Sorge wegen Kerosin-Knappheit: Was das für den Urlaub bedeutet
Von Sabrina Doschek

Der Irankrieg sorgt auch in Deutschland für Unruhe: Nach steigenden Spritpreisen wächst nun die Sorge wegen eines Mangels an Kerosin – mit möglichen Folgen für den Flugverkehr im Sommer.
Internationale Energieagentur warnt vor Kerosin-Knappheit in Europa
Lufthansa reagiert mit Flottenstilllegungen
Ihre Rechte bei Flugausfall
Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte am Freitag, 17. April, dass mehrere europäische Länder in den kommenden sechs Wochen mit einer beginnenden Kerosin-Knappheit zu rechnen haben. Auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) äußerte sich besorgt und nimmt die Warnungen ernst. Neben steigenden Preisen müsse vor allem die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben.
Kerosinmangel: Reiche spricht von Alarmismus
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hingegen widersprach dem Eindruck einer Krise. "Alarmismus bei Kerosin hilft nicht", so die CDU-Politikerin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Versorgungslage in den jeweiligen Märkten sei unterschiedlich.
Für Montag, 20. April, hat das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium Vertreter und Vertreterinnen von Versorgern, Flughäfen, Fluggesellschaften und Verbänden zum Austausch eingeladen, um die Lage zu bewerten.
Kerosin-Krise? Fliegen könnte deutlich teurer werden
Für Urlauberinnen und Urlauber dürfte sich die Lage vor allem beim Preis bemerkbar machen. Wer den Sommerurlaub noch nicht gebucht hat, muss sich vermutlich auf höhere Kosten einstellen. Nach Einschätzung des Luftverkehrsverbandes BDL könnte der stockende Nachschub an Kerosin schon bald zu spürbaren Einschnitten im Flugangebot führen.
Es ist möglich, dass Airlines ihr Angebot ausdünnen oder einzelne Verbindungen streichen. Die Lufthansa hat bereits reagiert und wird angesichts der hohen Kerosinpreise Teile ihrer Flotte stilllegen. Betroffen sind vor allem Lufthansa und die Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline, die zuletzt auch von Streiks betroffen waren.
Noch in diesem Monat sollen 27 ältere Regionaljets vom Typ Canadair CRJ bei Cityline außer Betrieb gehen. Im Herbst folgen dann Einschnitte bei der Kernmarke: Ende Oktober werden vier Airbus A340‑600 und zwei Boeing 747‑400 stillgelegt. Besonders ineffiziente Flugzeuge würden vorzeitig aus dem Betrieb genommen, um den Kerosinbedarf zu senken.
Auch international haben einige Airlines bereits reagiert und höhere Ticketpreise aufgerufen, insbesondere auf Strecken zwischen Asien, Afrika und Europa. So erhebt Hong Kong Airlines etwa einen zusätzlichen Betankungszuschlag, Air New Zealand greift zu vergleichbaren Maßnahmen.
Kerosinmangel: Ihre Rechte bei Flugausfall
Wird ein Flug gestrichen, behalten Reisende grundsätzlich ihren Anspruch auf Beförderung. Das heißt, die Airline muss entweder einen Ersatzflug anbieten oder den Ticketpreis erstatten. Unter Umständen können auch Ausgleichszahlungen fällig werden. Ob ein Kerosinmangel als "höhere Gewalt" gilt, muss jedoch womöglich noch gerichtlich geklärt werden.
Pauschalreisen können teurer werden
Auch lange im Voraus gebuchte Pauschalreisen können sich nachträglich verteuern. Reiseveranstalter dürfen den Preis etwa bei gestiegenen Treibstoffkosten erhöhen, wenn dies spätestens 20 Tage vor Reisebeginn angekündigt wird. Das gilt auch für Kreuzfahrten. Übersteigt die Erhöhung acht Prozent, ist ein kostenloser Rücktritt vom Vertrag möglich, so das Europäische Verbraucherzentrum.
Bei individuell gebuchten Flügen ist eine nachträgliche Preiserhöhung hingegen unzulässig, da sie eine Vertragsänderung darstellen würde.
Bei einer Pauschalreise haben Betroffene oft mehr Absicherung als bei einer Individualreise. Die rechtlichen Unterschiede lesen Sie hier:
Wie stark sich die Situation zuspitzt, hängt von der weiteren Entwicklung im Irankonflikt ab. Mehr als die Hälfte des importierten Kerosins stammt laut Energex aus dem Nahen Osten und wird größtenteils durch die Straße von Hormus transportiert.
Mit Material von dpa.