Kerosin-Knappheit: Was das für den Urlaub bedeutet

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Von Sabrina Doschek

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Ein Flieger am Flughafen und ein LKW mit Kerosin
Weniger Flüge wegen teurem Kerosin? Airlines prüfen Einschnitte im Angebot© imago images/Sven Simon

Der Irankrieg sorgt auch in Deutschlands Reisebranche für Unruhe: Nach steigenden Spritpreisen wächst die Sorge wegen eines Mangels an Kerosin – mit möglichen Folgen für den Flugverkehr im Sommer.

  • Fernreisen teuer, Buchungsnachfrage für Europa steigt

  • Lufthansa streicht 20.000 Flüge

  • Ihre Rechte bei Flugausfall

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte am Freitag, 17. April, dass mehrere europäische Länder in den kommenden Wochen mit einer beginnenden Kerosin-Knappheit zu rechnen haben.

Kerosinmangel: Bundesregierung sieht keine akute Gefahr

Als Folge des Irankriegs könnte Flugbenzin spätestens im Sommer knapp werden. Die Bundesregierung sieht derzeit zwar keine akute Gefahr für die Versorgung, hat jedoch nach einem Kerosin-Gipfel im Bundeswirtschaftsministerium Branchengespräche sowie Beratungen im Nationalen Sicherheitsrat angesetzt. Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung lässt sich ein Kerosinmangel verhindern, sofern frühzeitig gegengesteuert wird.

Kerosin-Krise? Fliegen könnte deutlich teurer werden

Für Urlauberinnen und Urlauber dürfte sich die Lage vor allem beim Preis bemerkbar machen: Wer den Sommerurlaub noch nicht gebucht hat, muss sich vermutlich auf höhere Kosten einstellen. Nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) könnte der stockende Nachschub an Kerosin schon bald zu spürbaren Einschnitten im Flugangebot führen.

Es ist möglich, dass Airlines ihr Angebot ausdünnen oder einzelne Verbindungen streichen. Die Lufthansa hat bereits reagiert und legt angesichts der hohen Kerosinpreise Teile ihrer Flotte still. Betroffen sind vor allem Lufthansa und die Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline, die zuletzt auch von Streiks betroffen waren.

Bis Oktober sollen rund 20.000 Kurzstreckenflüge gestrichen und so etwa 40.000 Tonnen Kerosin eingespart werden. Bis Ende Mai entfallen nun täglich 120 Flüge.

Fernreisen zu teuer, Buchungsnachfrage für Europa steigt

Auch international haben einige Airlines bereits reagiert und höhere Ticketpreise aufgerufen, insbesondere auf Strecken zwischen Asien, Afrika und Europa. So erhebt Hong Kong Airlines etwa einen zusätzlichen Betankungszuschlag, Air New Zealand und Air France greifen zu vergleichbaren Maßnahmen.

Davon könnten südeuropäische und südwest­europäische Ziele profitieren, wenn Reisende ihre Fernreisepläne aufgeben. Besonders gefragt seien Spanien, Portugal, Griechenland und Italien. Buchungsdaten zeigen derzeit für Spanien einen Nachfrageanstieg von 32 Prozent im Jahresvergleich, für Italien, Griechenland und Portugal von jeweils rund 20 Prozent, so eine Studie von Allianz-Trade.

Insgesamt dämpfen jedoch steigende Energiepreise, Inflation und eine verhaltene Konsumstimmung die Reiselust vieler Menschen. Der Inlandstourismus in Deutschland dürfte davon nicht automatisch profitieren.

Kerosinmangel: Ihre Rechte bei Flugausfall oder Insolvenz

Wird ein Flug gestrichen, behalten Reisende grundsätzlich ihren Anspruch auf Beförderung. Das heißt, die Airline muss entweder einen Ersatzflug anbieten oder den Ticketpreis erstatten. Unter Umständen können auch Ausgleichszahlungen fällig werden. Ob ein Kerosinmangel als "höhere Gewalt" gilt, muss jedoch womöglich noch gerichtlich geklärt werden. Unterkünfte oder Mietwagen am Zielort sollten daher nur mit ausreichenden Stornierungsmöglichkeiten gebucht werden.

Wird eine Fluglinie insolvent, finden die geplanten Flüge nicht statt und die Kunden müssen sich selbst um Ersatz kümmern, zunächst auch auf eigene Kosten. Eine vergleichbare Sicherung wie bei Pauschalreisen gibt es nicht. Entstandene Mehrkosten können später bei einem etwaigen Insolvenzverfahren eingebracht werden. Reisende sind aber keine bevorrechtigten Gläubiger, warnt die Verbraucherzentrale. Die Aussichten auf Erstattung sind entsprechend gering.

Pauschalreisen können teurer werden

Auch lange im Voraus gebuchte Pauschalreisen können sich nachträglich verteuern. Reiseveranstalter dürfen den Preis etwa bei gestiegenen Treibstoffkosten erhöhen, wenn dies spätestens 20 Tage vor Reisebeginn angekündigt wird. Das gilt auch für Kreuzfahrten. Übersteigt die Erhöhung acht Prozent, ist ein kostenloser Rücktritt vom Vertrag möglich, so das Europäische Verbraucherzentrum.

Die großen deutschen Reiseveranstalter gaben hierzu Entwarnung und wollen trotz der steigenden Kerosinpreise Kunden und Kundinnen nicht nachträglich zur Kasse bitten. Man werde die Preise für bereits gebuchte Reisen nicht nachträglich erhöhen, berichteten beispielsweise Tui, Alltours und Dertour dem "Tagesspiegel" in einer Umfrage. Für zukünftige Buchungen könnte dies allerdings angesichts des Preisanstiegs anders aussehen.

Bei einer Pauschalreise haben Betroffene mehr Absicherung als bei einer Individualreise. Die rechtlichen Unterschiede lesen Sie hier:

Wenn ein Veranstalter vor Reisebeginn in die Pleite rutscht, können Betroffene ihre Ansprüche gegen den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) geltend machen. Auch während des Aufenthalts sind Reisende vor Zahlungsengpässen ihres Veranstalters geschützt, weil der Versicherer eintreten muss.

Flugtickets: EU warnt vor Kerosinzuschlägen nach Kauf

Eine nachträgliche Preiserhöhung bei individuell gebuchten Flügen ist unzulässig, da sie eine Vertragsänderung darstellen würde.

Deshalb warnt die EU‑Kommission Airlines, wegen gestiegener Kerosinpreise nachträglich Zuschläge auf bereits gebuchte Flugtickets zu erheben. Der Endpreis müsse beim Kauf feststehen und alle vorhersehbaren Kosten enthalten. Der Anstieg der Treibstoffpreise sei seit Wochen absehbar gewesen und hätte bereits in die Tarifkalkulation einfließen können.

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Wie stark sich die Kerosinmangelsituation zuspitzt, hängt von der weiteren Entwicklung im Irankrieg ab. Mehr als die Hälfte des importierten Kerosins stammt laut der Londoner Beratungsfirma Energex aus dem Nahen Osten und wird größtenteils durch die Straße von Hormus transportiert.

Mit Material von dpa.