch einen möglichen Aufprall am Vordersitz oder im Fahrzeuginnenraum fest. Auch dieser Sitz erhielt daher für den Schutz beim Frontalaufprall die Bewertung "mangelhaft".
Axkid startet freiwilligen Rückruf
Axkid hat aufgrund der Testergebnisse den Verkauf des Minikid Core eingestellt und einen freiwilligen Rückruf eingeleitet. Besitzerinnen und Besitzer können den Sitz kostenlos gegen einen Axkid Minikid 4 Pro austauschen. Dazu müssen sie sich über ein Online-Formular des Herstellers registrieren und die Seriennummer ihres Kindersitzes angeben. Auf dieser Herstellerseite sind weitere Informationen zur Vorgehensweise zu finden:
ADAC Test strenger als das Gesetz
Hinweis: Die Frontalaufprall-Tests des ADAC orientieren sich hinsichtlich der Unfallschwere an aktuellen Euro-NCAP-Fahrzeugcrashtests. Dabei wirken deutlich höhere Kräfte als bei den gesetzlich vorgeschriebenen Zulassungsversuchen für Kindersitze nach UN-Regelung 129. Viele Kindersitze erfüllen auch diese höheren Anforderungen und bieten ausreichenden Schutz.
Beide beanstandeten Modelle erfüllen die gesetzlichen Anforderungen und dürfen deshalb weiterhin in Europa verkauft werden. Allein aus dem schlechten Ergebnis des Verbraucherschutztests ergibt sich nicht automatisch ein Anspruch auf Rückgabe oder Umtausch. Bei Sitzen, die vor weniger als zwei Jahren gekauft wurden, kann möglicherweise ein Anspruch aus der Sachmängelhaftung gegenüber dem Verkäufer bestehen. Das muss jedoch im Einzelfall geprüft werden.
Der vollständige ADAC Kindersitztest mit den Ergebnissen aller untersuchten Modelle wird Ende Oktober 2026 veröffentlicht.
Fachliche Beratung: Burkhard Böttcher, ADAC Technik Zentrum