Diese Kindersitze sind gefährlich: ADAC warnt vor mehreren Modellen

• Lesezeit: 4 Min.

Von Jochen Wieler

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Der ADAC warnt vor mehreren Kindersitzmodellen: Im laufenden Kindersitztest vom Frühjahr 2026 zeigten mehrere Sitze erhebliche Sicherheitsmängel. Welche Kindersitze betroffen sind und was Eltern mit solchen Sitzen jetzt tun sollten.

  • 8 Kindersitze fallen beim Crashtest durch

  • ADAC rät vom Kauf ab

  • Hersteller Kinderkraft nimmt Babyschale zurück

Kindersitze versagen beim Crashtest

Bei einem Unfall sollten Kinder in einem Kindersitz gut geschützt sein. Doch nicht einmal dieser grundsätzlichen Aufgabe werden manche Modelle gerecht: Der ADAC warnt im Rahmen seines aktuell laufenden Kindersitztests vor mehreren Produkten, weil bei einem schweren Unfall ein hohes Verletzungsrisiko für das Kind besteht. Bei den Crashversuchen des ADAC zeigte eine ganze Reihe von Modellen gravierende Sicherheitsmängel.

White-Label-Sitze fallen reihenweise durch

Ein Großteil der betroffenen Produkte stammt aus einer Gruppe nahezu baugleicher Sitze, die unter verschiedenen Marken im Onlinehandel angeboten werden. Diese "White‑Label-Produkte" werden zum Beispiel auf Plattformen wie Alibaba in großer Stückzahl angeboten, können von den jeweiligen Händlern optisch angepasst und anschließend unter eigenen Markenbezeichnungen verkauft werden.

Bereits im Kindersitztest 2025 hatte der ADAC vor dem Modell Reecle 360 gewarnt, dessen Sitzschale sich beim Frontalcrash aus seiner Unterkonstruktion löste und unkontrolliert durch den Fahrgastraum geschleudert wurde.

Die Recherchen des ADAC ergaben: Der Reecle 360 ist offenbar nur ein Vertreter einer ganzen Produktfamilie bauähnlicher Sitze. Im Internet finden sich technisch weitgehend identische Modelle mit derselben Zulassungsnummer, beispielsweise unter folgenden Namen:

  • Buf Boof Tweety Plus

  • Ding Aiden 360

  • Kidiz 360

  • KidsZone i-Size 360

  • Lettas i-Size 360

  • Miophy i-Size 360

  • Xomax 946i

Warum diese Kindersitze zum Risiko werden können

Alle diese Sitze unterscheiden sich nur im Namen und beim Design – nicht jedoch in der Konstruktion. Der ADAC bestellte mehrere Varianten dieser White‑Label-Sitze erneut und unterzog sie ebenfalls den standardmäßig bei Kindersitztests durchgeführten Crashversuchen.

Das Ergebnis fiel alarmierend aus: Bei allen Kindersitzen versagte die Unterkonstruktion und die Sitzschalen wurden durch das Fahrzeug geschleudert. Der ADAC rät deshalb dringend vom Kauf dieser Produkte ab.

White‑Label-Produkte sind ein übliches Geschäftsmodell. Entscheidend ist jedoch, dass auch diese Produkte ihren Zweck erfüllen. Bei den getesteten Kindersitzen ist das nicht der Fall. Problematisch dabei: Für Verbraucher ist nicht erkennbar, dass es sich bei den verschiedenen Marken um technisch identische Produkte handelt.

Ebenso wenig ist die mangelhafte Sicherheit vor dem Kauf ersichtlich. Eine vermeintlich gute Bewertung im Onlinehandel von anderen Käufern kann hier sehr trügerisch sein – schließlich kann keiner der bisherigen Kunden das Verhalten bei einem Unfall beurteilen.

Gefährliche Mängel auch beim Kinderkraft Mink Pro 2 + Base Mink FX2

Unabhängig von der Gruppe der White‑Label-Sitze stellte der ADAC beim Modell Kinderkraft Mink Pro 2 ebenfalls schwerwiegende Sicherheitsprobleme fest. Beim Frontalcrash löste sich die Babyschale aus der Isofix-Station Base Mink FX2 und wurde durch den Fahrgastraum katapultiert. Bei einem schweren Unfall besteht deshalb ein hohes Verletzungsrisiko für das Kind.

Eltern, die den Sitz bereits gekauft haben, wird empfohlen, die Babyschale möglichst ohne Base Mink FX2 zu nutzen und sie mit dem Fahrzeuggurt anzuschnallen. So befestigt bietet die Babyschale einen guten Schutz, das haben die Tests gezeigt. Beim Einbau ist auf den richtigen Gurtverlauf (Beckengurt über das Beinende, Diagonalgurt um das Kopfende) und auf ein straffes Anziehen des Gurtes zu achten.

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Was ist jetzt zu tun? Tipps für Eltern

Produktfoto des Kindersitzes Kinderkraft Mink Pro 2+Base Mink
Hersteller Kinderkraft nimmt die Babyschale Mink Pro 2 zurück© ADAC/Ralph Wagner

Die Ergebnisse des ADAC Tests zeigen Wirkung: Der Hersteller Kinderkraft reagiert vorbildlich und bietet seinen Kunden den Austausch oder die Rückgabe des "Kinderkraft Mink Pro 2 + Base Mink FX2" an. Eltern, die die Babyschale mit Isofix-Basis gekauft haben, sollen über die E-Mail-Adresse safety@kinderkraft.com Kontakt zum Hersteller aufnehmen.

Und was passiert mit der Riege der White-Label-Sitze? Das Problem: Die getesteten Sitze erfüllen grundsätzlich die gesetzlichen Anforderungen und dürfen generell in Europa verkauft werden – auch wenn sie im aktuellen ADAC Test durchgefallen sind. Ein genereller Anspruch auf Rückgabe oder Umtausch von bereits gekauften Produkten lässt sich anhand des schlechten Abschneidens beim Verbraucherschutztest nicht zwingend ableiten.

Produktfoto des Kindersitzes Kidiz 360
Ein Sitz, viele verschiedene Namen, durchgefallen im ADAC Test: Im Bild der Ding Aiden 360© ADAC/Ralph Wagner

Eltern, die den neuen Kindersitz vor weniger als zwei Jahren gekauft haben, könnten einen Sachmängelhaftungsanspruch gegen den Verkäufer geltend machen. Dies müsse jedoch im Einzelfall geprüft werden, sagen ADAC Juristen. Unabhängig davon rät der ADAC dringend davon ab, diese Kindersitze weiter zu nutzen.

Zwar hat der Hersteller "Yangzhou Lettas Baby Product" in einer Stellungnahme mitgeteilt, dass seit Januar in der laufenden Produktion verschiedene Verbesserungen eingeflossen seien, die die Stabilität der Sitze verbessern sollen. Doch das hilft all jenen nicht, die das Produkt vor der Überarbeitung gekauft haben. Die verbesserte Version werde an alle Anbieter gleichermaßen ausgeliefert, heißt es. Ob diese beim Crash besser abschneidet, konnte der ADAC noch nicht überprüfen.

Generell sollten sich Eltern vor dem Kauf über die Bewertung des gewünschten Kindersitzes in Tests informieren. Alle Ergebnisse des kommenden ADAC Kindersitztests werden Ende Mai 2026 veröffentlicht.

Test und fachliche Beratung: Andreas Ratzek, ADAC Technik Zentrum